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„Lass uns die Welt ernähren!“

„Let us feed the world” (Lass uns die Welt ernähren) – diese, in schwungvoller Schrift geschriebene Aufforderung hinterlässt Ertharin Cousin, US-amerikanische Juristin und Diplomatin, im Gästebuch auf dem Sonnenhof in Wolpertshausen. Die international anerkannte Expertin im Bereich Ernährung und Landwirtschaft besucht auf Einladung von Harald Ebner, Bundestagsabgeordneter von Bündnis 90/Die Grünen Hohenlohe und mit ihm die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall.

Für Rudolf Bühler, Gründer des ökologischen Anbauverbands Ecoland, eine perfekte Gelegenheit, die Projektarbeit vorzustellen. Unter dem Motto „Seeds of hope“ – der Name ist Programm - hat der Gründer und Vorstand der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft zahlreiche Gewürzprojekte in Indien, Serbien und Sansibar initiiert. Rund 20 000 Kleinbauern bauen exklusiv für Ecoland die jeweils heimischen Gewürze in bestmöglicher Qualität ökologisch an.

Fernab der großen Industriewerden gewinnen die Kooperativen ihre hocharomatischen Kräuter und Gewürze. Naturbelassen werden Pfeffer, Kardamom, Nelken & Co. ohne Zwischenhandel direkt nach Deutschland in die Gewürzmanufaktur in Wolpertshausen transportiert. Dort werden sie gemahlen, abgefüllt oder zu Würzmischungen für die Bäuerlichen Spezialitäten gemischt – „from field to fork“ (vom Acker auf den Teller), fügt Rudolf Bühler an.

Die Anbauer erhalten für ihre hochwertigen Produkte Preise, die weit über dem Weltmarkt liegen. „Wir schaffen Zugang zum Markt“, erklärt Bühler dem prominenten Gast, „das sichert den Bauern ein gutes Auskommen.“ Ertharin Cousin will es genau wissen und fragt nach: „Wie funktioniert die Zertifizierung der Bio-Gewürze?“ Bekanntlich ist diese teuer und damit eine hohe Hürde für die Kleinbauern im Süden. „Deshalb haben wir ein Joint Venture mit Lacon, die vor Ort die Gewürze kontrollieren und zertifizieren“, präzisiert der Demeter-Landwirt. Die Diplomatin, die zwei Jahre unter Präsident Barack Obama US-Botschafterin bei den für Ernährung und Landwirtschaft zuständigen UN-Organisationen in Rom war, nickt zustimmend.

Fünf Jahre lang war Ertharin Cousin als zwölfte Exekutivdirektorin des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen tätig. So liegt es nahe, dass sie sich besonders für die Aktivitäten der vor fünf Jahren gegründeten Akademie für ökologische Land- und Ernährungswirtschaft Schloss Kirchberg interessiert. Rudolf Bühler, der 2013 die die Trägerin, die Stiftung Haus der Bauern ins Leben gerufen hat, berichtet von den Kongressen, die alljährlich hier stattfinden – die Öko-Marketingtage beispielsweise, oder das World Organic Forum. Diese Tagung im März dieses Jahres stand unter der Fragestellung, wie sich ländliche Regionen auf den Weg zur lokalen Umsetzung der UN-Nachhaltigkeitsziele machen. „Wir haben ein lokales Netzwerk gegründet“, berichtet Bühler. „Das gefällt mir“, betont die Diplomatin, „das ist es: den Dingen wirklich auf den Grund gehen.“

Bei der kurzen Visite im Regionalmarkt Hohenlohe kommt die Besucherin ins Schwärmen. Besonders der Eichelmastschinken der Schwäbisch-Hällischen Schweine hat es ihr angetan: „Davon muss ich probieren!“ Dann muss Harald Ebner zum Aufbruch mahnen. Der Zug, der die Diplomatin zur nächsten Station in Stuttgart bringt, wartet nicht. (3200 Zeichen) BESH

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