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Wegwerfen oder essen?

Warum werden Lebensmittel weggeworfen, die noch essbar sind, obwohl dadurch Geld verschwendet und der Umwelt geschadet wird? Wissenschaftler der Universität Trier führen dieses widersprüchliche Verhalten zumindest teilweise auf einen inneren Konflikt zurück. Jedes Jahr werden in privaten Haushalten pro Kopf rund 75 kg Lebensmittel in den Müll geworfen. Davon einiges unnötig. Eine mögliche Erklärung dafür ist eine ambivalente Einstellung gegenüber Lebensmitteln.

Wegwerfen oder essen
Ein häufiger Grund für das Wegwerfen von Lebensmitteln ist ein abgelaufenes Mindesthaltbarkeitsdatum. -

Einerseits schätzen Menschen Nahrungsmittel und vermeiden ihre Verschwendung, aus finanziellen und aus sozialen, ökologischen und ethischen Gründen. Andererseits werden Produkte abgelehnt, wenn sie verdorben erscheinen, unappetitlich aussehen oder einfach das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist.

Zur Prüfung dieser Annahme führten die Wissenschaftler verschiedene Online-Experimente durch, an denen mehr als 400 Probanden beteiligt waren. Die Versuchspersonen beurteilten anhand des Mindesthaltbarkeitsdatums die Haltbarkeit von nicht verderblichen Lebensmitteln wie Nudeln, Reis, Zucker und Fruchtaufstrich. Mit einer Computermaus sollten sie ihre Einstellung zu den jeweiligen Produkten als positiv oder negativ bewerten. „Je geradliniger der Verlauf des Mauszeigers ist, desto weniger herrscht ein innerer Konflikt vor“, erklärt Sozialpsychologe und Projektleiter Dr. Benjamin Buttlar.

Weniger positiv bewertet wurden Lebensmittel mit abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum. Die ambivalenten Gefühle erhöhten die Bereitschaft zur unnötigen Entsorgung der nicht verderblichen Produkte. Das konnten auch zusätzliche Informationen über die Bedeutung des Mindesthaltbarkeitsdatums und die ökologischen Folgen der Verschwendung nicht verhindern. Vermutlich spielen neben dem fehlenden Wissen weitere Faktoren und Gewohnheiten eine Rolle. Allerdings können experimentelle Forschungen nur die Bereitschaft zur Lebensmittelverschwendung messen und nicht das tatsächliche Verhalten widerspiegeln, geben die Wissenschaftler im Journal „Sustainability“ zu bedenken.

Ein erster Schritt sei, dass sich Verbraucher einer möglichen Ambivalenz gegenüber Lebensmitteln bewusst werden. Nach Ansicht der Wissenschaftler braucht es aber auch intelligente Kampagnen und leicht zugängliche Informationen, damit weniger Lebensmittel unnötig im Müll landen. Die Seite www.zugutfuerdietonne.de gibt solche alltagstauglichen Hilfestellungen und Tipps. Ein Haupthindernis für die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung sei die Tendenz, dass Menschen die Entscheidung für oder gegen die Entsorgung eines Lebensmittels aufschieben. Da bleibt ein Joghurt mit gerade abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum ungeprüft im Kühlschrank stehen, bis er nach einigen Tagen doch im Müll landet. Weitere Forschungen sollen zeigen, wie sich dieses Verhalten beeinflussen lässt.

Heike Kreutz, www.bzfe.de

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