Den Blick nach vorn gerichtet

Die Zertifizierungen dänischer Schweineproduktionsbetriebe nach dem Danish Produktstandard sind bislang nicht von der Corona-Pandemie beeinträchtigt. Auch die vielfältigen Aktivitäten rund um das Thema Tierschutz werden in Dänemark weiter vorangetrieben.

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    In der dänischen Schweineproduktion steht der Tierschutz schon lange weit oben auf der Agenda. Dänischer Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft
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    Asger Kjær Nielsen, Qualitätsmanager beim SEGES Pig Research Centre im Dänischen Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft, befasst sich vorrangig mit dem Thema Seuchenschutz sowie den Bereichen Tierwohl, Lebensmittelsicherheit und Rückverfolgbarkeit. Dänischer Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft
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    Schweinetransportfahrzeuge werden ­nahe der dänisch-deutschen Grenze nochmals gewaschen und desinfiziert. Dänischer Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft

Auch in der Corona-Krise haben im dänischen Schweinesektor ein Höchstmaß an Produktqualität und Lebensmittelsicherheit oberste Priorität, wie Asger Kjær Nielsen zu berichten weiß. Er ist Qualitätsmanager Danish Produktstandard und Danish Transportstandard beim SEGES Pig Research Centre im Dänischen Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft. „Ich befasse mich vorrangig mit dem Thema Seuchenschutz sowie den im Danish Produktstandard zusammengefassten Bereichen Tierwohl, Lebensmittelsicherheit und Rückverfolgbarkeit“, erklärt Nielsen und betont, dass die laufenden Zertifizierungen dänischer Schweineproduktionsbetriebe nach dem Danish Produktstandard bislang von der Pandemie nicht beeinträchtigt sind. „Es existiert zwar ein Notplan für den Fall, dass Prüfungen in den Betrieben nicht mehr durchgeführt werden könnten. Dieser umfasst unter anderem E-Audits administrativer Art via Telefon oder Skype mit anschließenden Inspektionen vor Ort für die übrigen Prüfungen nach Ende der Besuchsbeschränkungen“, so der Qualitätsmanager. Bislang konnten aber alle Audits planmäßig in gewohnter Weise durchgeführt werden.

Sauberkeit ist oberstes Gebot

Gemäß dem Danish Transportstandard werden alle Lkw kontrolliert, gereinigt und desinfiziert, die für den Transport der jährlich rund 15 Millionen Schweine ins europäische Ausland sorgen. In der Ortschaft Padborg nahe der dänisch-deutschen Grenze prüfen und überwachen fünf SEGES­-Mitarbeiter die Reinigung sämtlicher Schweinetransportfahrzeuge. Lkw, die dem von der Europäischen Union geforderten Reinigungszustand entsprechen, werden dort nochmals gewaschen und desinfiziert. Nicht vorschriftsmäßig gereinigte Fahrzeuge werden mit der Auflage einer korrekten Reinigung zurückgeschickt und dürfen dann nach nochmaliger Reinigung und Desinfektion ihren Bestimmungsort in Dänemark anfahren. „An diesem Vorgehen hat auch COVID-19 nichts geändert – bis auf die Tatsache, dass die Überprüfung der Transporter nun außerhalb der Waschhallen erfolgt und dabei der empfohlene Abstand zu den Fahrern einzuhalten ist“, berichtet Asger Kjær Nielsen.

Der Tierschutz steht im Fokus

In der dänischen Schweineproduktion steht der Tierschutz schon lange weit oben auf der Agenda. Folgende Ziele stehen dabei besonders im Fokus: die Freilaufhaltung säugender Sauen, intakte Ferkelschwänze, Kastrationsstopp und die Steigerung der Ferkelüberlebensrate. Bereits seit Jahren forciert das Königreich den Ausbau der Freilaufhaltung von Sauen. Schon weitestgehend gängige Praxis ist in der dänischen Schweineerzeugung die Freilaufhaltung von tragenden Sauen und Tieren im Deckabschnitt. Die Branche will aber auch die Freilaufhaltung in Abferkelställen weiter voranbringen und entwickelt hierfür innovative Haltungssysteme.

In verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen Dänemarks forscht man seit geraumer Zeit an Alternativen zur Schwanzkupierung. Alle Fälle von Schwanzbeißen sind im Rahmen des Danish Produktstandard seit dem 1. Januar 2019 zu erfassen. Seit diesem Datum dürfen zudem männliche Ferkel in Dänemark nur nach vorheriger Lokalanästhesie kastriert werden. Die landwirtschaftlichen Erzeuger und zuständigen Mitarbeiter sind hierfür in speziellen Lehrgängen entsprechend geschult worden. Alternativen zur Kastration wie beispielsweise die Ebermast und Immunokastration werden in Dänemark seit vielen Jahren erforscht. Ziel ist es, eine für die Vermeidung von Ebergeruch und den Tierschutz optimal ausgewogene Lösung zu finden.

Mehr Schweinefleisch für China

Stichwort Ferkel: Der dänische Schweinesektor hat im vergangenen Jahr die Ferkelexporte um 3,4 Prozent auf knapp 15 Millionen Tiere steigern können. 2019 kamen in den Schlachtunternehmen 16,6 Millionen Schweine an den Haken – gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von acht Prozent. Auch die Schweinefleisch- und Lebendtierausfuhren sind laut dem Dänischen Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft rückläufig. Die Branche hat letztes Jahr 1,8 Millionen Tonnen Schweinefleisch, Nebenprodukte, verarbeitete Produkte und lebende Schweine exportiert. Gegenüber 2018 ist das ein Minus von rund acht Prozent.

Deutschland ist nach wie vor der wichtigste Markt für den dänischen Schweinesektor. Die Handelspartner orderten 456.000 t Ware, vornehmlich ganze Tiere, Schweinehälften, Abschnitte und lebende Tiere. Die Plätze zwei und drei in der Exportstatistik belegen Polen und Großbritannien mit einem Volumen von 265.000 bzw. 187.000 t. Die Ausfuhren in die Länder der Europäischen Union belaufen sich insgesamt auf knapp 1,2 Millionen Tonnen.

Eine positive Entwicklung verzeichnet der dänische Schweinesektor im Drittlandgeschäft, was vor allem auf die Nachfrage in China zurückzuführen ist. Wegen des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im Reich der Mitte mussten dort offiziellen Angaben zufolge rund 40 Prozent des gesamten Schweinebestands getötet werden – das sind mehr als 200 Millionen Tiere. Um die Versorgung mit Schweinefleisch sicherzustellen, ordert das Land seitdem verstärkt Rohstoffe im Ausland.

Die dänischen Unternehmen lieferten 2019 mehr als 378.000 t Schweinefleisch nach China – im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von über 70 Prozent. Vor allem ganze Tiere und Schweinehälften sowie Nebenprodukte waren im Reich der Mitte gefragt. Eine starke Entwicklung verzeichnet der dänische Schweinesektor auch im Geschäft mit Australien. Knapp 51.000 t Ware verschiffte die Branche im vergangenen Jahr Richtung Down Under. Das ist eine Steigerung von knapp 35 Prozent.