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Politische Vorgaben für gesündere Fertiglebensmittel

In Großbritannien haben politische Maßnahmen zur Reduktion von Salz, Zucker und Energiegehalt in Fertiglebensmitteln bei Marken großer Hersteller kaum Wirkung gezeigt. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung der Oxford University. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten Daten zur Nährstoffzusammensetzung von Produkten der zehn größten britischen Lebensmittel- und Getränkehersteller über einen Zeitraum von vier Jahren (2015 bis 2018) ausgewertet.

Die britische Gesundheitsbehörde „Public Health England“ (PHE) hatte, ähnlich wie in Deutschland, freiwillige Zielvorgaben für Salz, Zucker und Kalorien in Fertiglebensmitteln eingeführt. Die Nährwertoptimierung der Rezepturen soll es Verbrauchern leichter machen, sich ausgewogen zu ernähren und damit Adipositas und mögliche Folgekrankheiten wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Typ-2-Diabetes vorzubeugen.

Allerdings hat die Auswertung der Daten ergeben, dass sich das Nährwertprofil von Fertigprodukten der zehn größten Hersteller seit dem Jahr 2015 – mit wenigen Ausnahmen – nicht wesentlich geändert hat. Der Anteil der als „gesund“ eingestuften Produkte ist leicht von 46 Prozent im Jahr 2015 auf 48 Prozent im Jahr 2018 gestiegen. Die als „gesund“ eingestuften Verkäufe haben sich von 44 auf 51 Prozent erhöht. Das sei jedoch in erster Linie auf eine im Jahr 2018 eingeführte Zuckerabgabe auf Erfrischungsgetränke zurückzuführen, erklären die Autorinnen und Autoren im Journal PLOS ONE. Dadurch habe sich der Zuckergehalt von Softdrinks verringert und der Absatz kalorienarmer Getränke erhöht. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gehen davon aus, dass ohne weitere politische Maßnahmen und ein transparentes Überwachungssystem für den Nährwert von Fertigprodukten keine nennenswerten Änderungen eintreten werden. Es seien jedoch weitere Studien notwendig, die auch die Produkte kleinerer Unternehmen berücksichtigen.

In Deutschland sind erste Erfolge bei der Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertiglebensmitteln zu verzeichnen. So ist in verpackten Backwaren wie Toastbrot weniger Salz und in Müsliriegeln mit Schokolade weniger Zucker enthalten als noch vor einigen Jahren, hat das „Produktmonitoring 2020“ des Max-Rubner-Instituts (MRI) ergeben. Dennoch sind auch auf dem deutschen Markt die Rezepturen vieler etablierter Produkte ähnlich geblieben. „Das kann ein Hinweis darauf sein, dass Reduktionen weniger bei auf dem Markt etablierten Produkten stattfinden, sondern eher das Sortiment um Produkte mit geringeren Gehalten an Energie, Fett, Zucker oder Salz erweitert wird“, heißt es dazu vom MRI.

Heike Kreutz, www.bzfe.de

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