Weniger Müll, mehr Umsatz

„Filser – der Metzger“ aus Altenstadt hatte die Nase vorn. 2019 führte die Landmetzgerei als Erster in Bayern die Mehrwegbox ein. Ein System, das sich auch während der Pandemie bestens bewährt hat.

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    Barbara und Ludwig Filser sind von der Qualität der Boxen überzeugt. Bisher sind nur drei Boxen kaputtgegangen. Filser – der Metzger
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    Links unter der Theke können die sauberen Mehrwegboxen zurückgegeben werden. Hinter der Theke warten die gespülten Boxen auf ihren Einsatz. RedFL
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    Immer mehr Kunden nutzen den unverpackten Einkauf. RedFL
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    Während der Startphase im September 2019 verdeutlichte dieser Kreislauf das Handling mit der neuen Mehrwegbox. Meisterbote

Im oberbayerischen Altenstadt, nahe Schongau, befindet sich die Metzgerei von Ludwig Filser. Die Landkreisgrenze zum schwäbischen Ostallgäu ist nicht weit. Das hört man auch, wenn der Metzgermeister von seinem Stein des Anstoßes berichtet: „Vier Rädle Schinken, fünf Löffel voll Fleischsalat, zehn Rädle Gelbwurst, 200 Gramm Wurstsalat.“ Er spricht von einem typischen Einkauf mit diversen Wurstscheiben, aber auch von jeder Menge Müll. Pro Sorte ein Einschlagpapier, für jeden Feinkostsalat einen Kunststoffbecher, das macht 50 bis 60 g Plastik pro Einkauf. Das war dem umweltbewussten Ludwig Filser ein Dorn im Auge.

Seit drei Jahren gibt es hierfür eine Lösung. Das Konzept des Mehrwegsystems mit der ecoBOX ist dabei so simpel wie genial. Die Kunden kommen mit einer leeren, aber gespülten Box in den Laden, legen sie in den Drahtkorb unter der Theke, bestellen Wurst und Fleisch und erhalten den Einkauf in einer sauberen Box zurück – auf Wunsch sogar vakuumiert. Das Behältnis gibt es in verschiedenen Größen und Ausführungen. In Altenstadt sind etwa 65 Prozent der Kunden beim Pfandsystem dabei. Sie zahlen einmalig 15 Euro für die große und 10 Euro für eine kleine Frischhaltebox. Beim nächsten Einkauf kann die Box zurückgegeben und das Pfand zurückgeholt werden oder eben in einem nachgereinigten Behältnis wieder eingekauft werden. Für Spontaneinkäufe oder eine Leberkässemmel togo gibt es immer noch die bekannten Verpackungsalternativen.

Leberkäsbrät im Papierbecher

Die Mehrwegbox war nicht die erste umweltfreundliche Innovation hinter der Fleischtheke von Ludwig Filser. Das Leberkäsbrät gibt es in Altenstadt schon länger nicht mehr in der Aluschale. Das silberne Behältnis ersetzt ein Papierbecher, der einfach über das Altpapier entsorgt werden kann. Kunden, die gleich mehrere Kilo pro Woche bestellen und von Ludwig Filser beliefert werden, erhalten das Brät in einer Edelstahlform. „Diesen sinnvollen Kreislauf hatte ich auch für den regulären Verkauf im Kopf. Es fehlte nur die geeignete Box und ein Hersteller,“ erinnert sich Filser. Im Frühjahr 2019 begann er, mit den großen Playern auf dem Dosenmarkt Kontakt aufzunehmen. Die Reaktionen waren ernüchternd: Ein Anbieter meldete sich gar nicht, der nächste forderte eine riesige Abnahmemenge und wieder ein anderer sträubte sich gegen das individuelle Logo der Metzgerei.

Ein Artikel im Internet über die Fleischerei Martin in Trier brachte den entscheidenden Hinweis. Seit kurzem nutzte der Betrieb ein cleve­res Mehrwegsystem mit der ecoBOX von Meisterbote, Weiterstadt. Dann ging alles ziemlich schnell: Ein langes Telefonat mit der Fleischerei Martin und ein persönlicher Besuch des Meisterbote-Vertriebs später, startete Ludwig Filser im September 2019 mit 220 Boxen als erste Metzgerei in Bayern. „Bereits nach Ladenschluss mussten wir Boxen nachbestellen, und so ging es die nächsten acht Wochen“, berichtet er über die Akzeptanz seiner Kundschaft. Filser, der seiner Kundschaft gerne das „Du“ anbietet, scheut dabei nicht das Gespräch: „Obwohl das Pfandsystem in der Getränkebranche gut etabliert ist, hat es einige Erklärungen gebraucht, bis alle Unklarheiten beseitigt waren. Das kostet Zeit, aber die vielen Gespräche mit Zweiflern oder Unentschlossenen tragen auch zur Kundenbindung bei.“

