Der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch und Wurstwaren war in den zurückliegenden Jahren bemerkenswert stabil. Dies teilten der Verband der Fleischwirtschaft e.V. (VDF) und der Bundesverband der Deutschen Fleischwarenindustrie e.V. (BVDF) auf der gemeinsamen Jahrestagung mit.
Vor dem Hintergrund gestiegener Preise und einer zu kühlen und regnerischen Grillsaison sind die Einkaufsmengen 2012 nun seit langem erstmals gesunken. Mit 59,5 kg lag der Fleischverzehr (inklusive des Verzehrs von Fleisch- und Wurstwaren) nach vorläufigen Berechnungen der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) um 2,1 kg unter dem Vorjahreswert.
Nach Jahren des Produktionszuwachses ist die Fleischerzeugung in Deutschland erstmals seit 1997 leicht auf gut acht Millionen Tonnen gesunken. Dies sind vorläufige Zahlen, die noch korrigiert werden können. Dennoch ist die Erzeugung auf sehr hohem Niveau.
Schweinefleisch hat weiterhin mit knapp 68 Prozent den höchsten Anteil an der Fleischerzeugung. Danach folgen Geflügelfleisch mit fast 18 Prozent und Rindfleisch mit gut 14 Prozent. Der Anteil der übrigen Fleischsorten (vor allem Schaf- und Ziegenfleisch) beträgt nur rund 0,3 Prozent.
Die Schweineschlachtungen nahmen erstmals seit dem Jahr 2000 um 2,3 Prozent ab. Das Schlachtaufkommen betrug 58,2 Millionen Tiere. Wegen niedrigerer Schlachtgewichte sank die erzeugte Fleischmenge mit 2,5 Prozent noch etwas mehr und erreichte knapp 5,5 Mio. t.
Bei Rindfleisch setzte sich der langfristige Trend der vergangenen Jahre zur Verringerung der Produktion fort. Die Schlachtungen sanken um 1,6 Prozent auf 3,62 Millionen Stück. Auch hier waren im Durchschnitt die Schlachtgewichte niedriger als 2011, und somit ging die Erzeugungsmenge mit 1,9 Prozent etwas stärker zurück und erreichte 1,14 Millionen Tonnen.
Mit einem statistischen Pro-Kopf-Verzehr von 37,9 kg im Jahr liegt Schweinefleisch bei der Gunst der Verbraucher vorne. Der Verzehr von Geflügelfleisch ist im zurückliegenden Jahr um 300 g auf 11,0 kg geschrumpft, während Rindfleisch mit 8,9 kg pro Kopf und Jahr auf Platz drei lag und trotz teilweise deutlicher Preissteigerungen gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert geblieben ist. Auf den Verzehr von Schaf- und Ziegenfleisch (in der Regel Lamm) entfielen 0,6 kg, andere Fleischsorten (insbesondere Innereien, Wild, Kaninchen) sind mit etwa 1,1 kg/Kopf zu veranschlagen.
Fleischwarenindustrie: leichter Produktionsrückgang
Die vorläufigen Produktionszahlen der deutschen Fleischwarenindustrie für 2012 zeigen einen leichten Produktionsrückgang der wesentlichen Produktgruppen um 1,9 Prozent auf 1.474.925 t im Vergleich zum Vorjahr. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Preis für Wurstwaren aufgrund der hohen Energie- und Rohstoffkosten um 5,2 Prozent. Der deutlichste Preisaufschlag erfolgte im zurückliegenden Jahr mit 6,1 Prozent bei Rohwürsten, hier sank die Produktion entsprechend mit 2,7 Prozent aus 440.179 t am deutlichsten. Bei der Brühwurst, die über den größten Marktanteil verfügt, sank die Produktionsmenge um 1,3 Prozent auf 868.858 t.
Wesentliche Warengruppen wie roher oder gekochter Schinken finden sich in den Zahlen des Statistischen Bundesamtes nicht wieder, auch sind Produktbereiche wie Fertiggerichte, Suppen oder Teigwaren nicht erfasst, die sich für viele Unternehmen der Fleischwarenindustrie in den zurückliegenden Jahren zu wichtigen Märkten entwickelt haben.
Export weiter gestiegen
Trotz der gesunkenen Erzeugung und der sehr hohen Erzeugerpreise bei allen Tierarten ist die Ausfuhr auch 2012 weiter gestiegen, wenn auch weniger stark als im Vorjahr.
Insgesamt wurden Fleisch und Fleischwaren im Wert von 9,7 Milliarden Euro exportiert. Sämtliche Ausfuhren im Fleischsektor beliefen sich auf gut vier Millionen Tonnen. Davon entfielen 12,7 Prozent auf Fleischwaren (Würste und Fleischzubereitungen). Größte Abnehmer von Fleisch und Fleischwaren aus Deutschland sind die EU-Mitgliedsstaaten, in die rund 85 Prozent aller Exporte geliefert wurden.
