Von Weißwurst über Leberkäse bis hin zu Kaffeeschinken und Sulzpralinen – im Rahmen einer zweitägigen Qualitätsprüfung in der Fleischerschule Augsburg ließen Bayerns Metzger ihre Produkte auf Herz und Nieren prüfen. Über 700 Proben aus knapp 200 bayerischen Betrieben haben die Sachverständigen verkostet.

„An diesen Produkten kann man sehen, riechen und schmecken, was unser Handwerk ausmacht“, freute sich Metzgermeister Georg Schlagbauer. Der Präsident des Bayerischen Handwerkstages und Landesinnungsmeister der bayerischen Fleischer eröffnete die neutrale Prüfung, welche jedes Jahr stattfindet. Die wissenschaftliche Leitung hatte Prof. Dr. Manfred Gareis von der Ludwig-Maximilian-Universität in München. Er zeigte sich von der Geschmacksvielfalt beeindruckt.
Erstmals bei einer Qualitätsprüfung war Ministerialdirigent Gerhard Zellner aus dem Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz. Er schaute den Prüfern nicht nur interessiert über die Schultern, sondern probierte ausgiebig. Vor allem die kreativen Produkte hatten es ihm angetan: „Auf diesem Tisch liegen kulinarische Geschenkideen von denen viele träumen.“ Der Einfallsreichtum der handwerklichen Metzger sowie ihrer Produktpalette seien überzeugend. Er riet den Betrieben, dies mehr zu bewerben und das Handwerk weiter nach vorn zu stellen.
An den Tischen testeten jeweils drei Sachverständige von Weißwurst über Leberkäse bis hin zur Wurstpraline, Salami oder einer Erdbeermarmelade. Neben jungen Metzgermeister/innen verkosteten auch Veterinäre und Lebensmitteltechniker die angemeldeten Proben. „Im Mittelpunkt stehen Geruch, Geschmack, Aussehen, Konsistenz und Äußeres“, erklärt Andrea Weber. Die Verkaufsleiterin kommt aus einer Lenggrieser Metzgerei und testet Weißwürste. Von der Handwerksqualität ist sie begeistert. Das sieht auch Schlagbauer so: „Kein Produkt schmeckt wie das andere. Das gibt es nur im Handwerk! Genormte Industrieware kommt hier nicht auf den Tisch!“ Auch die Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache: Insgesamt können über 50 Prozent der Produkte mit Gold prämiert werden.
Kreative Handwerkskunst
Einfallsreich wird es beim Sonderwettbewerb. Neben dem besten Kochschinken sucht der Fleischerverband Bayern auch die kreativsten Produkte. Ob Pfefferbeißer als Brotaufstrich, Bratwurst mit Orangengeschmack, Brennnessel-Wildkräuter-Leberkäs, Kaffeeschinken oder Sulzpralinen – der Phantasie der bayerischen Metzger scheinen keine Grenzen gesetzt. „Hier zeigt sich, wie lebendig unser Handwerk ist“, freut sich Christian Maischberger, Metzgermeister aus Buchloe. Obwohl die Entscheidung schwerfällt, macht ein „Deftiger Brotaufstrich im Töpferl“ vor den „Sulzpralinen“ und „Bierbeissern“ das Rennen.
Schlagbauer unterstreicht: „Die individuelle Güte und die Liebe bei der Herstellung machen die Handwerksprodukte zu etwas Besonderem. Hier kann man stolz auf sein Handwerk sein, denn diese Leistungen sind meisterhaft!“
Die Erdbeermarmelade erhielt übrigens Gold. Sie kommt zwar ganz ohne Fleisch aus, wird aber auch von einer Metzgerei selbst hergestellt und erfolgreich verkauft. „Der Einkauf beim Metzger des Vertrauens kann also durchaus kulinarische Überraschungen bieten“, merkt Schlagbauer schmunzelnd an.