Clevere Vermarktung

Clever ist auch die Vermarktung des neuen Pfandsystems. Filser ist begeisterter Skifahrer und weiß um die Bedeutung eines ersten Platzes. „Erster sein, die Goldmedaille bekommen, das ist unvergleichlich. Deshalb wollte ich auch der Erste in Bayern sein, der die Mehrwegbox anbietet. Gemeinsam mit einem befreundeten Fotografen und einer Texterin haben wir noch vor der Einführung ordentlich die Werbetrommel gerührt.“

Noch heute spielt die Mehrwegbox – dank einer Angelschnur – als Werbefigur in den sozialen Medien eine Hauptrolle. Mit aufgeklebten Augen und der Stimme von Ehefrau Barbara ist die Box im Dialog mit Ludwig Filser und berichtet über besondere Aktionen oder lästige Straßensperrungen vor dem Laden. Die pfiffigen Clips kamen so gut an, dass neben vielen Neukunden auch die Lokalpresse und das Fernsehen da waren. Ludwig Filser ist drei Jahre nach dem Start immer noch überzeugt: „Heute sind 1.780 Mehrwegboxen im Umlauf. Das machte in 26 Monaten 30.000 Mal weniger Müll.“

Das System hat sich auch in der Pandemie bewährt: Als im Januar 2020 erste Corona-Fälle im nahen Starnberg bekannt wurden, kontaktierte Ludwig Filser sofort die Hygienekontrolle: „Corona hat uns und die Verbraucher verunsichert. Wir haben frühzeitig reagiert und grünes Licht für unser System erhalten. Der ­Waschgang mit 90 Grad Celsius und regelmäßige Abklatschproben gewährleisten die Sicherheit“, sagt der Metzgermeister.

Nachhaltigkeit kein Luxusgut

Weil für Ludwig Filser Nachhaltigkeit kein Luxusgut ist, soll jeder einkommensunabhängig einen Beitrag leisten können. Deshalb gab es nach der Investition in die Mehrwegbox keine Preiserhöhungen für Wurst und Fleisch. Dieses Entgegenkommen und weil sich mittlerweile viele Menschen auch beim Einkauf bewusst für die Reduzierung von Verpackungsmüll entscheiden, führte in Spitzenzeiten zu 25 Prozent mehr Umsatz in der Metzgerei.

Heute ist der Handwerksmeister auch Ansprechpartner für andere interessierte Fleischereien. Er kann das System eigentlich jedem empfehlen, der aus Überzeugung nachhaltiger wirtschaften möchte. Speziell kleinere Handwerksmetzger mit wenigen Filialen können profitieren, weil sie kein Problem mit der Pfanddosen-Logistik haben. „Wenig Platz hinter der Theke, der Spülvorgang in der Industriewaschmaschine, zu hoher Energieverbrauch – alles keine Argumente, wenn jemand mit Überzeugung die Natur schätzt und offen für ein nachhaltiges Gesamtkonzept ist“, sagt Filser. Der Aufwand ist zwar insgesamt höher als beim Einsatz von günstigeren Einweg-Plastikverpackungen – „aber das gute Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun, lohnt sich“.

Dass Umweltschutz und Tierwohl bei Ludwig Filser einen hohen Stellenwert einnehmen, kommt nicht von ungefähr. Der Metzgermeister, der auch Betriebswirt des Handwerks ist, hat seit seiner Kindheit einen festen Bezug zu Natur und Landwirtschaft. Sein Vater betrieb neben der Metzgerei eine eigene Landwirtschaft, um als regionaler Erzeuger einen fairen und stressfreien Umgang mit den Tieren zu gewährleisten. Nach der Übergabe konnte sich Filser den landwirtschaftlichen Betrieb zeitlich und personell nicht mehr leisten. Der Regionalität ist er aber treu geblieben. Maximal 300 oder 400 Meter haben es die Rinder zur Schlachterei, die er gleich neben den Laden gebaut hat. Die Schweine kommen aus der Erzeugergemeinschaft Kaufbeuren, der Transport beträgt nur 30 Kilometer. Mit einer Hackschnitzelheizung und einem Blockheizkraftwerk erzeugt er nachhaltige Wärme für seinen Betrieb, drei kommunale Einrichtungen und 22 Wohneinheiten. Für den verantwortungsvollen Traditionsbetrieb ist das Pfandboxsystem deshalb nur ein weiterer logischer Schritt für mehr Verantwortung und Umweltschutz.

www.metzgerei-filser.de