Die Exportmengen von frischem und gefrorenem Schweinefleisch blieben gegenüber dem Vorjahr in etwa unverändert. Die vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes weisen zwar mit 1,673 Millionen Tonnen einen leichten Rückgang (–1,7 Prozent) auf, dies ist aber ein vorläufiger Wert, der in der Regel noch um einige zehntausend Tonnen nach oben korrigiert wird. In andere Mitgliedstaaten wurden davon rund 80 Prozent geliefert. Die Liefermenge in Drittländer stieg bereits auf Basis der vorläufigen Werte auf 349.000 t und erreicht damit einen Rekord. Der Zuwachs gegenüber dem Vorjahr beträgt gut 11 Prozent. Deutschland ist damit weiterhin in diesem Bereich der größte Exporteur der EU mit großem Abstand vor Dänemark (304.000 t) und Polen (186.000 t). Der Anteil Russlands am Drittlandsexport, der 2011 noch bei 133.000 t gelegen hatte, ging auf 101.000 t zurück. Dagegen konnten die Exporte nach China um über 50.000 t auf nun 78.000 t ausgebaut werden. China ist damit zum zweitwichtigsten Exportziel außerhalb der EU geworden. Erhebliche Exportzuwächse konnten auch in anderen Ländern wie z.B. in der Ukraine (30.000 t, +88 Prozent) und in Weißrussland (30.000 t, +66 Prozent) erzielt werden. Alle Produkte des Schweinefleischsektors zusammen genommen (gekühlt, gefroren, verarbeitet, Nebenprodukte, Fette etc.) beträgt die Exportmenge in Drittländer 808.000 t.
Die Ausfuhren von frischem und gefrorenem Rindfleisch gingen um knapp 17 Prozent auf 325.000 t zurück. Auch nach einer noch zu erwartenden Korrektur wird es bei einem Minus gegenüber 2011 bleiben. 90 Prozent der Rindfleischexporte gingen in EU-Mitgliedsstaaten. Wichtigste Zielländer sind hier die Niederlande, Frankreich und Italien.
Das Volumen des Drittlandsexports war mit 30.500 t nur noch gut halb so groß wie 2011. Wichtigste Ursachen für diesen Einbruch war der komplette Entfall der Lieferungen in die Türkei aufgrund einer prohibitiven Zollanhebung für Fleisch – 2011 wurden gut 20.000 t Rindfleisch dorthin geliefert. Auch der Export nach Russland ist erheblich geschrumpft und beträgt nur noch 7.000 t (–60 Prozent). Mehr als verdoppelt hat sich hingegen die Liefermenge nach Norwegen, das 2012 gut 12.000 t Rindfleisch aus Deutschland importierte.
Die Einfuhr von frischem und gefrorenem Rindfleisch betrug 287.000 t und lag damit um gut 14 Prozent unter der Menge von 2011. Auf die Bezüge aus anderen EU-Ländern entfielen davon mit rund 243.000 t fast 85 Prozent. Wichtigste Lieferländer in der EU sind die Niederlande und Frankreich. Zu beachten ist hierbei, dass ein erheblicher Teil der Rindfleischlieferungen aus den Niederlanden ursprünglich Drittlandseinfuhren vor allem aus Südamerika sein dürften, die über den Hafen Rotterdam in die EU eingeführt werden. Dieser „Rotterdam-Effekt“ wird in der Außenhandelsstatistik nicht berücksichtigt.
Aus Drittländern wurden 44.600 t direkt nach Deutschland eingeführt, gut 15 Prozent weniger als 2011. Argentinien ist mit 23.500 t mit Abstand der bedeutendste Drittlandslieferant, die Menge war aber um 3.400 t (–13 Prozent) geringer als im Vorjahr. Uruguay steht in der Rangliste der Lieferländer mit 6.900 t auf dem zweiten Platz. Nummer Drei sind nun die USA, von wo knapp 6.000 t kamen (+0,5 Prozent). Der Import aus dem einstmals wichtigen Brasilien ist um gut 26 Prozent geschrumpft und beträgt nur noch 5.800 t.
Bemerkenswert ist auch der anhaltende Rückgang der Einfuhren von gefrorenem Rindfleisch aus Drittländern. Dieses ehemals wichtigste Segment des Drittlandshandels im Rindfleischsektor ist auf 5.300 t (–38 Prozent) geschrumpft. Technische Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte, geänderte Präferenzen der Verbraucher und hohe Qualitätsansprüche haben dazu geführt, dass die gekühlte Ware beim Import in die EU mit Abstand dominiert.
Die Einfuhr von Schweinefleisch ist 2012 um 2,3 Prozent auf 958.000 t zurückgegangen. Auch hier dürfte aber die Korrektur dieser noch vorläufigen Zahlen dazu führen, dass die Mengen gegenüber dem Vorjahr in etwa gleich geblieben sind. Wichtigstes Lieferland ist wie auch im Vorjahr Dänemark mit 339.000 t vor Belgien mit 312.000 t und den Niederlanden mit 116.000 t.
Von außerhalb der EU wurden lediglich 5.800 t importiert, das meiste davon aus Chile, dessen Lieferungen im Vergleich zu 2011 allerdings um 16 Prozent auf 3.400 t zurückgingen.
Eine wichtiger Bestandteil für die Wertschöpfung der Fleischerzeugung ist die Ausfuhr von Schlachtnebenerzeugnissen von Rindern und Schweinen. Die Gesamtmenge beläuft sich auf 630.000 t und ist gegenüber 2011 um 5,5 Prozent gestiegen. Auf den Sektor Schweinefleisch entfällt davon der mit Abstand größte Teil. In diesem Segment sind die Lieferungen in Drittländer mit 326.000 t umfangreicher als der Absatz in EU-Ländern (304.000 t). Allerdings gab es beim Drittlandshandel einen Rückgang (–2,3 Prozent), während in die anderen EU-Länder gut 15 Prozent mehr geliefert wurde als 2011. Mit Abstand größte Exportbestimmung sind China und Hongkong, die zusammen 225.000 t bezogen. Nach Russland gingen 36.000 t, 32 Prozent weniger als 2011. In der EU sind die Niederlande wichtigster Kunde. Dorthin wurden 95.000 t geliefert (+8 Prozent gegenüber 2011). Auf den weiteren Rängen folgen Dänemark (61.500 t) und Belgien (31.300 t).