Die Liste der Todeskandidaten ist 2014 noch umfangreicher geworden: 22.413 Arten weltweit gelten jetzt auf der so genannten Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) als gefährdet – 1.125 mehr als im Jahr zuvor. Das Schwäbisch-Hällische Schwein gehört noch heute zu den gefährdeten Arten.

Nicht nur Chinesischer Kugelfisch und Pazifischer Blauflossenthunfisch sind bedroht. Hierzulande ist das Artensterben ebenfalls in vollem Gang. Neben Wildtieren und -pflanzen gelten auch viele Nutztierrassen und -pflanzen in Deutschland als gefährdet – darunter auch das Schwäbisch-Hällische Schwein.
Im Bereich der gefährdeten Nutztierrassen publiziert die Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen e.V. (GEH) seit 1988 eine Zusammenstellung der bedrohten landwirtschaftlichen Nutztierrassen. In der Roten Liste der GEH sind Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde, Esel, Hunde, Kaninchen, Hühner, Enten, Gänse, Puten und Schweine erfasst. Die Zahl der hier aufgeführten ist von einst 49 Rassen inzwischen um mehr als das Doppelte auf heute 111 heimische Rassen angewachsen.
Aufgrund der Industrialisierung der Landwirtschaft, dem gestiegenen Fleischkonsum und veränderten Essgewohnheiten sind schon heute zahlreiche alte Fettschweinerassen in Deutschland verschwunden. Dies waren laut GEH zuletzt etwa das Hannover-Braunschweiger Weideschwein oder die als Deutsches Weideschwein bezeichnete Rasse. Die letzten Tiere sind unbemerkt geschlachtet worden. Auch das Bayerische Halbrote Landschwein oder das Baldinger Tigerschwein aus Baden-Württemberg sind ausgestorben. Mit jeder verlorenen Rasse geht auch ein wertvolles genetisches Potential verloren, ein unwiederbringlicher Verlust von Kulturgut, eine Verarmung des Landschaftsbildes.
Das Angler-Sattelschwein beispielsweise, dessen Anteil am Schweinebestand in der Nachkriegszeit noch mehr als 15 Prozent betrug, ist bis auf wenige Exemplare verschwunden. Die GEH stuft es als „extrem gefährdet“ ein. Das gilt ebenso für das Bunte Bentheimer und das Rotbunte Husumer Schwein. Der Bestand an so genannten Herdbuchtieren – der Nukleus einer jeden Nutztierrasse – ist so klein, dass die Gefahr besteht, dass diese Rassen gänzlich aussterben.
Der 1986 gegründeten Züchtervereinigung Schwäbisch-Hällisches Schwein e.V. ist es zu verdanken, dass die traditionsreiche, als ausgestorben gegoltene Rasse auf der Basis von sieben Zuchtsauen gerettet werden konnte. Heute werden die so genannten Mohrenköpfle von der GEH noch in Stufe II als „stark gefährdet“ eingestuft. Maßgeblichen Anteil an der verbesserten Situation der alten Landrasse hat die Erzeugergemeinschaft Schwäbisch-Hällisches Qualitätsschweinefleisch g.g.A. (geschützte geografische Angabe), deren Mitglieder auf Basis strenger Richtlinien die Tiere züchten und mästen.
Das Schwäbisch-Hällische ist auch Passagier der Arche des Geschmacks der Slowfood Stiftung für Biodiversität. Getreu deren Motto „Schützen durch Nützen“ will die Erzeugergemeinschaft Verbraucher informieren und aufklären. Es gilt, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dass das Fleisch alter Schweinerassen wie des Schwäbisch-Hällischen einen deutlichen Mehrwert gegenüber industriell erzeugtem Schweinefleisch darstellt. Darüber hinaus ist den Hohenloher Bauern ein gesellschaftliches Anliegen, ihre Rasse als wertvollen Genpool und als Kulturgut für folgende Generationen zu bewahren.
Tag der bedrohten Haustierrassen
Im Freilandmuseum Wackershofen (Kreis Schwäbisch Hall) informieren Fachleute der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Nutztierrassen beim „ Tag der bedrohten Haustierrassen“ über deren Bedeutung und erläutern den Verlust an biologischer Vielfalt. Eine ganze Reihe dieser Tiere wird am Sonntag, 24. Mai (10 bis 17 Uhr) im Freilandmuseum zu sehen sein. Dazu zählen verschiedene traditionelle und regionale Rinder- und Schweinerassen (darunter Schwäbisch-Hällische), ebenso wie Pferde- und unterschiedliche Schafrassen sowie verschiedenes Federvieh.