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Regionalbewegung fordert Regionalzentren

Die Anzahl der kleinen und mittelständischen Betriebe in Deutschland sinkt seit zwei Jahrzehnten. Rechnet man die Zahlen des Statistischen Bundesamtes hoch, dann schließt die letzte handwerklich arbeitende Metzgerei 2037 ihre Türen. Und im Jahr 2039 gibt es keine handwerklich arbeitenden Bäckerinnen und Bäcker mehr, der letzte kleine landwirtschaftliche Betrieb gibt 2036 auf. Und schon im Jahr 2034 gibt es keine Gastronomie mehr auf dem Land.

Regionalbewegung fordert Regionalzentren
Metzger, Bäcker, Landwirte und Gastwirte werden in den 2030er Jahren ihre Betriebe schließen, wenn man die Zahlen des Statistischen Bundesamtes fortschreibt. -

Die Ursachen sind vielfältig. Es gibt zu wenige Fachkräfte und Nachfolger, zu viel Bürokratie und zu hohe Preise für Pacht und Kauf von landwirtschaftlichen Flächen. Das zerstört die Existenzgrundlagen der Nahversorger. „Die letzten ihrer Art! - Rote Liste Nahversorger“, so lautete eine aufsehenerregende Aktion der Regionalbewegung in Berlin. Vor dem Brandenburger Tor wurden Ende des Jahres 2019 lebende Exemplare dieser aussterbender „Arten“ in großen Plexiglasvitrinen ausgestellt.

Bessere Nahversorgung durch Regionalzentren

Die Regionalbewegung setzt sich dafür ein, dass die regionale, landwirtschaftliche und handwerkliche Wertschöpfungskette wieder gefördert wird, sagte Brigitte Hilcher, stellvertretende Geschäftsführerin des Bundesverbands der Regionalbewegung auf der Konferenz „Ernährungsdemokratie zum Anpacken“ Ende Februar 2020 in Bonn. Im Rahmen eines Landesdialoges entwickelte der Landesverband NRW der Regionalbewegung dafür Schlüsselstrategien.

Im Zentrum steht die Schaffung regionaler Wertschöpfungszentren. Sie können Produktions- und Vermarktungsketten wiederaufbauen und dabei unterstützen, dass in verschiedenen Regionen wieder Schlachthöfe, Mühlen, Brauereien oder Gemüseverarbeitungen entstehen. Regionale Wertschöpfungszentren könnten außerdem die lokalen Akteure beraten und qualifizieren, gleich ob Landwirtschaft, Verarbeitung, Handwerk, Gastronomie, Verbraucherschaft oder Kommunen.

Die Rückbesinnung auf eine kleinteilig strukturierte Versorgung hat viele Vorteile, sagte Hilcher. Die Wertschöpfung bleibt in der Region, es entstehen Arbeitsplätze. Nachhaltige Unternehmen und kurze Transporte entlasten die Umwelt. Im Verbund kann man daran arbeiten, die regionalen Produktionsketten ökologisch verträglich, ökonomisch erfolgreich und sozial gerecht zu gestalten.

Regionalbewegung und Ernährungsräte ziehen an einem Strang

Das Netzwerktreffen der Ernährungsräte bot die Gelegenheit, Möglichkeiten und Grenzen einer Zusammenarbeit zwischen Ernährungsräten und der Regionalbewegung auszuloten. Denn mit den Forderungen nach der Stärkung der Region ist die Regionalbewegung ganz auf der Linie vieler Ernährungsräte. Der Ernährungsrat Freiburg beispielsweise plant ein „House of Food“. Es soll als Verteilzentrum für Forschung und Bildung dienen und Räume für die Vernetzung von Initiativen und Projekten bieten, die zum Ausbau der Vermarktung regionaler Produkte beitragen.

Das Netzwerktreffen „Ernährungsdemokratie zum Anpacken“ war Teil einer Veranstaltungsreihe zu regionalen Wertschöpfungsketten der Bio-Stadt Bonn. Das Bundeslandwirtschaftsministerium fördert die Veranstaltungsreihe im Bundesprogramm „Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN)“, das in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) angesiedelt ist.

Julia Icking, www.bzfe.de

www.regionalbewegung.de

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