„Zwölf Prozent sind realistisch“

Renditen bis zwölf Prozent sollten Fleisch verar­beitende Unternehmer für die Energiethematik sensibilisieren, meint Joachim Goldbeck, Präsident des Bundes­verbandes Solarwirtschaft (BSW Solar). Die Branche sei wegen ihres hohen Energieverbrauchs geradezu prädestiniert.

BSW Solar-Präsident Joachim Goldbeck: „Die energieintensiven Fleischverarbeiter sind prädestiniert für energieautonome Lösungen.“ - © Goldbeck

Herr Goldbeck, Ihre Branche schwächelt, seit die Subventionen massiv zurückgefahren wurden. Dabei sind Investitionen in Erneuerbare doch hoch profitabel. Was machen Sie falsch?

Goldbeck: Das Verkaufen ist tatsächlich zeitaufwändiger geworden, weil es mehr Beratung erfordert. Vertriebler müssen tief in die Prozesse ihrer Kunden, etwa Schlachthöfe oder Metzgereien, blicken, diese verstehen und schließlich komplette Lösungen bieten statt ein­zelner Produkte und Komponenten. 2015 sind häufig Klimawandelskeptiker und Energiezweifler zu Wort gekommen, was immer noch nachhallt. Dabei schwingt im Energiethema für interessierte Betriebe nach wie vor viel Musik.

  • Die Fleischerei: Dann lassen Sie die doch mal klingen.

Goldbeck: PV-Anlagen sind heute so dimensioniert, dass die Betreiber 70 oder 80 Prozent des erzeugten Stroms selbst verbrauchen. In der energieintensiven Lebensmittelbranche, insbesondere in der Fleischverarbeitung, sind es leicht 100 Prozent.

Diese Werte erzielt man gegebenenfalls durch die Kombination mit einem Speicher und dem intelligenten Verschieben von Lasten. Viel Potenzial haben auch Maßnahmen, die Strom effektiver nutzen, also Verschwendung vermeiden. Dann sind Renditen von sechs bis zwölf Prozent immer realistisch. Hierfür reicht bei Dächern manchmal schon die Belegung von Teilflächen. Hat das Unternehmen die Perspektive, zu wachsen oder die Pkw-Flotte auf Elektroantrieb umzustellen, ist eine vollständige Dachbelegung die wirtschaftlich sinnvollste Lösung.

  • Die Fleischerei: Warum passiert angesichts solch attraktiver Renditen aber noch immer so wenig?

Goldbeck: Viele Gewerbetreibende kennen ihre Stromkosten nicht. Die rechnen mit fünf Cent je Kilowattstunde, wenn sie das Thema überhaupt mal erörtern. Tatsächlich sind das mit allen Zuschlägen in der Regel aber 15 bis 20 Cent. Denen stehen in regenerativen Szenarien reale Gestehungskosten von acht, neun Cent gegenüber.

  • Die Fleischerei: Gibt es weitere Gründe?

Goldbeck: Viele freuen sich im Stillen und reden nicht gerne öffentlich über ihre Einsparungen oder zusätzlichen Erträge durch Nutzen ihrer PV-Anlagen, weil sie sonst als Lieferanten von ihren Abnehmern noch mehr im Preis gedrückt würden.

  • Die Fleischerei: Welche Forderung haben Sie an die Politik?

Goldbeck: Würden die Abgaben auf Eigenverbrauch fallen, würde die lokale Nutzung von Strom noch in­teressanter. Speicher und Lastmanagement würden vermehrt eingesetzt, was die Netze entlastet. Wir würden die Energiewende erleichtern, die Klimaziele erreichen und ein Konjunkturprogramm für die darbende Branche auslösen, das Schlüsseltechnologien im Land hält. Kontraproduktiv ist auch, dass es kein Eigenverbrauch ist, wenn der Mieter den Solarstrom der Dachanlage nutzt. Dasselbe Prinzip verhindert technisch machbare Poollösungen in Gewerbegebieten.