Hauptsache billig!

Dass große Schlachtbetriebe und Fleisch verarbeitende Indus­trieunternehmen über Subunternehmer Arbeiterkolonnen vorzugsweise aus Osteuropa beschäftigen, ist nicht neu. Schon des Öfteren wurde dieses „Werkvertragsmodell“ als Lohndumping scharf kritisiert. Damit entzieht sich die Fleischindustrie aus reinem Profitstreben, so der durchaus berechtigte Vorwurf, der Verantwortung für Mitarbeiter. Das hat zu einem Imageschaden geführt, unter dem die Fleischbranche nach wie vor leidet.

Trotzdem ist dieses „Geschäftsmodell“ weiterhin gängige Praxis, wie nun die Corona-Pandemie ans Licht gebracht hat. Werkvertragsarbeiter aus Osteuropa, die bei Westfleisch in Coesfeld eingesetzt waren, hatten sich mit dem Virus infiziert. Wie sich gezeigt hat, waren die unhaltbaren Zustände und beengten räumlichen Gegebenheiten in den Unterkünften der Beschäftigten die Ursache für die ungebremste Verbreitung des Virus.

In den Medienberichten über Westfleisch erscheinen Fleisch verarbeitende Betriebe nun pauschal als potenzielle Quelle von Corona-Infektionen. Damit wird suggeriert, dass von ihnen oder auch von dem Verarbeitungsprozess selbst ein latentes Infektionsrisiko ausgeht. Dieser Eindruck muss korrigiert werden!

Wichtig ist aber auch, dass die Unternehmen ihre Verantwortung nicht an Subunternehmer abschieben. „Als Unternehmer muss ich mich kümmern, diesen ethischen Anspruch an uns selber müssen wir haben“, sagt Sarah Dhem, Präsidentin des Bundesverbandes der Deutschen Fleischwarenindustrie e.V..

In eigener Sache

Das Coronavirus wirkt sich auch auf Medienunternehmen aus. Veranstaltungen, Messen und Branchenevents finden nicht statt, was auch die redaktionelle Arbeit beeinträchtigt. Deshalb haben die Geschäftsleitung von Holzmann Medien und die Redaktion von Die Fleischerei beschlossen, die Mai- und Juniausgabe Ihrer Fachzeitschrift zu einer nun umfangreicheren Ausgabe zusammenzulegen. Der geplante Inhalt und die gewohnte Qualität der Fachinformationen bleiben davon natürlich unberührt. Für diese Maßnahme bitte ich um Ihr Verständnis.