Branche -

Nach Brandkatastrophe den Neuanfang gewagt

An Weihnachten 2016 denkt Cornelia Schmid ungerne zurück. Kurz vor den Feiertagen verursachte ein Kurzschluss in einem Schaltschrank einen Brand in den Produktionsräumen der Metzgerei in Neu-Ulm. Dass das Feuer nicht auf das gesamte Gebäude übergriff, war für den Familienbetrieb noch das Glück im Unglück. Zur Zeit der Katastrophe am frühen Abend war der Verkaufsraum noch besetzt, so dass der Brand schon nach kurzer Zeit bemerkt wurde. Nach wenigen Minuten traf die Feuerwehr ein und verhinderte das Schlimmste.

Doch sämtliche Lebensmittel in den Kühlräumen waren durch das Feuer nicht mehr für den Verzehr geeignet. Über 2 t Fleisch und Wurstwaren im Wert von rund 30.000 Euro musste die Metzgerei wegschmeißen – und das eine Woche vor den Weihnachtsfeiertagen. „Unter größten Anstrengungen und dank vorbildlicher Unterstützung unserer Kollegen konnten wir dennoch zumindest den Verkauf nach nur einem Schließtag wieder öffnen und somit das Weihnachtsgeschäft bewerkstelligen“, erzählt Cornelia Schmid dankbar.

Als schwerwiegendstes Problem stellte sich der Brandschaden in den Produktionsräumen heraus. Ein Gutachter kam zu dem Ergebnis, dass alle Räume komplett entkernt und bis auf die Grundmauern saniert werden müssen. Auch das Dach musste wegen eines schon älteren, bislang unentdeckten Sturmschadens erneuert werden. Der Familienbetrieb stand vor der Entscheidung, sich nach einem neuen Standort für die Produktion umzusehen oder den mühsamen Weg der Komplettsanierung auf sich zu nehmen.

Aufgrund der tiefen Verbundenheit zum Neu-Ulmer Ortsteil Pfuhl – seit 1919 ist die Metzgerei im Ort ansässig – entschied sich Cornelia Schmid mit ihrer Familie für den Neuaufbau am alten Standort. „Wir konnten während der über einjährigen Planungs- und Sanierungszeit nicht selber produzieren und waren auf die Unterstützung unserer Kollegen angewiesen“, sagt Cornelia Schmid. Zwei Metzgereien in der Nähe erklärten sich sofort bereit, die Familie Schmid mit Wurst und Fleisch zu beliefern, bis sie selbst wieder die Produktion aufnehmen konnten. Auch für die Kunden war es eine Zeit der Entbehrung. Sie mussten auf die nach eigenen Rezepturen hergestellten Wurstwaren verzichten. „Trotzdem haben sie uns die Treue gehalten“, freut sich die Metzgermeisterin.

Der Betrieb nutzte die Sanierungsphase, um die Produktionsräume auf den neuesten energetischen und technischen Stand zu bringen. Die Arbeitsabläufe wurden neu strukturiert, neue Koch- und Kesselanlagen installiert und eine Räucheranlage mit Buchenrauch angeschafft. Nur mit Hilfe von Krediten konnte die Familie Schmid die finanzielle Belastung von rund 750.000 Euro stemmen. „Leider ist die Versicherung nur sehr zögerlich in die Gänge gekommen. Bislang wurden uns etwa 60 Prozent der Schäden erstattet“, bedauert Schmid. Doch die Familie hat es geschafft: Inzwischen wird in der Metzgerei wieder nach den Rezepten aus Großvaters Zeiten produziert.

© fleischerei.de 2021 - Alle Rechte vorbehalten