Große Verwertungseffizienz, Optimierung von Hygienemaßnahmen und automatisierte Zeiterfassung – Möglichkeiten zur Digitalisierung gibt es in Fleisch verarbeitenden Unternehmen bei vielen Prozessen. Und damit bieten sich den Betrieben auch Chancen auf Wachstum.
Im Kern bleibt der Schlachtbetrieb Handwerksarbeit, weswegen bestimmte Arbeitsschritte immer den Einsatz von Menschen erfordern. Jedoch bestehen unter anderem in der Verwaltung und entlang der Lieferketten umfassende Digitalisierungspotenziale. Dort kann die Optimierung der Vorgänge sowohl für Großbetriebe als auch Fleischereien mit einem Standort mehr Zeit für wertschöpfende Arbeit schaffen. Theoretisch verspricht die digitale Vernetzung aller Vorgänge vom Stall bis zur Kühltheke größtmögliche Effizienz. Realistisch ist das aufgrund der stark mittelständischen Prägung des Sektors jedoch nicht. Aber welche Maßnahmen bieten nun konkrete Vorteile im Arbeitsalltag?
Rechtzeitig am Haken
Bevor die Zerlegung der Tiere beginnen kann, muss der Transport bei der Schlachterei ankommen. Gelegentlich sorgen dabei Verzögerungen für Durcheinander im Tagesablauf der Mitarbeiter. Aktuelle Informationen zur voraussichtlichen Fahrzeit des Lkws sowie eine Bestätigung des abgeschlossenen Verladens ermöglichen eine punktgenaue Planung der Vorgänge. Kleine Schlachtereien erhalten so Gewissheit über ihren Zeitplan, während Industriebetriebe den optimalen Einsatz der Beschäftigten planen können. Konsequent angewendet vereinfacht der Informationsfluss den Überblick über alle geplanten Transporte, was eine effiziente Zerlegung besser organisierbar macht.
Gerade kurzfristige Großaufträge von Lebensmittelhändlern erfordern aufgrund des angeforderten Volumens durchgängige Arbeit an der Kapazitätsgrenze, die mithilfe von unterstützenden Programmen ausgereizt werden kann. Wenn das Bestellsystem ebenfalls in die Planung integriert ist, kann es direkt einen erhöhten Personalbedarf signalisieren und so die Schichtplanung erleichtern.
Analog dazu verbessert die Weiterleitung von Bestellungen aus dem Onlineshop in den Verkaufsraum den Arbeitsalltag für kleine Schlachtereien. Anstatt kurz vor Feierabend einen festen Zeitraum für die Vorbereitung des Warenversandes einzuplanen, können Mitarbeiter dadurch in weniger geschäftigen Abschnitten des Tages bereits Bestellungen vorbereiten.
Personalplanung leicht gemacht
Mit übersichtlichen Mitarbeiterzahlen ist in der Regel weder die klassische Stechuhr noch eine digitalisierte Zeiterfassung notwendig. Eine automatisierte Abwicklung von Lohnzahlungen hingegen, idealerweise mit angeschlossener Buchführung, schafft mehr Zeit für das alltägliche Handwerk. Ständig wiederkehrende Verwaltungsvorgänge lassen sich nicht nur gut digitalisieren, sondern erstellen auch gleichzeitig eine umfassende Übersicht der Vorgänge. Im industriellen Maßstab gewinnt die Zeiterfassung mehr Bedeutung. Die Handhabung von Arbeitszeitkonten, besonders wenn das Unternehmen Überstunden auszahlt, gelingt digital in der Regel reibungslos.
Schließlich kann Software die Zuschläge für bestimmte Arbeitsschichten erkennen und automatisch speichern. Das erspart der Personalabteilung unübersichtliche Zettelwirtschaft, langwierige Auswertungsprozesse sowie das akribische Führen von Excel-Tabellen. Darüber hinaus ist es über Apps und „Self Service“-Portale möglich, Mitarbeiter besser einzubinden und zu informieren.
Saubere Sache
Strikte Hygienevorschriften gehören bei der Fleischverarbeitung zum Tagesgeschäft. Digitalisierung hilft bei deren Einhaltung und der Dokumentation für die Behörden. So ermöglichen etwa Chipkarten an Eingangsschleusen die nahtlose Erfassung der Desinfektionsmaßnahmen. Weiterhin verhindert die Überwachung von Zerlegewerkzeugen in der Produktion die Kreuzkontamination zwischen verschiedenen Fleischtypen. Mehr noch: Technologie unterstützt eine genaue Auswertung der Schlachtabfälle im Verhältnis zum Rohmaterial und somit die Planung der Menge des verkaufsfertigen Produktes.
Mithilfe intelligenter Prognoseprogramme gelingt es, Muster im Verhalten der Arbeiter zu erfassen und den erwartbaren Output vorherzusehen, teilweise sogar nach Zeitpunkten in der Schicht untergliedert. Gerade für kleinere Schlachtereien sind solche Programme kaum mehr als technische Spielereien, denn Erfahrung und Augenmaß reichen dort für den Tagesbetrieb vollkommen aus. Sobald aber Effizienzsteigerungen von 0,5 und 1,0 Prozent bereits ein substanzielles Umsatzplus bedeuten, liefern diese Analysewerkzeuge präzise Informationen zur Optimierung von Produktionsabläufen. Mit speziellen Qualitätssicherungssystemen kann die Infrastruktur bis hin zur Haustechnik sowie dem Gebäudemanagement digital dokumentiert und überwacht werden. Dies ermöglicht im Störfall einen schnelleren und präziseren Eingriff.
Unter einem Hut
All diese Lösungen agieren im Zweifelsfall autonom und steuern Daten bei. Damit allerdings mehrere Teile des Netzwerks effektiv miteinander kommunizieren, benötigt es ein Enterprise-Ressource-Planning-System (ERP). Sofern korrekt konfiguriert, bündelt es alle digitalisierten Betriebsabläufe und ermöglicht den Informationsaustausch zwischen den Teilen des Netzwerkes. Aber auch für die Integration weniger Datenströme eignen sich ERP-Systeme, da die Vernetzung die Automatisierung zahlreicher Verwaltungsaspekte ermöglicht, die sonst als regelrechte Zeitfresser auffallen.
Die digitale Integration bietet sich sowohl für die Lieferanten- als auch Kundenseite an: Lieferantenkataloge mit aktuellen Preisen ins ERP-System laden, Bestellungen über einen elektronischen Datenaustausch digital abwickeln, elektronische Rechnungsstellungen sowie die Weitergabe der Bestands-/Auftragsdaten an Kunden erleichtern die Auftragsabwicklung. Das macht es mögich, effektiver und effizienter zu arbeiten.
Tatsächlich bietet sich für viele Unternehmen die Wahl einer möglichst schlanken Lösung an. Denn ungenutzte Features überfordern die Nutzer und produzieren unnötige Kosten. Eine konkrete Vorstellung, welche Vorgänge digitalisiert werden sollen, ist die Voraussetzung für eine bedarfsgerechte Anschaffung. In vielen Fällen empfiehlt sich eine genaue Bedarfsanalyse im Vorfeld. Die Möglichkeiten zur Digitalisierung sind nahezu grenzenlos, aber der Trick liegt in der sinnvollen Auswahl von Maßnahmen.
