Erfolg mit neuer Eigenmarke

In der Metzgerei Bellendorf in Lembeck kaufen die Kunden wieder größere Fleischstücke. Ein Grund dafür: Hinter der neuen Fleisch-Eigenmarke „Natur DuBell“ steckt die Zuchtlinie des Duroc IMF. Die komplette Wertschöpfung vom Ferkel bis zur Theke liegt in der Hand des Fleischers.

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    Das Fleisch vom Duroc IMF-Schwein weist einen hohen Anteil an intramuskulärem Fett auf, was Feinschmecker zu schätzen wissen. Topigs Norsvin
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    Bei seiner neuen Fleisch-Eigenmarke „Natur DuBell“ liegt die komplette Wertschöpfung vom Ferkel bis zur Theke in der Hand von Matthias Belllendorf. Lensingmedia
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    Auf einem Mitarbeiterseminar erklären Hendrik Tiemann (links) und Fritz Gempel die Vorzüge des Fleisches vom Duroc IMF-Schwein. Topigs Norsvin
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    Ein marmoriertes Schweinesteak steht für Spitzenqualität und intensiven Fleischgeschmack. Topigs Norsvin
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    Bei einer Verkostung konnten sich die Bellendorf-Mitarbeiter einen ersten Eindruck von der außergewöhnlichen Fleischqualität des Duroc IMF-Schweins macvhen. Topigs Norsvin

Früher hat der Kunde Wert auf mageres und billiges Schweinefleisch gelegt“, erinnert sich Bellendorf-Chef Matthias Tiemann. Zusammen mit seiner Frau Hanne und Sohn Hendrik war sich Tiemann sicher: „Billig können andere ohnehin besser.“ Die Tiemanns suchten nach Alleinstellung am Markt und besannen sich dazu auf die bäuerlich-handwerklichen Wurzeln der Familie. Denn von Schweinezucht und Rindermast versteht diese Metzgerfamilie genau so viel wie von der handwerklichen Schlachtung und Wurstherstellung.

Die Metzgerei Bellendorf war einer der ersten Fleischer in Deutschland, die das Duroc IMF-Schwein (bekannt als „Testschwein“) schlachteten, zerlegten und verkauften. Der Erfolg dieses besonderen Schweins geht auf eine Züchtung des Unternehmens Topigs Norsvin zurück. Das Kürzel IMF im Namen steht dabei für Intramuskuläres Fett – und davon hat dieses Schwein reichlich. Der IMF-Eber gibt bei jeder Sauenbesamung die gewünschte Marmorierung an alle späteren Ferkel weiter. Unterstützt vom Konsumententrend nach marmoriertem Steakfleisch wissen Feinschmecker: Wo Marmorierung ist, ist Spitzenqualität und intensiver Fleischgeschmack. Matthias Tiemann zu diesem Schweinefleisch: „Ich bin von diesen Duroc-Schweinen überzeugt. Wenn man sich etwa das Kotelett anguckt, sieht man diese ganz feine Maserung und den hohen Anteil an intramuskulärem Fett“.

Qualität mit Tierwohlgarantie

Das neue Schweinefleischprogramm von Bellendorf sollte Qualität im umfassenden Sinne bieten: Also eine Hochwertigkeit, die der Kunde am Gaumen spürt, und dazu ein Versprechen, das positive Bilder von einer tierfreundlichen Haltung erzeugt. Die Tiemanns suchten für das neue Schweinefleisch nach den bäuerlichen Partnern – von der Muttersau bis zum Schlachtschwein sollte nichts dem Zufall überlassen bleiben. Man brauchte also einen Ferkelproduzenten und einen Schweinemäster. Für die Schweinehaltung setzte Matthias Tiemann die Hürde besonders hoch: Zuchtlinie Duroc IMF, Strohhaltung im Offenstall, doppelt so viel Platz wie vorgeschrieben, Fütterung ohne Gentechnik und maximal viel regionales und selbst angebautes Futter, lauteten seine Vorgaben.

