Warnsignale erkennen und reagieren

Viele Betriebsinhaber scheinen die Signale zu übersehen oder zu ignorieren, die Banken mehr oder weniger deutlich „aussenden“. Denn die notwendigen Reaktionen auf ein verändertes Verhalten eines Kreditinstitutes seinem Kunden gegenüber bleiben oft aus. Dabei besteht meist unmittel-barer Handlungs- oder Gesprächsbedarf, um ein böses Erwachen zu vermeiden.

Warnsignale erkennen und reagieren

Wenn eine Bank über neue Geschäftsgrundlagen, veränderte Konditionen bei der Kontoführung oder neue Anforderungen an Kreditverträge informiert, sollte der Kunde hellhörig werden. Denn es kann mehr dahinterstecken, als sich vielleicht auf den ersten Blick vermuten ließe. Häufig handelt es sich um Warnsignale, auf die Betriebsinhaber angemessen reagieren müssen, wenn sie eine Verschlechterung ihrer finanziellen Situation vermeiden wollen. In vielen Fällen stehen die Aufrechterhaltung der Liquidität und die Kreditwürdigkeit auf dem Spiel. Höhere Zinssätze für Kredite oder für das Überschreiten der Kreditlinie sind da noch die geringsten Probleme, die auf einen Kreditnehmer zukommen können. Nicht selten drohen Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung, also Konkursgründe.

Bankkunden müssen diese Warnsignale frühzeitig identifizieren und das klärende Gespräch mit dem zuständigen Bankmitarbeiter suchen. Achten Sie also auf Veränderungen, die sich nachteilig auf die Geschäftsbeziehung mit Ihrem Kreditinstitut auswirken. Wie Sie dann darauf im Einzelnen reagieren können, soll im Folgenden deutlich gemacht werden:

-Die Bank verkürzt die mit Ihnen vereinbarten Zeiträume, in denen Sie über die betriebswirtschaftlichen Auswertungen (BWA) hinaus aussagefähige Unterlagen bezüglich Ihrer wirtschaftlichen Entwicklung vorlegen sollen; dabei handelt es sich vor allem um Liquiditäts- und Rentabilitätsberechnungen.

Fragen Sie nach dem konkreten Grund für diese Forderung, die immerhin deutlich von dem abweicht, was Sie ursprünglich mit Ihrer Bank verabredet haben. Da eine Verschlechterung Ihrer Kreditwürdigkeit möglicherweise der Grund für dieses veränderte Verhalten ist, sollten Sie auch dieses heikle Thema problematisieren.

-Ihr Steuerberater soll weitaus intensiver als bisher ausführliche Prüfungen Ihrer Buchführung vornehmen. Gleichzeitig werden Sie gebeten, Ihren Steuerberater zu ermächtigen, unmittelbar auf Fragen Ihrer Bank zu antworten und nicht erst Sie als Kunden damit zu konfrontieren.

Auch dieser Punkt spricht für eine andere Einschätzung der Bank im Hinblick auf Ihre wirtschaftliche Lage, so dass Sie gemeinsam mit Ihrem Steuerberater kurzfristig ein Gespräch mit dem zuständigen Bankmitarbeiter führen sollten.

-Das Kreditinstitut empfiehlt Ihnen, einen Unternehmensberater zu beauftragen, der sich nicht nur mit Ihrer wirtschaftlichen Lage, sondern auch mit Ihrer betrieblichen Organisation befasst.

Möglicherweise sieht Ihre Bank Optimierungspotenziale in Ihrem Betrieb und sie traut Ihnen nicht zu, diese zu erkennen und zu nutzen. Wenn dem so ist, sollte sie Ihnen gegenüber einzelne Punkte konkretisieren.

-Mehr oder weniger beiläufig teilt man Ihnen mit, dass die mit Ihrer Bank früher einvernehmlich abgestimmte Strategie einer „angemessenen“ Eigenkapitalbildung zukünftig nicht mehr gilt. Vielmehr soll schrittweise eine „deutliche Erhöhung des Eigenkapitals“ angestrebt werden.

Die verlangte Erhöhung des Eigenkapitals lässt darauf schließen, dass sich Ihre Bank auf die bevorstehenden Basel-III-Regelungen vorbereitet. Banken bevorzugen dadurch grundsätzlich Kreditnehmer, die ihrerseits eine gute Bonität durch eine entsprechend hohe Eigenkapitalquote vorweisen können. Klären Sie also rechtzeitig, wie sich Ihre Bank eine „angemessene“ Eigenkapitalbildung in den kommenden Jahren konkret vorstellt.

-Die bisher mehr oder weniger selbstverständlichen kurzfristigen Überziehungen des Geschäftskontos über das Kreditlimit hinaus „können nun nicht mehr geduldet werden“. Auch in diesem Fall steht Ihnen eine Begründung zu, da die bisherige Geschäftsgrundlage einseitig verändert wird. Allerdings dürfte es für Sie im Ergebnis ohnehin sinnvoller sein, eine grundsätzliche Erhöhung des Kreditlimits Ihres Geschäftskontos zu vereinbaren. Sie können damit übrigens auch teure Überziehungszinsen vermeiden.

