Zeiten ändern sich. Und damit ändern sich auch die Anforderungen an die berufliche Qualifikation. Die Kernkompetenz eines Fleischers, seine handwerkliche Fähigkeit Fleisch zu verarbeiten und Wurst herzustellen, bleibt hiervon im Grundsatz zwar unberührt. Dennoch reicht diese Fähigkeit allein heute und vor allem zukünftig nicht mehr aus. Zu groß sind die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Veränderungen, die zusätzliche Qualifikationen verlangen.
Berufsbild im Wandel
Die Gründe für die neuen beruflichen Herausforderungen sind vielschichtig. Daher müssen auch die Maßnahmen umfassend sein, um hierauf zu reagieren.Die neue Kundenstruktur mit wachsendem Anteil der Singlehaushalte und das veränderte Verbraucherverhalten hin zu mehr Convenience erfordern eine stärkere Verkaufsorientierung. Der Kontakt zum Kunden muss optimiert werden. Das setzt Kommunikationsfähigkeit des Verkaufspersonals voraus, aber auch die ständige Verbesserung des Service und die Ausrichtung des Warensortiments an den Bedürfnissen des Verbrauchers. Wer hinter der Theke steht, muss mittlerweile auch Experte für Ernährungsfragen und in manchen Fällen sogar Lebensberater sein. Verkaufsorientierung heißt ferner, professionell zu werben und den Verkauf gezielt zu fördern. Um die Aufgaben zu bewältigen, sind entsprechende Fortbildungen ebenso zwingend wie die Vermittlung der geforderten Fähigkeiten schon während der Berufsausbildung.Auch die Qualifikation als Kaufmann gewinnt zunehmend an Bedeutung. Unternehmerische Qualitäten gehören deshalb zum heutigen Berufsbild eines Fleischers. Sie sind unabdingbare Voraussetzungen, um die Existenz seines Betriebes langfristig zu sichern. Preis- und Kostendruck zwingen immer mehr dazu, Möglichkeiten der Kostensenkung und der Rationalisierung zu nutzen. Daten der Betriebsbuchhaltung müssen analysiert und das gesamte Rechnungswesen als Steuerungsinstrument genutzt werden können. Basel II wird die Kreditaufnahme gerade für kleine und mittelständische Handwerksbetriebe erschweren. Banken machen die Vergabe von Krediten dann vor allem von den kaufmännischen Fähigkeiten eines Betriebsinhabers abhängig. Als Kriterien für die Beurteilung der Kreditwürdigkeit werden betriebswirtschaftliche Kennzahlen herangezogen. Wer zukünftig Kredite nachfragt, muss schon im Vorfeld darum bemüht sein, Kapitalstruktur, Rentabilitäten, Produktivität und Liquiditätsgrad zu optimieren. Auch der sich abzeichnende Trend zur Filialisierung verlangt dem Fleischer verstärkt betriebswirtschaftliche Kenntnisse ab. Mit steigender Betriebsgröße nehmen Planungs-, Organisations- und Verwaltungsaufwand sowie die Komplexität der betrieblichen Abläufe zu. Erfolg mit seinem Geschäft wird nur derjenige Fleischer haben, der nicht nur Produzent ist, sondern auch Verkäufer mit stark ausgeprägter Kundenorientierung und Kaufmann mit Managerqualitäten.Thomas Röhr, Chefredakteur