Verkauf -

Wer den Trend erkennt, verkauft

Wo geht’s lang? Mit dieser Fragestellung setzen sich Trend- und Zukunftsforscher auch mit dem modernen Ernährungsverhalten auseinander. In den vergangenen Jahren hat sich die Esskultur gravierend verändert. Wie die Menschen essen, was und wo beeinflusst auch das Angebot in der Theke.

◆ Kochen ist wieder in. Am deutlichsten macht sich das im Fernsehalltag bemerkbar, wo Kochsendungen mittlerweile wie kein anderes Gerne Konjunktur haben. Rund um die Uhr können die Zuschauer von irgendeinem Küchenprofi à la Tim Mälzer, Johann Lafer oder Sarah Wiener Tipps und Tricks für den Hausbedarf abgucken und auch im Kino hält der Trend Einzug, dank Hollywoodexporten wie „Rezept zum Verlieben“. Davon profitieren neben den Machern auch die Hersteller und Verkäufer von Küchen. Und auch die Rohstofflieferanten, sprich die Lebensmittelbranche, kann von der neuen Generation Hobbykoch profitieren, wenn sie auf deren Bedürfnisse geschickt reagiert.

Nach dem Auto wird nun auch die Küche und was sie verlässt zum Statussymbol. Umfragen zufolge verbringen die Deutschen immer mehr Zeit in der Küche – und dass nicht nur beim Partytalk. Saßen die Gastgeber früher mit ihren Gästen im Wohnzimmer auf der Ledercouch, trifft sich die Gesellschaft heute zum Gemeinschaftskochen direkt am freistehenden Herd oder zumindest in der geräumigen Wohnküche, wo sich die Hausherren ihres hochwertigen Inventars rühmen. Wer das Kochen derart zelebriert und zur Kunstform erklärt, achtet besonders auf die zum Einsatz kommenden Zutaten, schätzt Spitzenqualität ohne Abstriche und greift dafür auch gerne tiefer in die Tasche.

„Sen-satt-ion“ oder „die neue Lust am Inszenieren der Esskultur“, nennen Anja Kirig, Trend- und Zukunftsforscherin am Zukunftsinstitut Kelkheim, und die Ernährungswissenschaftlerin Hanni Rützler diesen Trend. Ihre These lautet, Essen werde immer mehr inszeniert und zelebriert, diene weniger dem Sattwerden als dem „Socializing“ und der Distinktion. Je abstrakter die Arbeit der Menschen werde, je flexibler und eigensinniger sie ihr Leben und ihre Beziehungen organisieren müssten, desto mehr wollen sie dies wenigstens ab und zu durch gemeinsame, sinnliche Koch- und Essevents kompensieren.

Wie wir morgen essen

Die beiden Wissenschaftlerinnen erforschen seit Jahren die künftige Entwicklung der Ernährung. In einer gemeinsamen Studie erläutern sie die ihrer Ansicht nach wichtigsten Foodtrends für das kommende Jahrzehnt. Diese seien nicht nur das Resultat technologischer Innovationen wie Gen- oder Nanotechnologien oder neuer Vertriebswege wie dem E-Business. Vielmehr spiegle sich in den Foodtrends der gesamte gesellschaftliche Wandel wider. Die aktuellen Megatrends Gesundheit, Globalisierung, Neoökologie, New Work oder Individualisierung beeinflussen danach auch unsere Essgewohnheiten und manifestieren sich neben dem genannten „Sen-satt-ion“ noch in sieben weiteren Foodtrends, auf die die Lebensmittelbranche reagieren müsse.

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