Flexibilität zahlt sich aus

Der Imbissbetrieb der Familie Ebben auf der zentral gelegenen Cranger Straße in Gelsenkirchen besteht seit über 45 Jahren, die Fleischerei der Familie sogar schon seit gut einem Jahrhundert. In dieser Zeitspanne hat sich vieles verändert, besonders, wenn es um Angebot und Nachfrage, Catering und Convenience geht.

  • Bild 1 von 4
    © Rainer Heck
    Der neu gestaltete Imbissbetrieb der Fleischerei Ebben bietet alle Snack-Klassiker rund um die Currywurst. Rainer Heck
  • Bild 2 von 4
    © Rainer Heck
    Durch den Umbau können Marcus (links) und Christian Ebben flexibler sein. R. Heck
  • Bild 3 von 4
    © Rainer Heck
    Die Speisen gibt es direkt an der Imbisstheke, nach telefonischer Vorbestellung, über die Ebben-App oder im Straßenverkauf. Rainer Heck
  • Bild 4 von 4
    © Rainer Heck
    Durch Corona hat sich das Geschäft vom Partyservice in den Imbiss verlagert. R. Heck

Immer wieder wurden in der Fleischerei Ebben neue Ideen umgesetzt und griffige Konzepte entwickelt. Speziell in den aktuellen turbulenten Zeiten stellten die Inhaber fest, dass eine Rückbesinnung auf die Wurzeln durchaus ein Erfolgsmodell sein kann. Der zum Jubiläum bereits seit Langem geplante Umbau brachte die Chance mit sich, das Haus neu zu gliedern und ein Höchstmaß an Flexibilität zu erreichen.

Die Kernfrage „Wer darf wann was einkaufen und wo verzehren?“ führte zu einer neuen Gewichtung der einzelnen Bereiche von Produktion und Verkauf. Ein solches Konzept erforderte auch ein Umdenken bei der Gestaltung in allen Bereichen.

Marcus und Christian Ebben: „Am stärksten litt der Bereich des Caterings, das umsatzmäßig gegen null tendierte“. Sowohl Feiern von großen Firmen mit einem Volumen von über 700 Gästen als auch Familienfeiern wie Konfirmationen, Jubiläen oder Hochzeiten schmolzen mit der Eingrenzung der Gästezahl wie Schnee in der Sonne.

Vor diesem Hintergrund wurde das Bistro von der Tischlerei Görg in eine gemütliche holzgetäfelte Gaststube verwandelt, an die sich die Imbiss-Küche gliedert. Je nach Bedarf und der für maximal 20 Personen umfassenden Gästezahl kann der Sitzbereich abgesperrt oder – bei ausreichendem Abstand der Tische voneinander – wie gewohnt genutzt werden. Sogar an Möglichkeiten, das Notebook, Smart Phone oder Tablet am Platz aufzuladen, wurde gedacht.

Modular nach Bedarf nutzbar

Wenn allerdings der Verzehr im Sitzen nicht erlaubt ist, können die Kunden ihre Speisen wie gewohnt an der Imbiss-Theke bestellen und bekommen diese durch ein Fenster zum Bürgersteig ausgehändigt. Auch telefonische Vorbestellung und Straßenverkauf sind möglich. Bezahlt werden kann über die jüngste Generation des CLS-Systems durch Geldeinwurf oder Karte. Die Imbiss-Station ist durch eine Plexiglas-Scheibe auch optisch eine eigene Einheit.

Marcus Ebben: „Der Umsatzrückgang durch das Wegfallen des Partyservice konnte durch ein Plus im Fleischer-Fachgeschäft kompensiert werden. Dieser Bereich hat bei Bedarf eine Verbindung zum Bistro, kann aber, falls erlaubt, durch eine eigene Tür zur Straße betreten werden. Somit hat jeder Schwerpunkt des Unternehmens die Möglichkeit, die räumlichen Kapazitäten optimal zu nutzen.

Renaissance des Sonntagsbratens

Erstaunlich sind nach Angaben der Familie die Umsatzentwicklungen beim klassischen Fleischerei-Sortiment. „Kunden, die es gewohnt waren, auf der Arbeitsstelle, in der Kantine oder unterwegs verpflegt zu werden, haben nun ein Faible für das Kochen entdeckt“, so die Erklärung. Die Renaissance des Sonntagsbratens – gern auch als küchenfertiges Produkt – freut die Familie Ebben auch vor dem Hintergrund, dass der Fleischer wieder als Fachmann für hochwertige Mahlzeiten wahrgenommen wird. Der Umsatzanteil der täglich frisch zubereiteten warmen Gerichten am Gesamtumsatzvolumen liegt bei 30 Prozent.

Neben der Laufkundschaft, die wegen der Snack-Klassiker rund um die Currywurst kommt, sind es immer mehr Kunden, die über die Website oder die Ebben-App bestellen, um die Speisen dann zum vereinbarten Zeitpunkt am Straßenverkaufsfenster abzuholen. Besonders beliebt ist die „Click & Collect“ Version. Bezahlt wird dabei bargeldlos, die wartende, nummerierte Einkaufstüte kann schnell den Besitzer wechseln. Ein Lieferservice ist in Planung.

„Wer will, kann gern ein paar Fragen stellen“, freuen sich die Chefs über das Interesse an der Beratung: „Wir sind für viele unserer Kunden ein Ersatz für den Restaurantbesuch am Freitag oder Samstag geworden“, so Marcus Ebben, „dann sind an unserer Theke vor allem die Edelstücke gefragt“.

Und die Insider-Tipps für den optimalen Genuss gibt es obendrauf. „Wir kommen damit zurück zu unseren Stärken als Fachgeschäft“. Was auch dem „To Go“-Programm mit seinem Angebot an Snacks vom Holzkohlengrill keineswegs den Rang abläuft.