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Vorrang für Tariflöhne

Das Fleischerhandwerk fordert die Politik auf, den Vorrang von tariflichen Vereinbarungen gegenüber gesetzlichen Mindestlohnvorschriften zu erhalten. Die bewährte Tarifpartnerschaft zwischen den Verbänden des Fleischerhandwerks und der Gewerkschaft sorgt dafür, dass Missstände, wie sie zu Recht für weite Teile der Industrie angeprangert werden, im Handwerk nicht vorkommen.

Die beiden Industrieverbände der Fleischwirtschaft verhandeln zurzeit über einen Mindestlohn. Das Fleischerhandwerk gerät dadurch immer wieder ungerechtfertigt in die Diskussion, obwohl die rund 14.500 handwerklich arbeitenden Familienbetriebe in Deutschland nicht von den immer wieder erhobenen Vorwürfen gegen die Branche betroffen sind. Da es bereits seit langem Tarifverträge für das Fleischerhandwerk gibt, beteiligt es sich auch nicht an den jetzt aufgenommenen Verhandlungen.

Dem Thema Mindestlohn stehen die Vertreter des Fleischerhandwerks skeptisch gegenüber. Georg Schlagbauer, Vizepräsident des Deutschen Fleischer-Verbandes erläutert die wichtigsten Argumente gegen einen bundesweiten, gesetzlich festgeschriebenen Mindestlohn: „Grundsätzlich unterstützen wir das Bestreben, dass vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmer ein Entgelt erhalten sollen, das ausreicht, den Lebensunterhalt ohne staatliche Zuschüsse zu bestreiten. Aus diesem Grunde bestehen im Fleischerhandwerk nahezu flächendeckend gültige Tarifverträge. Nicht zuletzt deswegen empfinden wir einen gesetzlichen Mindestlohn als Angriff auf die Tarifhoheit.“ Zudem berücksichtige nach Ansicht der handwerklich arbeitenden Fleischer eine bundeseinheitliche Lösung zu wenig die regionalen Unterschiede bei Wirtschafts- und Kaufkraft. „Was mir in der einen Ecke von Deutschland ein bequemes Dasein ermöglicht, reicht woanders zum Leben nicht aus. Hier sind Ungerechtigkeiten vorprogrammiert“, so Georg Schlagbauer.

Von den aktuell geführten Diskussionen über Niedrigstlöhne sieht Schlagbauer seine Organisation zu Unrecht betroffen. Alle bisher bekannt gewordenen Fälle bezogen sich nicht auf Unternehmen des Fleischerhandwerks, sondern auf Großunternehmen der Fleischwaren-, Schlacht- und Zerlegeindustrie. Diese Industriebetriebe verschafften sich laut Schlagbauer durch extrem niedrige Personalkosten einen Wettbewerbsvorteil, unter dem unter anderem auch die handwerklichen Fleischereien zu leiden haben. Deren durchschnittliche Beschäftigtenzahl liegt bei knapp 10 Mitarbeitern, im Regelfall in langjährigen Beschäftigungsverhältnissen. Schlagbauer: „Wir beschäftigen im Handwerk keine Zerlegekolonnen, sondern hochqualifizierte Fachkräfte. Die werden üblicherweise sogar über Tarif bezahlt. Ein Mindestlohn ist schon insofern für uns kein Thema.“

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