Wettereinflüsse, eine das Angebot übersteigende Nachfrage und Spekulation prägen auch in diesem Jahr den Rohstoffmarkt der Gewürzindustrie, teilt der Fachverband der Gewürzindustrie e.V., Bonn, mit.
Der trockene Frühsommer und Sommer in Europa bewirkte massive Ernteausfälle bei Kräutern (unter anderem Petersilie, Thymian, Schnittlauch). Verringerte Anbauflächen für Kümmel während der letzten zwei Jahre zeitigten einen erheblich niedrigeren Ertrag. Die Subventionspolitik der EU für Brachflächen dürfte hier eine Rolle spielen. In allen Fällen stiegen die Preise für diese Rohstoffe deutlich.
Auch Indien verzeichnet aktuell eine viel zu geringe Niederschlagsmenge im Monsun. Dies wirkt sich auf die Erntemenge für unter anderem Kurkuma, Chilis, Zwiebel, Saaten und Pfeffer aus. Die schlechte Prognose für die nächste Pfefferernte in Indien/Sri Lanka treibt sofort die Preise nach oben.
Viel freies Kapital in Asien führt zu Spekulation durch Flucht aus real estate in Rohstoffe. Dies führt zum Beispiel zum Horten von Frischknoblauch und damit zu Verknappung. Gleichzeitig verteuert sich Trocknungsware. Hinzu kommt die Konzentration auf immer weniger Trocknungsbetriebe infolge strengerer Umweltauflagen in China und Schließung vieler Trocknungsbetriebe, die diese Auflagen nicht erfüllen können. Der Preisanstieg bei Knoblauch ist erheblich.
Die chinesische Armee zieht sich überraschend aus der Landwirtschaft zurück; Folge ist ein signifikant geringerer Anbau von bell pepper (Gemüsepaprika) und damit verbunden eine massive Verteuerung.
Starke „holdingpower“ in Vietnam führt zu einem gesteuerten Pfefferpreis. Schwacher Wettbewerb zwischen den Ursprüngen verringert die mögliche Auswahl. Die Pipelines im Nachschub sind fast leer, „hand to mouth“-Käufe der Industrie führen dazu, dass nahezu jedes Preisniveau akzeptiert wird. In den letzten Jahren lag der Pfefferbedarf über der Weltproduktion, es gibt daher keine Überhänge aus Vorjahren. Zusätzlich mindert Wassermangel in Indonesien die Erträge von Muntok Pfeffer weiß und verschlechtert zusätzlich die Qualität (dunklere Farbe). Fazit: Es fehlt an großer freier Menge, die einen merklichen Verkaufsdruck auslösen würde. Die Preise bleiben auf historischem Höchstniveau. Diese Rohstoffpreisentwicklung wird verschärft durch einen gegenüber dem US-Dollar (der Leitwährung für viele Gewürze) schwachen Euro, der von 1,30 US-Dollar im November 2014 auf derzeit 1,12 US-Dollar gesunken ist.