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Verbandstag: Kooperation macht Sinn

Die Landesverbände der Fleischerinnungen Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen richteten am 9. Februar 2019 gemeinsam den 1. Mitteldeutschen Verbandstag in Leipzig aus. Die gut besuchte Veranstaltung kann als erster Schritt hin zu einer engeren Zusammenarbeit der drei Landesverbände angesehen werden.

Verbandstag: Kooperation macht Sinn 1
Der erste Mitteldeutsche Verbandstag in Leipzig setzte ein Zeichen für eine zukünftige Zusammenarbeit der Landesinnungsverbände Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. -

Eine geplante Fusion der Fleischerverbände aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurde zwar nicht verkündet, doch das hatte wohl auch niemand ernsthaft vom ersten Mitteldeutschen Verbandstag erwartet. Allerdings: Allein die Tatsache, dass diese Veranstaltung überhaupt gemeinsam durchgeführt wurde, bringt eindeutig den Willen der beteiligten Ehrenamtsträger zum Ausdruck, zukünftig näher zusammenzurücken und die Zusammenarbeit zu intensivieren.

Worin die Schwerpunkte einer solchen Kooperation liegen sollen, machten die drei Landesinnungsmeister gleich zu Beginn in ihren ersten Statements deutlich. Thomas Keller, LIM des Sächsischen Fleischer Innungs Verbands, der die Organisation des 1. Verbandstags im Leipziger Westin Hotel übernommen hatte, betonte die Notwendigkeit, mehr Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Thomas Hönnger, LIM von Thüringen, nannte den Tierschutz, die Transparenz, den Berufsnachwuchs und die Kooperation mit den Kammern als die zentralen gemeinsamen Arbeitsfelder. Und Klaus-Dieter Kohlmann, LIM von Sachsen-Anhalt, rief dazu auf, die „kreative Vielfalt“, für die das Fleischerhandwerk angesichts von 1.500 Wurstsorten steht, noch stärker zu nutzen und gemeinsam weiter auszubauen.

Auch Martin Fuchs, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV), stellte in seinem Grußwort fest, dass der 1. Mitteldeutsche Verbandstag „ein wichtiges Signal für die Zukunft setzt.“ Ein Ziel des Zusammenrückens der Landesverbände sieht er unter anderem in der Sicherung der Finanzierung der notwendigen Facharbeit. Eine Kooperation sei auch der richtige Weg, um Stärke zu gewinnen und Einfluss zu nehmen, etwa in Sachen Internetpranger – ein Problem, das wieder aktuell geworden ist und die Existenz von Betrieben in unverhältnismäßiger Weise gefährdet.

Auch was die Thema Reduktion von Fett, Salz und Zucker in Fleischerzeugnissen angeht, wolle der DFV eine „vernünftige Lösung“ für das Fleischerhandwerk. Mit Blick auf das neue Kassen-/Abrechnungssystem und den Umgang mit Kassendaten wies Fuchs darauf hin, dass die Anforderungen für Fleischer fast nicht lösbar seien. Da sei ein starker Verband gefragt, ebenso wie bei der jetzt notwendigen Weichenstellung für die Ferkelkastration. Schließlich wolle das Fleischerhandwerk kein Eberfleisch in der Theke.

Kritik und Forderungen

LIM Thomas Keller kritisierte in seinem Rechenschaftsbericht die immer mehr ausufernde Bürokratie. Als Beispiele nannte er die Folgen der neuen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) und das neue Verpackungsgesetz, die das Problem ständig steigender Kosten verschärfen. Von der Politik forderte er die unter anderem eine Verringerung der Steuerlast für fleischerhandwerkliche Betriebe. Auch dürfe der Dieselskandal nicht zur finanziellen Belastung werden. Außerdem müssten politische Entscheidungen schneller getroffen werden.

Verbandspolitisch sieht Keller die sinkende Zahl der Innungsbetriebe als Kernproblem. Der Austritt von Betrieben aus der Innung führe zu einer steigenden Umlage der Kosten für die Facharbeit und die Beratung, die von immer weniger Betrieben nicht mehr getragen werden können. Ein dadurch nicht zu verhindernder Wegfall der Innungen bedrohe nicht zuletzt auch die duale Ausbildung. Die Freiwilligkeit der Innungsmitgliedschaft sei zu überdenken und eine entsprechende Änderung der Handwerksordnung eine durchaus sinnvolle Option.

Eine falsche Bildungspolitik der Regierung hält Keller für die Ursache der Probleme beim Berufsnachwuchs. Seit Jahren stehe das Studium an erster Stelle, wenn bildungspolitische Entscheidungen getroffen werden. Hierdurch werde das Handwerk benachteiligt. Hier muss reagiert und das Image des Berufs des Fleischers verbessert werden. Dazu trage zum Beispiel die Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks mit ihren öffentlichkeitswirksamen Auftritten bei, ebenso wie das jährliche Meat Camp des SFIV, das sich mittlerweile als Treffpunkt der Fleischerjugend etabliert hat.

Dr. Gabriela Leupold, Leiterin des Veterinär- und Lebensmittelaufsichtsamtes Leipzig, blickte in ihrem Fachvortrag zunächst zurück auf die Entwicklung der hygienerechtlichen Vorschriften. Anschließend vermittelte sie einen Eindruck von den Auswirkungen, die die EU-VO 2017/625 über amtliche Kontrollen für Lebensmittelbetriebe und damit auch für Fleischereien haben wird. Ihre Ausführungen verdeutlichten, dass die praktische Umsetzung der EU-Norm in vielen Details noch gar nicht geklärt ist und alle Beteiligten vor erhebliche Probleme stellen wird. Sicher scheint nur, dass die Anwendung dieser Vorschriften sowohl die betroffenen Betriebe als auch die Ämter in den kommenden 15 bis 20 Jahren stark beeinflussen wird.

Thomas Röhr

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