Ernährungsberatung -

Täglich 30 g Ballaststoffe als weltweites Ernährungsziel

Ballaststoffe stehen aktuell im Fokus und auf dem Arbeitsplan der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Das erklärte Ernährungsmediziner Francesco Branca, Director of the Department of Nutrition and Food Safety in der WHO, als globale Perspektive beim virtuellen Vollkorn-Gipfel der Internationalen Gesellschaft für Getreidewissenschaft (ICC) Ende Oktober 2021.

Branca berichtete über aktuelle Forschungsergebnisse zur Rolle von Ballaststoffen („Dietary Fiber“) in einer alltäglich gesunden Ernährung, die als Grundlage für ein Update der WHO-Empfehlungen dienen sollen. Nach seinen Worten sei es ein Anliegen der WHO, in lebensmittelbezogenen Leitlinien nicht nur Obergrenzen für gesundheitlich negativ zu bewertende Zutaten wie Zucker oder Salz festzulegen, sondern zukünftig auch weltweite Konsumempfehlungen für gesundheitsförderliche Lebensmittel-Inhaltsstoffe auszusprechen – wie z.B. für Ballaststoffe.

Das weltweite Defizit beim Verzehr ballaststoffreicher Lebensmittel führt zu gesundheitlichen Risiken für die Bevölkerung. Neben Herzkreislauferkrankungen und Typ-2-Diabetes ist eine zu geringe Ballaststoffzufuhr insbesondere für Dickdarmkrebs ein entscheidender Risikofaktor mit starker Evidenz. Bedarfsgerecht wäre demzufolge für Erwachsene eine Ballaststoffzufuhr von täglich mindestens 25 bis 29 Gramm, wobei dosisbezogene Untersuchungsdaten darauf hinweisen, dass 30 Gramm und mehr gesundheitlich noch zusätzliche Nutzeffekte bringen. Da es für jüngere Bevölkerungsgruppen keine entgegenstehenden Befunde gibt, können diese Empfehlungen auch für Jugendliche und Kinder ab neun Jahren gelten. Je nach nationaler bzw. individueller Ausgangslage erscheint daher aus WHO-Sicht eine Erhöhung der Ballaststoffzufuhr um fünf bis zehn Gramm pro Tag vorteilhaft. „Vollkorngetreide kann gemeinsam mit Früchten und Gemüsen eine maßgebliche Rolle zur Erhöhung des Ballaststoffverzehrs spielen“, sagte Branca.

Was die Produktveredelung von Vollkornerzeugnissen betreffe, gebe es zwar bislang nur spärliche Daten, deren Evidenz aber dennoch recht überzeugend sei, meinte Branca in seinem Vortrag: Beim Verzehr von Getreideprodukten könne ein hoher Verarbeitungsgrad zur Minderung verschiedener Biomarker führen, die im Stoffwechsel kardiovaskulärer Erkrankungen wichtig sind. Und bis belastbare wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen sei es bei Ernährungsratschlägen angemessen, die Vorteile der natürlich vorkommenden Ballaststoffe von minimal verarbeitetem Vollkorngetreide, Gemüse und Obst herauszustellen.

Das von der WHO international angestrebte Ballaststoffziel von 30 g/Tag deckt sich mit den für Deutschland herausgegebenen Empfehlungen des Bundeszentrums für Ernährung (BZfE) und der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Heiko Zentgraf, www.bzfe.de

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