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Schwarzwälder Schinken: Die Marke soll noch stärker werden

Der Schwarzwälder Schinken erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit nicht allein in seinem Ursprungsgebiet, sondern inzwischen europaweit. „Er gilt als der meistverkaufte Schinken in Deutschland“, hob Marie-Luise Adler, Sprecherin des Schutzverbandes, hervor. Ein Viertel der Schinken geht in den Export, vor allem die Nachbarn in Frankreich, Großbritannien, Benelux und Osteuropa haben Geschmack an der Spezialität gefunden. Im vergangenen Jahr waren es 9,4 Millionen Schinken, die vor allem über den Lebensmitteleinzelhandel vermarktet wurden. Dies bedeutet ein Plus von 2,17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der SB-Anteil liegt bei 70 Prozent. In Deutschland verteilt sich die Absatzmenge noch zu fünf Prozent auf die Gastronomie und zu zehn Prozent auf den Fachhandel.

„Wir wollen das gute Image auch künftig auf hohem Niveau halten und weiterentwickeln“, blickt Adler in die Zukunft. Dazu sei es notwendig, sich allen Fragen der Verbraucher zu stellen. In diesem Zusammenhang hob sie hervor, dass der Rohstoff für die im Schwarzwald veredelten Schinken nicht aus der Region stammt. „Die Schweine werden nur bei wenigen kleinen Herstellern aus der näheren Umgebung bezogen, der Schwarzwald hat keine Tradition in der Schweinezucht“, sagte sie. Dies sei auch zum Führen des g.g.A.-Siegels nicht nötig: „Qualität entsteht bei der Herstellung, nicht bei der Aufzucht.“ Neben der deutschen Herkunft stammen die Schinken aus Benelux, Spanien und Italien.

Ziel ist es, sich gegenüber den Mitbewerbern auf europäischer Ebene zu behaupten. Ein neues Leitbild und ein modernerer Auftritt sollen die Marke stärken. Dabei kommt die Renaissance, die der Schwarzwald derzeit im Tourismus erlebt, den Schinkenherstellern sehr entgegen. Um auch jüngere Zielgruppen anzusprechen, sollen durch Image-Filme und moderne Medien neue Brücken geschlagen werden. Der Schwarzwald werde somit Tradition und ­Videokunst miteinander verknüpfen, ist sich der Schutzverband sicher. Unter der Devise „Deutschland vespert“ werde der Verband vom Hochglanz abrücken und den Alltag zum Thema der Werbung machen. Was damit gemeint ist, soll schon bald auf Youtube, Instagram und Facebook zu erleben sein. Dazu gibt es parallel Kochrezepte, um das Produkt als Zutat attraktiver zu machen.

Andreas Göhring, Vorstand Finanzen im Verband: „Wer mit Besuchern spricht oder den Schwarzwald erwähnt, erlebt immer wieder, dass der Bollenhut nicht verstaubt, sondern regelrecht trendy ist“. Schwarzwälder gilt als der meistverkaufte Räucherschinken in Europa, bei den Rohschinken haben die Hersteller aus der Region Parma die Nase vorn.

„Wir haben keine Ambitionen auf ein ruckhaftes Wachstum“, so die Vorstandsmitglieder des Verbandes. Im Mittelpunkt stehen demnach Qualität und Sicherheit. Über 170 Eigenkontrollen markierten diesen Anspruch im letzten Jahr. Immerhin hängen rund 2.000 Arbeitsplätze im Schwarzwald vom Schinken ab. Eingeschlossen sind dabei die Jobs in den handwerklichen Fleischereien, die ebenso zu den Verbandsmitgliedern gehören wie drei Fleischer­innungen.

Kulinarisches Kulturgut

„Eines unserer strategischen Ziele ist es, das Profil von Schwarzwälder Schinken als leistungsstarker, regional produzierter Rohschinken weiter zu schärfen und dem Verbraucher die Einzigartigkeit und den damit verbundenen kulinarischen Genuss zu ver­mitteln. Wir verstehen Schwarzwälder Schinken als ein Kulturgut und definieren uns als seine Botschafter“, sagte Marie-Luise Adler. „Die Wertschätzung für den traditionellen, regional erzeugten Schwarz­wälder Schinken zu erhalten und zu steigern – gerade bei jüngeren Konsumenten, ist eines unserer zentralen Anliegen, das wir auch in den kommenden Jahren konsequent verfolgen werden. Damit der Schwarzwälder Schinken seine Erfolgsgeschichte auch in Zukunft weiter fortschreiben kann.“

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