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TK-Branche: Starke Impulse für Klimaschutz und Nachhaltigkeit

Ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit und des Klimaschutzes stand das Spitzentreffen der Tiefkühlbranche in Berlin. Der dti-Vorstandsvorsitzende Bernd Stark eröffnete die Tiefkühltagung 2022, die unter dem Motto „Aufbruch in eine nachhaltigere Zukunft“ stand. Mit rund 150 Teilnehmern diskutierte die Branche die drängenden Herausforderungen auf der Tiefkühltagung des Deutschen Tiefkühlinstituts (dti) und gab der Politik ein wichtiges Signal, mehr Tempo in der Umsetzung zu geben und verlässliche Rahmenbedingungen für die notwendigen Investitionen zu schaffen.

TK-Branche: Starke Impulse für Klimaschutz und Nachhaltigkeit
In der Podiumsdiskussion wurde über die Rolle von Tiefkühlprodukten in einer nachhaltigeren Zukunft gesprochen. -

Renate Künast, MdB und ernährungspolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, erläuterte die dringende Notwendigkeit zu einer Ernährungswende. Der Ukraine-Krieg mit seinen Folgen habe eindrücklich gezeigt, dass sich Deutschland abhängig gemacht habe von Drittstaaten, sowohl bei der Energie- als auch der Rohstoffversorgung. Dies müsse sich ändern. Für eine erfolgreiche Ernährungswende mahnte sie die konsequente Umsetzung von Klimastrategien und die Entwicklung resilienter Ernährungssysteme an. Die Ernährung müsse stärker pflanzlich ausgerichtet werden, das sei gesünder für die Menschen und für die Umwelt. Vom Engagement und der Leistung der Tiefkühlbranche zeigte sich Renate Künast sehr beeindruckt. Die Diskussionen und Aktivitäten im dti zeigten, dass sich die Tiefkühlwirtschaft bereits auf den Weg der Transformation gemacht habe. Tiefkühlprodukte leisteten mit ihrem Convenience-Charakter einen wichtigen Beitrag für Konsumenten.

Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen, Leitung Forschungsabteilung Klimaresilienz am PIK Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, zeigte anhand der Simulationen für den Weltklimarat eindringlich auf, dass schneller und konsequenter gehandelt werden muss, um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen und die Folgen des Klimawandels abzumildern. Die politischen Ziele seien definiert, aber die Politik weise noch Defizite bei der Umsetzung auf. Die Herausforderungen für die Erreichung des 1,5 Grad-Ziels seien zwar enorm groß, aber erreichbar. Als wesentliche Voraussetzung dafür sieht das PIK eine effektive, deutlich höhere Bepreisung von CO2 als heute, um marktwirtschaftliche Anreize für die Transformation zu geben. Im Agrar- und Ernährungssektor, der zu 1/3 zu den globalen THG-Emissionen beiträgt, spielen Verhaltensänderungen eine wichtige Rolle, vor allem eine deutliche Reduzierung des hohen Fleischkonsums. Lotze-Campen forderte die Branche auf, die Chancen der Transformation zu ergreifen und stärker systemisch zu denken.

Vivianne Raddatz, Leitung Klima und Energie WWF Deutschland, forderte von der Politik und von der Industrie mehr Tempo beim Klimaschutz. Sie verwies darauf, dass alle Sektoren massiv ihre THG-Emissionen reduzieren müssen. Den Einsatz Erneuerbarer Energien, eine höhere Energieeffizienz und die Umsetzung ambitionierter Klimastrategien sieht sie als wichtige Stellschrauben für die Tiefkühlindustrie an. Dabei sei die Erstellung von Klimabilanzen der erste wichtige Schritt, um Reduktionsziele und -maßnahmen zu formulieren. Sie mahnte Zurückhaltung und Vorsicht bei der Kommunikation von „Klimaneutralität“ und der Kompensation mit Klimazertifikaten an.

In der Podiumsdiskussion mit Renate Künast, Vivianne Raddatz, Markus Mischko (iglo GmbH), Thomas Reich (apetito AG) und Matthias Immesberger (Globus Markthallen Holding GmbH & Co. KG) unter der Leitung von Ute Welty (Journalistin) wurde über die Rolle von Tiefkühlprodukten in einer nachhaltigeren Zukunft gesprochen. Markus Mischko mahnte die mangelnde Wertschätzung für Lebensmittel an und regte an, die Vorteile von TK als „preiswerte“ Alternative stärker in die Kommunikation zu bringen. Matthias Immesberger sah in Tiefkühlprodukten einen Riesenhebel zur Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Thomas Reich wies auf die wichtige Rolle der Ernährungsbildung für eine erfolgreiche Ernährungswende hin. In der engagiert geführten Diskussion wurde über Regionalität, die Wertschätzung und Rolle von Fleisch, die Perspektiven pflanzlicher Ernährung und Kennzeichnungssysteme für die Verbraucher debattiert.

Die Tiefkühltagung 2022 gab auch den Startschuss für die Zukunftswerkstatt „Tiefkühlwirtschaft auf dem Weg zur Klimaneutralität“, mit der das dti die Umsetzung von Klimazielen in der Tiefkühlwirtschaft unterstützen wird. dti-Geschäftsführerin Dr. Sabine Eichner stellte das Konzept der Zukunftswerkstatt gemeinsam mit Leon Halfmann, Zentrum für nachhaltige Unternehmensführung Universität Witten-Herdecke (ZNU) vor. Auf der Internetseite www.tiefkuehl-klimaneutral.de wird über die Workshops und Ergebnisse der Zukunftswerkstatt informiert.

Die nächste Tiefkühltagung findet im Juni 2023 in Berlin statt.

www.tiefkuehlkost.de

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