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Neues Tierschutzlabel vorgestellt

Zum Verkaufsstart von Produkten, die mit dem Tierschutzlabel gekennzeichnet sind, präsentierte der Deutsche Tierschutzbund im Beisein von Bundesministerin Ilse Aigner und Vertretern des Labelbeirats einen aktuellen Überblick, erläuterte nächste Schritte und stellte geplante Kommunikationsmaßnahmen vor. Damit liegt eine für den Verbraucher transparente und wissenschaftlich fundierte Kennzeichnung für Produkte tierischen Ursprungs vor, die deutliche Verbesserungen für die Tiere bei der Haltung, Schlachtung und dem Transport garantiert. Gestartet wird mit einem Label für Schwein und Hähnchen, weitere Tierarten werden folgen.

Neues Tierschutzlabel
Deutlich verbesserte Bedingungen für Schweine bei der Haltung, Schlachtung und dem Transport garantiert das neue zweistufige Tierschutzlabel, das Mitte Januar eingeführt wurde. -

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes betonte: „Es war sicher kein leichter Schritt für uns, aber er war nötig, weil bisher gesetzliche Tierschutzkennzeichnungen fehlen und auch die gesetzlichen Mindeststandards der Tierhaltung in der Landwirtschaft aus Tierschutzsicht nicht ausreichen. Eine überwältigende Mehrheit der Verbraucher fordert eine transparente Tierschutzkennzeichnung, die das Label erfüllt. Mit dem Tierschutzlabel wird jetzt und sofort Millionen von Tieren geholfen, u.a. durch mehr Beschäftigung und mehr Platz sowie den Verzicht auf Manipulationen, wie das Kupieren von Schwänzen und Schnäbeln. Ebenso ist die unbetäubte Kastration von Ferkeln verboten. Schon die Kriterien der Einstiegsstufe liegen weit über den gesetzlichen Vorschriften.“

Vergeben wird das Label in einer Einstiegs- und einer Premiumstufe zunächst für Produkte von Masthühnern und -schweinen. Perspektivisch soll es die Kennzeichnung für alle landwirtschaftlich genutzten Tiere geben. Die Entwicklung des Tierschutzlabels stand von Anfang an auf einem breiten wissenschaftlichen Fundament. Die ersten Grundlagen des Tierschutzlabels wurden in der Universität Göttingen, in der Initiativgruppe „Tierwohl-Label“, erarbeitet. Mit der Übernahme der Trägerschaft für das Label durch den Deutschen Tierschutzbund nahm auch der Labelbeirat – bestehend u.a. aus Vertretern der Wissenschaft, der Landwirtschaft, der Vermarkter, des Handels – seine beratende Tätigkeit auf. Auch der Verbraucherschutz hat den Prozess begleitet. Die Produkte sind ab jetzt in vielen Regionen bundesweit in vielen Handelsunternehmen erhältlich.

Labelbeiratsmitglied Prof. Dr. Ute Knierim, Universität Kassel Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften Fachgebiet Nutztierethologie und Tierhaltung: „Bei den Masthühnern werden bereits in der Einstiegsstufe durch langsamer wachsende Tiere, niedrigere Besatzdichten und Zugang zu einem Kaltscharraum die Lebensbedingungen der Tiere wesentlich verbessert. Dies wird in der Premiumstufe mit Freilandzugang und weiter gesenkten Besatzdichten nochmals deutlich gesteigert. Besonders wichtig ist, dass außerdem an den Tieren selbst systematisch und regelmäßig erfasst wird, wie es ihnen geht, um ein hohes Tierwohlniveau zu sichern.“

Dr. Lars Schrader, FLI Friedrich-Loeffler-Institut, Institut für Tierschutz und Tierhaltung, ebenfalls Mitglied im Labalbeirat: “Mastschweine haben artspezifische Verhaltensansprüche an ihre Haltung: Sie wollen sich beschäftigen, ihre Umwelt erkunden, Sozialverhalten zeigen, sich eine Kotecke anlegen sowie ungestört und möglichst bequem liegen. Dafür brauchen sie Platz und verschiedene, entsprechend ausgestaltete Bereiche in ihrer Haltung. Diese Ansprüche werden in den Stufen des Tierschutzlabels schrittweise besser erfüllt als nach den rechtlich vorgeschriebenen Mindestanforderungen.“ Weitere Informationen finden Sie unter www.tierschutzlabel.info.

