In vielen Fleischereien werden Kälteanlagen als Ärgernis wahrgenommen, die Kosten und Störungen verursachen. So war es auch bei der Metzgerei Krammer in Pfaffenhofen a. d. Ilm, bis sich Fleischermeister Ludwig Krammer entschloss, die Anlage von Grund auf zu sanieren und eine wirkungsvolle Wärmerückgewinnung (WRG) zu installieren. Das Ergebnis übertraf selbst optimistischste Annahmen.
Fleischermeister Ludwig Krammer führt den Familienbetrieb in der vierten Generation und die nächste ist bereits im Betrieb integriert. Durch das stetige Wachstum und Betriebserweiterungen hatte sich über die Jahre bei den Kälteanlagen ein gewisser Wildwuchs entwickelt. In der Folge kam es zu häufigen Störungen und Ausfällen, die mit entsprechenden Kosten behoben wurden. Auch die Effizienz der Kälteanlagen ließ zu wünschen übrig und stellte eine spürbare finanzielle Belastung dar. Gleichzeitig musste der große Bedarf an Warmwasser, 12 m³ pro Tag, von der Gasheizung gedeckt werden.
Planung und Ausführung
Mit der nächsten Erweiterung des Betriebes sollte die Kälteanlage grundsätzlich saniert und eine effektive WRG installiert werden. Dass der Schwiegersohn Martin Regler Kälteanlagenbauermeister und Diplom-Ingenieur für Kälte- und Klimatechnik ist, erwies sich als Glücksfall. Regler entwarf ein Konzept, bei dem sämtliche Einzelaggregate stillgelegt wurden. Der vorhandene Verbund für Normalkühlung wurde erhalten, für Tiefkühlung und Klimatisierung der Verarbeitungsräume ein neuer Verbund vorgesehen.
Besonderes Augenmerk lag auf der WRG. Wärmeverluste über die Außenverflüssiger wurden durch Wegschalten zu 100 Prozent vermieden. Da die Wärmeerzeugung durch die Kälteanlagen und der Wärmebedarf nicht synchron sind, wurden 7,5 m³ Warmwasser-Schichtenspeicher vorgesehen. Schichtenspeicher haben den Vorteil, dass es zu keiner Vermischung von heißem und kaltem Wasser kommt.
Durch eine besondere Verschaltung des Kältekreises konnte bei niedriger, effizienter Verflüssigungstemperatur eine hohe Wassertemperatur erzielt werden. Weiterhin wurden sämtliche Kühlräume von zeitgesteuerter Abtauung auf Bedarfsabtauung umgestellt.
Die Inbetriebnahme erfolgte sehr sorgfältig. Es wurde im laufenden Betrieb der Anlage die höchste mögliche Verdampfungstemperatur ermittelt, bei der die Kühlstellen noch die Solltemperatur einhalten können. Jedes Grad höhere Temperatur spart drei Prozent Betriebskosten.
Praktische Erfahrungen im Betrieb
Seit der Fertigstellung der Sanierung im Jahr 2014 läuft die Anlage störungsfrei. Die Betriebskosten konnten drastisch reduziert werden. Der Verbrauch von elektrischer Energie für die Kälteanlage ging um über 30 Prozent zurück, was eine jährliche Einsparung von rund 11.000 Euro bedeutet. Die WRG produzierte insgesamt 130 MWh Wärme. Das entspricht ungefähr 13.000 l Heizöl oder 13 m³ Heizgas und bringt eine Einsparung von rund 10.000 Euro.
Bemerkenswert ist, dass im Sommer Wärme im Überschuss vorhanden ist und die Heizung abgestellt werden kann. Da die erzielte Temperatur durchweg bei mindestens 70 °C liegt, ist auch ein Nachheizen nicht nötig. Erst wenn das an die Heizung angeschlossene Mehrfamilienhaus im Herbst mit Wärme versorgt werden muss, wird die Gasheizung wieder in Betrieb genommen.
Die Bedarfsabtauregler haben sich ebenfalls bewährt. Jetzt wird nur abgetaut, wenn auch wirklich Eisansatz vorhanden ist. Die Abtauung erfolgt vorrangig unter Ausnutzung der Latentwärme, das heißt ohne Nutzung der elektrischen Abtauung. Dadurch stellt sich eine gleichmäßigere Temperatur und eine höhere Feuchte im Kühlraum ein, was sich positiv auf die Qualität der gekühlten Ware auswirkt.
Wirtschaftliche Betrachtung der Maßnahmen
Wenn es um die wirtschaftliche Beurteilung der Investition geht, müssen die Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz der Kälteanlage und die Installation der WRG separat betrachtet werden. Die Investitionen in die Effizienzanlage beliefen sich auf 36.000 Euro. Verständlich also, dass viele Betreiber einen Mehraufwand in dieser Größenordnung scheuen.
Diesem stehen jedoch Einsparungen von 11.000 Euro beim Strom und ein Wärmeertrag von 10.000 Euro pro Jahr gegenüber.
Letztendlich muss jeder Betrieb mit dem eingesetzten Kapital eine gewisse Rendite erzielen. Dabei ist es unerheblich, ob in eine Produktionsmaschine oder in ein Nebenaggregat wie eine Kälteanlage investiert wird.
Betrachtet man die Investition vor einem Zeithorizont von 15 Jahren und rechnet mit einer jährlichen Preissteigerung der Energiepreise von zwei Prozent, spart die Effizienzanlage über diesen Zeitraum 430.000 Euro. Um diese Einsparung zu erzielen, mussten 36.000 Euro investiertwerden. Würde man 36.000 Euro auf dem Kapitalmarkt anlegen, müsste sich dieser Betrag mit jährlich 16 Prozent verzinsen, damit das gleiche Ergebnis erzielt wird.
Auf dem Kapitalmarkt steigt allerdings mit steigender Rendite das Risiko. Mit der Investition in eine Effizienzanlage ist es umgekehrt: Sie wirkt praktisch wie eine Versicherung gegen steigende Energiepreise.