Die Teilnahme am Wurst- und Schinken-Fachwettbewerb der „Confrérie des Chevaliers du Goute-Andouille de Jargeau“ in Roermond/Holland war für zwei Metzgereien aus der Nähe von Nürnberg ein voller Erfolg. Neben der Metzgerei Gerstacker aus Altdorf und der Metzgerei Pfann aus Nürnberg nahmen Fleischer aus ganz Europa an dem Traditionswettbewerb teil. In der Fleischerschule Eindhoven bewertete eine internationale Jury die Proben in neun Kategorien (von Pasteten über Schinken bis Konserven) anonymisiert nach Konsistenz, Aussehen und Geschmack.
Zwei Pokale, zwei Medaillen und fünf Urkunden: Alle vier von der Metzgerei Pfann eingereichten Produkte erhielten die volle Punktzahl und eine Gold-Prämierung – die Käsekrainer wurden zudem als „Produit sublime“ („Erhabenes Produkt“) besonders geehrt. Mit einer Feinen Mettwurst war das 14-köpfige Team um Metzgermeister Christian Pfann im Wettbewerb für Streichfähige Rohwürste erfolgreich, außerdem mit drei Produkten im Brühwurst-Wettbewerb – einer Gelbwurst ohne Petersilie, einer Nürnberger Stadtwurst und den Käsekrainern. Letztere sind eigentlich ein in Österreich populäres Brotzeit- und Grillwürstchen aus Rindfleisch mit Käseeinlage, das der Chef und Gattin Daniela Pfann vor fünf Jahren im Urlaub auf einer Brotzeitplatte entdeckten. Gemeinsam mit ihrem Sohn Adrian Pfann versuchten sie sich zuhause an der Herstellung, stimmten die Würzung nach eigenem Gusto ab und waren sich nach dem dritten Produktionslauf einig: „Jetzt ist sie perfekt!“ Und die Jury in den Niederlanden gab ihnen recht.
Metzgermeister Udo Gerstacker freut sich mit seinem vierköpfigen Team über zwei Pokale, drei Auszeichnungen in Gold und eine in Silber. Drei Brühwurst-Produkte erhielten bei der Europameisterschaft der Metzger die volle Punktzahl: die Paprika-Fleischwurst, der Bierschinken und die Nürnberger Stadtwurst. Im Leberwurst-Wettbewerb wurde die Landleberwurst der Gerstackers mit Silber dekoriert. Für Uwe Gerstacker war es nicht der erste Medaillenregen dieser Art. Schon seit 2005 nimmt er regelmäßig an internationalen Qualitätswettbewerben in Belgien, Frankreich und den Niederlanden teil. Die Familie sieht die Urkunden aus Roermond als Bestätigung, auch mit ihrem nur vierköpfigen Team höchste Qualität gewährleisten zu können. Auf Filialgründungen, Partyservice und Catering hat man zwar seit jeher verzichtet, die Gaststätte wurde in den 80er Jahren geschlossen. Aber man zeigt sich für Kundenwünsche offen: Neben dem Leberkäse zur Selbstabholung legt man für Geburtstage oder Jubiläen auch mal Wurst- und Käseplatten oder gestaltet Geschenkkörbe. Kontaktpflege ist gerade für kleine Betriebe wichtig: So produzieren die Gerstackers vor Weihnachten bis zu 700 Würste, die sie an Stammkunden verschenken.
Beide Metzgerfamilien sehen den Medaillenregen als Bestätigung, mit ihren Teams Qualität und Tradition stets hoch zu halten. Für die Teilnahme verwendeten sie übrigens nur Ware aus der „normalen“ Produktion. Die Übergabe der Pokale und Urkunden fand Ende März in Heerlen statt. Beide Betriebe konnten nicht an der Preisverleihung teilnehmen. Das übernahm der „Grand Majordome“ und Botschafter der Confrérie für Süddeutschland, Metzgermeister Georg Forster aus Feucht, der einst herzhaft gewürzte fränkische Produkte in dem Contest populär gemacht hat.