-Lastschriften, die in der Vergangenheit auch eingelöst wurden, obwohl keine Kontodeckung vorhanden war, wurden, überraschend für Sie, von Ihrem Geschäftskonto nicht abgebucht. Der bisher übliche und vor allem rechtzeitige Anruf des Bankmitarbeiters, für Kontodeckung zu sorgen, erfolgte dieses Mal nicht und wird wahrscheinlich auch in Zukunft ausbleiben.

Hier handelt es sich offenbar um eine Auswirkung der zunehmenden Zentralisierung im Bankbereich. Der Bankansprechpartner vor Ort verliert dabei in der Regel an Gestaltungsmöglichkeiten. Sie sollten Ihr Zahlungsverhalten diesem kaum zu umgehenden Umstand anpassen und Ihre finanziellen Dispositionen gegebenenfalls verbessern.

-Neu ist für Sie die Forderung Ihrer Bank, zusätzliche Kreditsicherheiten anzubieten, da sich der Wert Ihrer bisher zur Verfügung gestellten Kreditsicherheiten angeblich „erheblich“ verringert hat.

Bevor Sie mit mehr oder weniger Aufwand nach weiteren Kreditsicherheiten suchen, sollte die Bank Ihnen die Kriterien erläutern, die sie bei der Bewertung Ihrer Sicherheiten angewendet hat. Diese Wertansätze können Sie dann mit Ihren eigenen Einschätzungen vergleichen und gegebenenfalls hartnäckig nachverhandeln.

-Die Bank erhöht von heute auf morgen den Zinssatz Ihres Überziehungskredites um gleich mehrere Prozentpunkte und begründet dies lapidar mit einer neu eingeführten so genannten „risikoorientierten Zinssatzfindung“.

Dieser Punkt bedarf eines ausführlichen Gesprächs mit Ihrer Bank. Die erwähnte „Risikoorientierung“ beinhaltet regelmäßig einen „Zinskorridor“ von mehreren Prozentpunkten, in dessen Rahmen sich Ihr persönlicher Kreditzinssatz zukünftig befinden wird. Für Sie als Kunde ist entscheidend, wie Ihre Bank den für Sie geltenden Kreditzinssatz exakt ermittelt.

-Angebote zur Verlängerung Ihrer Darlehen beinhalten einen für Sie nicht nachvollziehbar hohen Zinssatz, so dass Sie spontan davon ausgehen, dass Ihre Bank an einer Kreditverlängerung gar nicht interessiert ist.

Hier besteht dringender Gesprächsbedarf, da Ihre weitere Kreditfähigkeit offenbar in Frage steht. Es ist ja immerhin möglich, dass auch andere Banken zu einer ähnlichen Einschätzung - und einem vergleichbar hohen Zinssatz - kommen. Zumindest sollten Sie wissen, warum Ihre Bank trotz zum Teil langjähriger Geschäftsverbindung so reagiert.

-Es wird für Sie immer schwieriger, Ihren Gesprächspartner bei der Bank unmittelbar ans Telefon zu bekommen, um mit ihm für Sie wichtige Punkte zu bereden.

Möglicherweise gibt es die eine oder andere unangenehme Information, die Ihre Ansprechpartner nicht gern an Sie weitergeben. Vielleicht liegt es auch an möglichen Sonderwünschen Ihrerseits, die man auf diesem Weg einzudämmen versucht. Wie auch immer, ein klärendes persönliches Gespräch sollte kurzfristig stattfinden.

-Wenn Sie nach Ihrer Ratingnote fragen, die schließlich auch für die Höhe Ihrer Kreditzinssätze wichtig ist, erhalten Sie stets nur ausweichende Antworten, die Ihnen in keiner Weise weiterhelfen.

Die Zurückhaltung des Bankmitarbeiters kann daran liegen, dass er selbst zwar in der Lage ist, Ihnen die Ratingnote zu nennen. Da er aber nicht weiß, wie sich diese Note unter welcher Gewichtung der jeweiligen Beurteilungsfaktoren zusammensetzt, kommt es zu ausweichenden Reaktionen. Dennoch gilt hier ebenfalls, dass Ihnen die Bank entsprechende Klarheit bieten muss, damit Sie Ihre Bonität und damit auch Ihre Kreditkonditionen verbessern können.

-Auf Nachfragen zu möglichen Kreditverkäufen bekommen Sie keine verbindlichen Antworten. Das ist insofern erstaunlich, da gerade Kreditverkäufe erhebliche Veränderungen in der gewachsenen Kunde-Bank-Beziehung hervorrufen können.

Klären Sie verbindlich, wie es Ihre Bank mit Kreditverkäufen hält und sehen Sie sich Ihre Kreditverträge auf entsprechende Regelungen hin an. Je nach Bankinstitut können Sie Vereinbarungen treffen, die Kreditverkäufe konsequent ausschließen.Michael Vetter