300 Jahre Fleischerei Remagen

Das Führungsquartett, bestehend aus (v.l.) Nane Remagen, Frank Remagen, Bernd Johnen und Nina Remagen, hat sich die Ziele für die Zukunft hochgesteckt. An der Kapazitätserweiterung durch einen Anbau wird bereits gearbeitet. Rainer Heck - © Rainer Heck

Als Jacob Remagen im Schatten der Domtürme zu Köln seine Metzgerei gründete, waren Pferd und Wagen die gängigen Verkehrsmittel, die elektrische Kühlung noch lange nicht erfunden und das Schlachthaus gleich neben der Wurstküche. Man schrieb das Jahr 1718 und 700 Metzgereien waren im Zunftverzeichnis der Domstadt verzeichnet.

Der Wille, sich immer neu zu erfinden und den Zeichen der Zeit zu folgen, prägt seither die Familien­tradition. „Das Geheimnis des Erfolges liegt bei uns darin, mit unseren Kunden zu wachsen“, bekräftigt Frank Remagen, der die neunte Generation des Unternehmens verkörpert und mit seinen Töchtern Nina und Nane seine Nachfolge in die Wege geleitet hat.

Bereits seit den 50er Jahren spielten die Themen Convenience, Gastronomie, Großkunden und Fertigprodukte eine tragende Rolle. Heute gehören Suppen, Saucen und Currywurst mit eigener Sauce zum Sortiment. Der Umzug von Köln in das benachbarte Hürth vor vier Jahrzehnten erlaubte eine Ausdehnung der Produktion. In den letzten beiden Jahren ist laut Frank Remagen die klare Entscheidung für die Weiterführung des Familienbetriebes gefallen. Das Investitionsvolumen für den nächsten Neubau wird rund 8 Mio. Euro betragen. Der Jahresumsatz wird mit 60 Mio. Euro beziffert, in zehn Jahren soll er bei 100 Mio. Euro liegen. Aktuell sind 300 Mitarbeiter aus 35 Nationalitäten beschäftigt. Seit 2015 gehört die Farmhaus GmbH zu Remagen. Geschäftsführer Bernd Johnen gehört seit über 17 Jahren zum Team und legt besonderen Wert auf die Weiterentwicklung von Rezepturen und Produkten. Das Credo lautet: „Wir betrachten uns bei unseren Kunden als ein verlängerter Küchenblock und verstehen uns als Problemlöser und Dienstleister.“ Längst wurde der Gastronomieanteil zum stärksten Umsatzbringer und gilt auch in der Zukunft als wichtigstes Standbein. Verwurzelt in den Sportarenen und Veranstaltungssälen ist die Firma seit langem, kaum ein Großereignis, dessen Catering an Remagen vorbeikommt. Wenn etwa 8.000 Essen in der Köln-Arena gefragt sind, stellt das keine logistische Schwelle dar.

Die Fertiggerichteschiene wird ebenfalls weiterentwickelt. Die Rindsroulade nach traditioneller Hausfrauenart ist nur ein Beispiel. Selbst die Nachfrage nach vegetarischen Snacks erzeugt keine Berührungsängste. Sogar eine fleischlose Bockwurst ist bereits im Programm.

Gleichzeitig gibt es auch eine kulinarische Retrospektive. Nina Remagen entwickelte die Jubiläumsprodukte. Das Unternehmen präsentiert pünktlich zum Jubiläum „Kesselwurst anno 1718“. „Die mittelgrobe Brühwurst wird frei von modernen Zusatzstoffen im feinen Saitling den Siegeszug in die Töpfe antreten, um auch verwöhnte und anspruchsvolle Gaumen zu überzeugen“, ist sich die Fachfrau sicher. „Wir verstehen uns als kreative Genussmacher“, lautet die Devise – im großen Stil, wie die Zahlen der Tagesproduktion zeigen: 27 t Würstchen, 15 t Frikadellen und 5 t Schnitzel laufen täglich vom Band und werden in der ganzen Bundesrepublik vermarktet.

Da die derzeitigen Produktionskapazitäten des Unternehmens nicht mehr ausreichen, wird die Produktionsfläche um knapp 3.000 m² auf insgesamt 13.000 m² erweitert. Der Neubau erfolgt auf dem Firmengelände in Hürth. Ein Teil der neuen Produktionsfläche wird für eine innovative Frikadellenproduktion mit vier Wendelbandfrostern genutzt, die pro Stunde jeweils 400 kg der frisch gefrorenen Fleischbällchen tiefgefrieren können.

Im zweiten Neubauabschnitt werden die nach Kundenwünschen maßgeschneiderten, IFS-zertifizierten Convenience-Spezialitäten von Farmhaus produziert. Die Fertigstellung ist für den Spätsommer 2018 geplant.

Nachhaltige Verantwortung zeigt Remagen auch bei dem nun entstehenden Neubau. So werden zum Beispiel die Installation einer modernen Kühlungsanlage, die mit dem natürlichen Kältemittel NH3 betrieben wird, sowie innovative Dampfkessel, modernste Lüftungs-, Filter- und Druckluftanlagen und eine effiziente Wärmerückgewinnungsanlage die neuen Produktionsflächen prägen.