Bei portablen Geräten wie Mobiltelefonen und Tablets haben sich Lithium-Ionen-Batterien längst durchgesetzt. Anders beim Elektrostapler: Hier dominiert noch immer der klassische Blei-Säure-Akku. Wobei die moderne Alternative zahlreiche Vorteile mit sich bringt.
Die Eigenschaften von Lithium-Ionen-Batterien klingen faszinierend. So fällt ihre Energiedichte etwa viermal höher aus als die von Bleibatterien. Und sie lassen sich in kürzester Zeit „betanken“. Nur zwanzig Minuten beispielsweise ergeben eine Ladung von rund 25 Prozent; und nach zwei Stunden ist ein solcher Stromspeicher vollständig gefüllt. Außerdem dürfen sie zwischendurch geladen oder nahezu ganz entleert werden – ohne die Lebensdauer zu beeinträchtigen.
In puncto Wirkungsgrad überzeugt die junge Akku-Gattung ebenfalls: Vom ursprünglich eingesetzten Strom stellt eine Bleibatterie später nur circa 70 Prozent zur Verfügung; das moderne Pendant dagegen macht um die 93 Prozent nutzbar. Das führt zu deutlich niedrigeren Energiekosten.
Lithium-Ionen-Akkumulatoren besitzen obendrein eine wesentlich längere Lebensdauer. Die Selbstentladung indes spielt kaum eine Rolle. Zudem entfallen durch die fortschrittliche Speichertechnik das zeitraubende Nachfüllen von Wasser, Batteriewechsel sowie Wartungs- und Reinigungsmaßnahmen.
Pauschale Empfehlung unmöglich
Mit den neuen Energiesystemen gehen jedoch auch Nachteile einher. Zum einen kommen sie, im Gegensatz zur Bleibatterie, auf eine enttäuschend geringe Recyclingquote. Zum anderen beträgt ihr Anschaffungspreis ein Vielfaches von dem eines entsprechenden konventionellen Energiespeichers.
Ein pauschaler Gesamtkostenvergleich der beiden Batterietypen bleibt illusorisch: „Man muss jeden Fall einsatzspezifisch analysieren“, resümiert Thomas Schmehl. Der Geschäftsführer der Burger Hub- und Transportmittel GmbH räumt zwar ein, dass sich Lithium-Ionen-Akkus am ehesten im Mehrschichtbetrieb amortisieren. Doch selbst dann stehe die richtige Lösung nicht automatisch fest.
Akkus besser mieten
Der Generalimporteur von Hangcha- Maschinen weiß: „Ohne entsprechende Zeitfenster fürs Zwischendurch-Laden hat Li-Ion in der Praxis keine Chance. Da mag die Kostenrechnung noch so günstig ausfallen.“ Andersherum überzeugen die innovativen Traktionsbatterien selbst in Einsätzen, wo kalkulatorisch gesehen die Bleilösung günstiger käme. Als Paradebeispiel nennt der Ingenieur „kleinere Geräte im Rampenbetrieb, deren Bleibatterien nie gewartet werden und die daher oft ausfallen“. Würde man hier Lithium-Ionen-Akkus mieten und nicht kaufen, rechne sich die Technik – vielleicht nicht mit Blick auf die Lebenszykluskosten, doch auf jeden Fall aus Verfügbarkeitsaspekten.
Die trendigen Stromspeicher sind auch in einem sensiblem Arbeitsumfeld hoch attraktiv, vor allem in der Lebensmittelbranche. Insbesondere sind Lithium-Ionen-Batterien komplett gekapselt; Kontaminationen durch Batteriegase und Säure sind daher schlicht nicht möglich. Werden Stapler obendrein mit biologisch abbaubarem Hydrauliköl und mit Trockenschmiermittel versehen, sind Kollisionen mit der Lebensmittelhygiene-Verordnung rundum ausgeschlossen.
Völlig neue Staplerkreationen
Die Charakteristika der Hightechakkus gestatten es darüber hinaus, völlig neue Varianten an Flurförderzeugen zu designen. Hangcha wartet unter anderem mit dem Niederhubwagen CBD12 auf. Dieses Hebeinstrument für die sogenannte „letzte Meile“ wiegt 180 kg weniger als ein ähnlich leistungsfähiges Bleimodell. Und es erlaubt dem Zusteller, bei unveränderter Zuladung substanziell mehr Frachtgut zu befördern. Schmehl bietet neuerdings alle elektrisch angetriebenen Hangcha-Modelle wahlweise mit Lithium-Ionen-Akku.
Der Intralogistikspezialist aus Herborn hat dazu den münsterländischen Anbieter Benning ins Boot geholt. Das 1938 gegründete Familienunternehmen setzt auf Lithium-Eisenphosphat-Zellen. Bei diesen Modulen handelt es sich – chemisch bedingt – um eine besonders sichere Bauart. Jedes Speicheraggregat zeichnet sich durch eine Lebensdauer von rund 3.000 Zyklen und ein intelligentes Batterie-Management-System aus. Doch selbst diese Akkus stellen nicht immer die bessere Alternative zur althergebrachten Blei-Säure-Technik dar.