Mit den Landwirtsfamilien Becker und Gülker einigten sich die Tiemanns über den zu zahlenden Mehrpreis und die Abnahmeverpflichtung. Im Rahmen dieser Vertragslandwirtschaft konnten nun beide Seiten sicher kalkulieren. Passend zu den Qualitätsversprechen beim Schwein wurde auch die Haltung der Rinder ausgerichtet: Mindestens sechs Monate pro Jahr sind die Mutterkuhherden auf den Weiden, die Matthias Tiemann selbst gehören. Auf der Weide wie im Stall gibt es gentechnikfreies Futter.

Zu dieser auf Ökologie und Tierwohl ausgerichteten bäuerlichen Qualität passen die traditionell-handwerklichen Versprechen: Nach wenigen Kilometern Tiertransport durch den Bauern oder den Metzger erfolgen die handwerkliche Schlachtung, Zerlegung und Reifung. Dass sich das stark marmorierte, etwas dunklere und trockene Schweinefleisch hervorragend im Fleischreife-Schauschrank entwickelt, ist ein weiterer Zusatznutzen.

Die Familie Tiemann hatte über Monate hin in diese neue Fleischqualität viel Zeit, Wissen, Können und Geld investiert. Jetzt sollte dieses einzigartige Qualitätsversprechen auch gesichert werden. Das Marketingziel hieß und heißt: Alleinstellung und Unverwechselbarkeit. Dafür wurde eine eigene Marke entwickelt. Der Name „Natur DuBell“ und die Farbe Grün im Logo signalisieren, dass hier ein besonders naturnahes Erzeugnis angeboten wird. Der gezeichnete Schweinekopf zeigt, worum es geht und die Farbe Blau im Logo steht für die Hygiene im Verarbeitungsbereich der Fleischerei.

Kontrolliert und zertifiziert

So wie das Markenzeichen Natur DuBell rechtlichen Schutz genießt, so sollten alle Bellendorf-Versprechen eine besonders hohe Sicherheit und Glaubwürdigkeit erhalten. Dazu werden alle Qualitätsaussagen über das Programm „Meisterhaft“ von Orgainvent regelmäßig von einem zertifiziertem Prüfunternehmen kontrolliert. Ein zeitlich befristetes Kontrollzertifikat dokumentiert, welche Versprechen von welchem Kontrolleur wann geprüft wurden. Matthias Tiemanns schildert seine Motivation zu dieser Maßnahme: „Die Kunden sollen sich hundertprozentig auf unsere Versprechen verlassen können. Wenn wir ein Schwein auf Stroh in der Sonne zeigen, dann ist das nie nur ein schönes Foto zur Werbung – sondern zeigt die Wahrheit unserer Schweinemast. Diese Alleinstellung ist mir den Aufwand und die Kosten wert.“

Dass die Bellendorf-Wahrheit mindestens so schön ist, wie das Imagevideo oder der Werbeflyer, das erlebten nach dem Start der neuen Fleischqualität in der Theke zunächst die Mitarbeiter. An einem Sonntagmorgen starteten Planwagen mit allen 35 Verkaufskräften, Metzgern und Köchen zu den Schweineställen und der Weide. Die Aufgabe der Mitarbeiter: Mit eigenem Erkunden und Fragen auf den Bauernhöfen herausfinden: „Was ist das Einzigartige an unserer Fleischqualität?“ Die Metzger und Verkäuferinnen fanden dabei noch viel mehr Argumente, als bisher in der Bellendorf-Werbung verwendet werden. Im Rahmen eines Seminars wurden die Ergebnisse abgefragt und zum Schluss gab es eine große Fleischverkostung mit Bewertung von Zartheit und Aroma.

Über den Erfolg einer neuen Fleischqualität und einer neuen Fleischmarke bestimmen letztlich die Kunden. Nachdem das Duroc-IMF Schweinefleisch die erste Woche in der Theke lag, sagte Chefin Hanne Tiemann am Samstagmittag erfreut: „Die Kunden kaufen jetzt wieder größere Fleischstücke. Und sie kaufen wieder viel lieber Fleischstücke mit Knochen.“

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