Wertschätzung motiviert

Durch unmotiviertes Personal geht vielen Metzgereien Jahr für Jahr Umsatz verloren. Mit einfachen Mitteln lässt sich das ändern, wissen Fleischereiberater. Die empfohlene Strategie lautet: Verbesserung der Personalkultur.

Fleischereiberater Peter Meier spricht in der Metzgerei Durst, Burlafingen, über seine Erfahrungen. - © Heliosch

Wertschätzung motiviert

Das renommierte Gallup-Institut in Potsdamm bringt es in seiner alljährlichen Gallup-Studie immer wieder auf den Punkt: Das Engagement der Mitarbeiter in den Betrieben und Unternehmen sinkt seit Jahren. Das gilt für alle Branchen in Deutschland. Auch die Zahlen für das Jahr 2009 sprechen für sich: 67 Prozent der Arbeitnehmer sind emotional nur gering an ihr Unternehmen gebunden und machen Dienst nach Vorschrift, 20 Prozent haben bereits innerlich gekündigt. Nur 13 Prozent der Beschäftigten verspüren eine echte Verpflichtung gegenüber ihrem Unternehmen, sind hochmotiviert und engagiert.

Für Peter Meier aus dem bayerischen Weißenhorn sind das nicht nur abstrakte Zahlen. Aus seiner Praxis als bundesweit tätiger Fleischereiberater weiß er, dass auch im Fleischerhandwerk die Dinge im Argen liegen. Bei seinen unangekündigten Testeinkäufen in Metzgereien erlebt er besonders deutlich die Defizite unmotivierter Verkäuferinnen. In vielen Innungen und Betrieben herrsche der Irrglaube vor, die Verkäuferinnen könne man durch Schulungen zu Ernährungswissenschaftlerinnen ausbilden. Denn nur so könne man die Kundschaft zufriedenstellen und den Umsatz ankurbeln. Doch der Fachmann aus Weißenhorn sieht die Schwachpunkte an ganz anderer Stelle. Die Kunden wünschten sich keine Ernährungsspezialistinnen hinter der Wurst- und Fleischtheke, die wissenschaftlich Auskunft geben können über die Wirkung von Fleisch und Wurst im Körper. Vielmehr sind praxisbezogenes Ernährungswissen insofern machen Schulungen auch Sinn und produktspezifische Kenntnisse gefragt. Und vor allem: „Die Kunden wollen höflich, aufmerksam und sachkundig beraten und bedient werden. Doch gerade diese Erwartung werde vielerorts nicht erfüllt.“

Der Ton macht die Musik

Oft mangle es bereits am Wortschatz. Die eintönige, aber oft gestellte Frage „Sonst noch was?“ eigne sich kaum für eine zufriedenstellende Kundenpflege. Wenn aus dieser Frage gar noch ein einsilbiges „Sonst noch?“ werde, sei das geradezu geschäftsschädigend. Auch wenn die Fleischereiverkäuferin zu den angebotenen Produkten keine Informationen liefern könne, zum Beispiel über den Fettgehalt oder andere Besonderheiten der Wurst, erzeuge das kein gutes Bild nach außen hin. Für solche Fälle schlägt Peter Meier vor, Standardsituationen zu trainieren: „Ähnlich wie beim Fußballtraining sollten auch in einer Metzgerei sich wiederholende Situationen eingeübt werden.“ Manche Chefs verlassen sich darauf, dass ein gewisser Umgang mit den Kunden bereits in der Berufsschule vermittelt wird. Doch die Realität weiche oft erheblich von dieser Vorstellung ab, meint Meier.

Viele Fleischereiinhaber kennen auch nicht die kleinen, feinen, einfachen Tricks, mit denen das Personal motiviert und der Betrieb nach vorne gebracht werden kann. Die Industrie weiß längst, dass die Pflege einer gesunden Personalkultur unverzichtbar für ein gut funktionierendes Unternehmen ist. Die so genannten kontinuierlichen Verbesserungsprozesse (KVP) sind in gut geführten Industriebetrieben nicht mehr wegzudenken. Dabei haben die Angestellten die Möglichkeit, ihre Verbesserungsvorschläge vorzutragen, die dann auch honoriert werden. Solche Maßnahmen sind möglich, wenn der Chef seinen Mitarbeitern eine hohe Wertschätzung entgegenbringt, unterstreicht Meier. Wo dies der Fall sei, spiegle sich das wider in zufriedenem und somit motiviertem Personal.

Führungsstil überdenken

„Warum übernehmen wir dieses Modell nicht auch ins Fleischerhandwerk?“, fragt Meier. Für Metzger wäre es wichtig, endlich zu erkennen, dass die Pflege einer gesunden Personalkultur auch für das Fleischerhandwerk Vorteile bringe. Generell rät er dem Fleischerhandwerk, alte Zöpfe abzuschneiden und zu modernen Führungsstilen zu wechseln. Auf der einen Seite der Chef, auf der anderen Angestellte, Verkäuferinnen und Azubis diese alte Ordnung verhindere eine Motivation der Mitarbeiter. Der Fachmann aus Weißenhorn erlebt bei Befragungen in Betrieben immer wieder, dass sich die Angestellten geradezu wünschen, ihre Ideen und Verbesserungsvorschläge einbringen zu dürfen: „Die Leute laufen zur Höchstform auf, wenn sie merken, sie können etwas bewegen; besonders dann, wenn hinterher auch noch darüber geredet wird.“Wesentlich sei es, den innerbetrieblichen Gemeinschaftssinn zu stärken. Doch Gemeinsamkeit entsteht nicht von alleine. Man muss etwas dafür tun. Mit kleinen Veränderungen könne schon viel erreicht werden. Hierher gehöre etwa ein gemeinsames Frühstück, bei dem alle an einem Tisch sitzen, auch der Chef. In solch einer lockeren Runde bekommen die Kolleginnen und Kollegen untereinander Kontakt, lernen sich besser kennen. „Erleben die Mitarbeiter und Verkäuferinnen Gemeinschaft, sind sie zufriedener. Das wirkt sich zudem auch positiv auf die Krankheitsquoten aus“, unterstreicht Meier. Außerdem könne in dieser Atmosphäre das eine oder andere betriebliche Thema leichter zur Sprache gebracht werden. Und vielleicht würde das Gesprächsthema oft und ganz beiläufig auch auf die Produkte gelenkt, die man produziert und verkauft.

Auf seinen Beratungsreisen quer durch Deutschland fallen Peter Meier immer mehr Betriebe auf, die herausgefunden haben, wie wichtig die richtige Personalkultur für den Erfolg einer Fleischerei ist. „Das sind dann auch jene Betriebe, bei denen die potenziellen Lehrlinge Schlange stehen.“ Denn wenn die Atmosphäre in einem Betrieb stimme, spreche sich das nicht nur bei den Kunden herum, sondern auch beim Nachwuchs.Susanne Heliosch