Die unternehmerischen Fähigkeiten des Betriebs-inhabers beeinflussen das Rating, das Banken zwecks Beurteilung der Kredit-würdigkeit durchführen. Dabei spielen offenbar auch die Qualität und die Art der betrieblichen Versicherungen sowie der Umfang des Versicherungs-schutzes eine Rolle. Mangelnde unterneh-merische Professionalität in diesem Bereich kann sich dann negativ auf das Rating auswirken.
Versicherungen auf dem Prüfstand
Seit der Übernahme der Fleischerei von seinem Vater vor acht Jahren hat sich Dietrich S. an die zweimal im Jahr stattfindenden Gespräche mit dem für ihn zuständigen Kundenberater seiner Bank gewöhnt. Diese Gespräche, bei denen es vor allem um Einzelheiten und Verbesserungsmöglichkeiten des betrieblichen Ratings, also der Kreditwürdigkeit von S. geht, wurden von ihm selbst seinerzeit initiiert. Während sein Vater den unmittelbaren Kontakt zur Hausbank eigentlich nur dann suchte, wenn ein Kreditwunsch unmittelbar bevorstand, bat S. sofort nach Übernahme des Geschäftes um die Verbesserung der gegenseitigen Kommunikation. Er versprach sich davon nicht nur eine intensivere betriebswirtschaftliche Begleitung durch das Bankinstitut, sondern auch wertvolle Hinweise seines Kreditgebers, die ihm schrittweise eine Verbesserung des betrieblichen Ratings und damit eine Verringerung seiner Kreditkosten ermöglichten.
Die bisherigen Erfahrungen geben S. durchaus Recht, da sich der für ihn zuständige Kundenberater durchaus konstruktiv zeigt, wenn es beispielsweise um die Optimierung des betrieblichen Zahlungsverkehrs durch entsprechende Bankensoftware oder um Hinweise zur Verringerung von Privatentnahmen geht. Neben diesen und ähnlichen Beispielen zur Verbesserung der Geschäftsverbindung ist es S. durch diese relativ enge Kunde-Bank-Beziehung darüber hinaus tatsächlich gelungen, die jeweiligen Kreditkosten in einem vertretbaren Rahmen zu halten und vor allem eine gewisse Transparenz zu erreichen, die ihn in die Lage versetzt, die Konditionsgestaltung der Bank weitgehend nachzuvollziehen.
So brachte auch das letzte Gespräch für S. wertvolle Erkenntnisse, deren Umsetzung ihm möglicherweise hilft, viel Geld zu sparen. Es geht um den Gesamtkomplex seiner betrieblichen Versicherungen, deren Umfang und Qualität nach Aussage des Bankmitarbeiters „wesentlicher Bestandteil des betrieblichen Ratings sind“. S. hat sich mit diesem Thema in der Vergangenheit selbst so gut wie gar nicht beschäftigt. Zuständig ist vielmehr der jeweilige Ansprechpartner des Versicherers, bei dem S. vor allem die Inventar- und die Gebäudeversicherung abgeschlossen hat. Mögliche Anpassungen im Versicherungsschutz erfolgen nur dann, wenn einer der Versicherer, es bestehen Verbindungen zu insgesamt fünf Unternehmen, von sich aus aktiv wird und um ein Gespräch bittet. Da S. bisher keine seiner Versicherungen, von geringen Ausnahmen einmal abgesehen, in Anspruch nehmen musste, gab es für ihn an dieser Vorgehensweise auch nichts auszusetzen. Er sah die strategische Ausrichtung seiner Betriebspolicen daher zumindest bisher auch nicht als „wesentlichen Teil seiner Führungsverantwortung“, wie es der Gesprächspartner seiner Hausbank formulierte.
Unübersichtliche Verträge
Die Aufarbeitung dieses Mangels verlief für S. während des Bankgesprächs daher auch nicht ohne Überraschungen. Wesentlicher Kritikpunkt seitens der Bank war vor allem die Unübersichtlichkeit der einzelnen Verträge, verursacht durch die erwähnte Vielzahl der beteiligten Versicherungsunternehmen. Dies wiederum führte zu Versicherungsverträgen, die dasselbe Risiko mehrfach absicherten. Außerdem stellte der Bankmitarbeiter fest, dass die abgesicherten Beträge in der seit Jahren nicht mehr geänderten Betriebsunterbrechungsversicherung längst nicht mehr den tatsächlichen Gegebenheiten entsprachen. Wäre bei S. also ein Schaden entstanden, der eine vorübergehende Schließung der Fleischerei zur Folge gehabt hätte, wäre er nicht darum herumgekommen, einen Teil seiner fortlaufenden Betriebskosten, die sich während der vergangenen Jahre erhöht haben, selbst zu finanzieren.
Auch mögliche Prämienvorteile, etwa durch die Konzentration verschiedener Versicherungen auf nur ein oder zwei Unternehmen, wurden von S. nicht wahrgenommen, da eine professionelle Kostenkontrolle, auf die S. in nahezu allen Geschäftsbereichen sonst großen Wert legt, in Versicherungsfragen nicht stattfand.
S. hat mittlerweile die Konsequenzen aus dem Bankgespräch gezogen und das Thema „Versicherungen“ zur Chefsache erklärt. Damit reagiert er auf die offensichtliche „Rüge“ seiner Hausbank und die damit verbundene Gefahr, dass dort seine Führungsqualitäten in Frage gestellt werden. Als erste Maßnahme wird er eine Bestandsaufnahme seiner Versicherungen durchführen und jede einzelne Police von einem unabhängigen Versicherungsmakler prüfen lassen. Im Ergebnis verspricht er sich davon nicht nur eine Optimierung seiner Prämien und des jeweiligen Versicherungsschutzes, sondern auch eine Konzentration der Versicherungen auf zwei, maximal drei Versicherungsunternehmen.
Darüber hinaus wird er ab sofort einmal im Jahr prüfen, ob sich an der aktuellen Situation seines Betriebes etwas geändert hat und der jeweilige Versicherungsschutz gegebenenfalls verändert werden muss. Klar ist außerdem, dass sich S. durch diese Maßnahmen letztlich auch eine weitere Verbesserung seines Kreditratings und damit seiner Kreditkonditionen erhofft.