Am 1. Januar 2019 tritt das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration in Kraft. Den Landwirten, Fleischverarbeitern und dem Handel bleibt also nur noch ein halbes Jahr, um sich auf die neue Gesetzeslage einzustellen. Dabei muss allen bereits seit Juli 2013 mit der damaligen Änderung des Tierschutzgesetzes klar gewesen sein, was auf sie zukommt. Denn schon vor fünf Jahren hieß es in der amtlichen Begründung: „Inzwischen stehen mit der Durchführung des Eingriffs unter Narkose, der Immunokastration oder dem Verzicht auf die Kastration durch Ebermast verschiedene Alternativen zur betäubungslosen Kastration zur Verfügung.“ Die Meinungen, welche dieser Alternativen die beste ist, gehen je nach Interessenlage mehr oder weniger weit auseinander. Mittlerweile wurde auch ein „vierter Weg“ ins Gespräch gebracht: die Kastration unter Lokalanästhesie, die seit kurzem in Dänemark zur Anwendung kommt.
Die Verarbeitung und Vermarktung von Eberfleisch ist zumindest in Deutschland mit Akzeptanzproblemen verbunden. Die meisten Fleischwarenproduzenten hierzulande und insbesondere auch der Handel rücken deshalb mehr und mehr von der Ebermast ab. Ganz entschieden lehnt der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) diese Alternative wegen möglicher Geruchsbelastungen des Fleisches ab.
Die von Tierärzten und Tierschützern präferierte Immunokastration (Eberimpfung) ist für den DFV ebenfalls keine Option, so dass für das Fleischerhandwerk nur die Kastration unter Narkose in Betracht kommt. Der „vierte Weg“ scheint dabei seit kurzem allerdings vom Tisch zu sein, denn durch eine lokale Betäubung ist nur eine Schmerzlinderung, aber keine völlige Schmerzausschaltung zu erreichen, wie sie das Tierschutzgesetz fordert. Und eine Gesetzesänderung lässt sich politisch wohl kaum durchsetzen, schon gar nicht in der Kürze der Zeit.
Unsicherheit besteht daher vor allem auf Seiten der Landwirte, die nicht wissen, welchen Weg sie gehen und mit welchen Kosten sie kalkulieren sollen. Letztlich bleibt ihnen wohl nur die Möglichkeit, individuelle Vereinbarungen mit Fleischverarbeitern über Liefermengen und Fleischqualitäten zu treffen.