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Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln

Die zehnte internationale Konferenz „Pesticide Residues in Food“ der Akademie Fresenius Ende Juni in Wiesbaden gab einen Überblick über aktuelle Methoden und Instrumente zur Bestimmung von Pestizidrückständen in Lebensmitteln. Außerdem diskutierten die internationalen Experten Aktuelles aus dem Bereich Regulierung und Überwachung.

Pflanzenschutzmittelrückstände in Lebensmitteln
Einen gesetzlichen Rahmen für Höchstgehalte an Pestizidrückständen in Lebens- und Futtermitteln gibt es zwar, aber es fehlen immer noch rechtliche Konkretisierungen. -

Luc Peeters vom europäischen Verband der Farmer und Agrargenossenschaften Copa-Cogeca (Brüssel) warf einen kritischen Blick auf die europäische Pflanzenschutzmittelverordnung 1107/2009. Seiner Meinung nach schade diese der Wettbewerbsfähigkeit der EU-Landwirtschaft, weil einzelne Wirkstoffe ohne passende Alternative ihre Zulassung verlieren, was zu höheren Kosten für die Landwirte führe.

Auch die Ergebnisse der fortlaufenden Neubewertungsprogramme zur Regulierung von Pflanzenschutzmitteln sieht Peeters mit Sorge. Peeters befürchtet, dass die Möglichkeiten der Landwirte weiter eingeschränkt werden und sieht ihre Fähigkeit, Schädlinge und Krankheiten wirksam zu bekämpfen, gefährdet. Die Bewertungsprogramme berücksichtigten nicht die negativen Auswirkungen auf die landwirtschaftliche Ebene. „Wir bestehen darauf, dass die Verfügbarkeit geeigneter mechanischer, chemischer oder biologischer Werkzeuge ein Schlüsselelement für die ordnungsgemäße Umsetzung des integrierten Pflanzenschutzes (Integrated Pest Management, IPM) ist.“  

Mehr Aufklärung zu biologischen Pflanzenschutzmitteln gefordert

Die Landwirte sehen sich Peeters zufolge einer zunehmenden Verpflichtung zum Einsatz alternativer nicht chemischer Schädlingsbekämpfungstechniken gegenüber, obwohl ihnen nur unzureichende Informationen über die Anwendung zur Verfügung stünden. Zudem seien die Regulierungsauflagen und Zulassungsprozesse für neue biologische Pflanzenschutzmittel (Biocontrols) viel zu lang sodass diese noch keine Alternative sein könnten. Uneinheitliche Gesetzgebung – zum Beispiel für Dünge- und Pflanzenschutzmittel – erschwerten die Arbeit zusätzlich.

EU-Verordnung 396/2005 wartet immer noch auf Konkretisierung

Magnus Jezussek vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit warf einen kritischen Blick auf die Verordnung (EG) Nr. 396/2005 über Höchstgehalte an Pestizidrückständen in Lebens- und Futtermitteln, die die Rückstandshöchstgehalte in Europa harmonisiert hat. Zwar habe die Verordnung einen gesetzlichen Rahmen geschaffen. Aber auch elf Jahre nach dem Inkrafttreten fehlen immer noch rechtliche Konkretisierungen – zum Beispiel Verarbeitungsangaben für zusammengesetzte und verarbeitete Produkte. Der vorgesehene Anhang zur Verordnung enthält noch immer keine spezifischen Verarbeitungs-, Verdünnungs-, Konzentrations- oder Mischfaktoren.

Berücksichtigung von Verarbeitungsfaktoren bei Wirkstoffkombinationen

Bis eine entsprechende rechtsverbindliche Regelung vorliegt, empfiehlt Jezussek, sich an einem Positionspapier der lebensmittelchemischen Gesellschaft zu orientieren. Dieses Papier empfiehlt, für eine spezifische Wirkstoff-Matrix-Kombination in jedem Fall den Verarbeitungsfaktor für die Bewertung heranzuziehen. Der Verarbeitungsfaktor sei besser geeignet als ein pauschaler Faktor (z. B. Trocknungsfaktor), da auch der Einfluss des Verarbeitungsprozesses auf den Wirkstoff berücksichtigt wird. Wenn für eine spezifische Wirkstoff-Matrix-Kombination mehrere Verarbeitungsfaktoren (Mittelwert oder Median aus mehreren Einzelwerten) angegeben sind, sollte der für den Inverkehrbringer „günstigere“ Mittelwert bzw. Median herangezogen werden, sofern die zugrundeliegenden Studien als akzeptabel bewertet wurden und die Datenbasis für die unterschiedlichen Werte vergleichbar ist, heißt es im Positionspapier.

Expositionsabschätzung von Pestiziden durch Human-Biomonitoring

Hans Mol von Wageningen Food Safety Research stellte aktuelle Studien zur Expositionsbestimmung von Pestiziden durch Human-Biomonitoring vor. Biomonitoring befasst sich mit der Analyse von biologischer Matrix zur Erfassung von sog. Biomarkern, die einen Rückschluss auf eine mögliche Kontamination zulassen. Das bevorzugte biologische Material für Biomonitoring-Untersuchungen ist Urin. Laut Mol wird Biomonitoring immer häufiger zur Expositionsabschätzung eingesetzt. So konnten bereits mehrere Pestizid-Biomarker im Urin nachgewiesen werden. Allerdings seien weitere Forschungen zu quantitativen Zusammenhängen der Konzentration von Biomarkern im Urin und der Aufnahme von Pestiziden über die Nahrung erforderlich.

www.akademie-fresenius.de

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