Im Darm von Menschen und Tieren siedeln Milliarden von Mikroorganismen. Man kann davon ausgehen, dass alleine im Darm eines Menschen etwa zehn Mal so viele Mikroorganismen leben als der Mensch selber Körperzellen hat. Diese unglaubliche Zahl an Mikroorganismen entwickelt sich in den ersten Lebensjahren und hat eine wichtige Bedeutung für eine gesunde Verdauung.
EHEC – Was ist das?
Die sogenannte Darmflora setzt sich aus verschiedenen Arten von Mikroorganismen zusammen. Einer der bekanntesten Mikroorganismen dürfte wohl der Escherichia coli sein, der sich besonders leicht kultivieren lässt und darum in der Mikrobiologie als Modellorganismus ausgewählt wurde.
Neben dem normalerweise völlig harmlosen Escherichia coli gibt es jedoch auch noch weitere Biovare von E. Coli, die weitaus weniger harmlos sind. Als Biovare bezeichnet man in der Mikrobiologie Mikroorganismen der gleichen Art, die sich durch ihre biochemischen Eigenschaften unterscheiden, also eine Variation der gleichen Art.
Es gibt verschiedene Biovare von Escherichia Coli, die verschiedene Giftstoffe bilden können und darum von der Wissenschaft zur Unterscheidung mit Kürzeln bezeichnet werden. So steht zum Beispiel STEC für Shigella Toxin bildende Escherichia Coli. Das Kürzel VTEC steht für VeroToxin bildende Escherichia Coli.
EHEC ist ebenfalls ein solches Akronym und steht für EnteroHämmoragische Escherichia Coli. Dabei handelt es sich um eine Sonderform der STEC. EHEC sind schon seit Jahrzehnten bekannt und werden erforscht. Es gab in Deutschland über die vergangenen zehn Jahre etwa 800 bis 1.000 gemeldete Fälle von EHEC und STEC Infektionen pro Jahr. Davon führten ungefähr 50 bis 100 Fälle pro Jahr zum sogenannten Hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), einer schweren Form der EHEC Infektion, die unter anderem die Nieren und das zentrale Nervensystem angreifen kann. In diesem Jahr ist die Zahl der gemeldeten HUS Fälle bereits auf mehr als 500 angestiegen. Forscher vermuten jetzt, dass die aktuellen Erkrankungsfälle durch eine E. Coli-Art hervorgerufen wurden, die mehr Toxin bildet als die bisher bekannten Stämme und dadurch der deutliche Anstieg an Erkrankungen zu erklären ist.