VION liefert Schweinefleisch mit dem Einstiegslabel

Als erster deutscher Fleischkonzern erhält die VION Food Group das Label der Einstiegsstufe „Für Mehr Tierschutz“ des Deutschen Tierschutzbundes für Schweinefleisch. Unabhängige Gutachter haben in den vergangenen Wochen 15 landwirtschaftliche Betriebe mit 20 Ställen sowie den VION-Schlacht- und Verarbeitungsbetrieb in Zeven zertifiziert. „Unsere engagierten Landwirte erfüllen die hohen Kriterien für mehr Tierschutz, daran haben wir als Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren entscheidend mitgewirkt“, erklärt VION-Geschäftsführer Norbert Barfuß. „Damit sind wir einen entscheidenden Schritt vorangekommen, um Handel und Verbrauchern den Wunsch nach mehr Tierschutz in der Fleischerzeugung zu bieten.“

Seit letzter Woche liefert VION an die Handelsunternehmen Kaiser´s Tengelmann und EDEKA Minden-Hannover. Das Fleisch ist als SB-Produkt zunächst in Filialen von Kaiser´s, Reichelt und EDEKA in der Region Berlin und Brandenburg erhältlich. Anfang Februar folgt die Coop eG Kiel und bietet als erster Lebensmitteleinzelhändler in Deutschland entsprechendes Fleisch an der Bedienungstheke an. Zum Start wird das in Deutschland nur von VION gelieferte Schweinefleisch der Einstiegsstufe in mehr als 230 Märkten angeboten.

Seit zwei Jahren hat VION das Tierschutzlabel-Projekt des Deutschen Tierschutzbund begleitet und mitentwickelt. Dr. Heinz Schweer, Landwirtschaftlicher Direktor von VION und Mitglied im Labelrat des Deutschen Tierschutzbundes, setzt sich seit vielen Jahren für mehr Tierschutz in der landwirtschaftlichen Erzeugung ein. „Wir haben gute engagierte Landwirte ausgesucht, die ihre Ställe für tiergerechtere Bedingungen neu strukturiert haben“, sagt Dr. Schweer. „Unsere Schweine haben nun mindestens ein Drittel mehr Platz im Stall und damit mehr Bewegungsfläche zur Verfügung, klare strukturierte Buchten mit Fress-, Liege- und Aktivitätsbereichen sowie zusätzliches Beschäftigungsmaterial mit Stroh.“ Die Kriterien für die Zertifizierung sehen den Verzicht auf vorbeugenden Antibiotikaeinsatz vor. Erkrankt ein Tier, darf es nur nach Einzeldiagnose eines Tierarztes mit Medikamenten behandelt werden. Der Einsatz von Reserveantibiotika für die Humanmedizin (Cephalosporine der 3. und 4. Generation, Fluorchinolone) ist verboten.

Weiterhin ist eine regionale Erzeugung und Verarbeitung Pflicht im Programm des Tierschutzlabels. Die zulässigen Entfernungen zwischen Erzeugern und Schlachtbetrieb sind auf maximal 200 Kilometer begrenzt. Durch die regionale Struktur von VION in Deutschland werden bisher schon die gesetzlich vorgeschriebenen Transportzeiten von acht Stunden weit unterschritten. Selbst die zulässige Transportdauer von vier Stunden im Tierschutzprogramm schöpft VION nicht aus. Das bedeutet weniger Stress für die Tiere.

VION-Geschäftsführer Norbert Barfuß sieht sein Unternehmen in Deutschland als „Motor einer Entwicklung für mehr Tierschutz“. Das Unternehmen hat eine hohe sechsstellige Summe investiert, um dem Wunsch der Verbraucher nach mehr Tierschutz in der Mast gerecht zu werden. „Wir haben unsere Landwirte für die Testphase sorgfältig ausgewählt“, sagt Barfuß. Der Konzern wird im ersten Jahr Fleisch von 40 000 Schweinen nach den Tierschutzkriterien liefern. Barfuß: „Wenn Handel und Verbraucher mehr Fleisch wünschen, das unter höheren Tierschutzstandards produziert wurde, können wir kurzfristig auch mehr liefern.“ Der VION-Chef hält mittelfristig einen Marktanteil von 20 Prozent Tierschutzfleisch in Deutschland für möglich.

Das Unternehmen VION unterstreicht sein Engagement für mehr Tierschutz zusätzlich durch den Start einer Informationsplattform im Internet. Verbraucher, Handel und Landwirte können sich ab sofort über das neue Tierschutz-Programm auf der neuen VION-Website www.aktivertierschutz.com informieren. Landwirte und Handelspartner werden vorgestellt, Wissenschaftler kommen zu Wort, Dr. Schweer antwortet auf Fragen von Verbrauchern und Landwirten. Auch in den Social Networks Facebook und Twitter ist der aktive Tierschutz von VION als Informationsquelle präsent. Dr. Heinz Schweer: „Im Internet wollen wir nicht nur informieren, sondern auch zeigen, dass wir in der Tierhaltung nichts zu verbergen haben. Wir schaffen damit ein hohes Maß an Transparenz.“

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