Editorial -

Kritik an Billigfleisch

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Vor wenigen Wochen löste der Preis von 1,99 Euro für 600 g mariniertes Nackensteak bei Aldi Süd breite Empörung unter Verbrauchern aus. Auf Facebook postete Dominik Boisen, was er von diesem Schnäppchenangebot hält: „Das ist einfach nur billigster Dreck, für dessen Produktion alles und jeder bis zum Anschlag ausgebeutet wurde – am meisten die, die sich am wenigsten wehren können: die Tiere.“ Diese Meinung ist im Kern nachvollziehbar und durchaus zutreffend, sie gründet sich aber keineswegs auf eine neue Erkenntnis. Denn schon seit Jahren kritisieren unter anderem Verbraucher- und Tierschützer, Bauern- und Fleischerverbände die Billigpreispolitik der Massenanbieter von Fleischwaren, die zu Lasten der Tiere geht.

Umso mehr überrascht die große Resonanz, die diese Botschaft nun auf einmal in den sozialen Medien ausgelöst hat. In kürzester Zeit beteiligten sich mehrere zehntausend Verbraucher an der Diskussion und stimmten der Kritik an Aldi & Co. zu. Dabei muss allen doch schon lange klar gewesen sein, dass bessere Haltungsbedingungen für Schweine, Rinder und Geflügel mit Dumpingpreisen nicht finanzierbar sind.

Aus dem BMEL-Ernährungsreport 2016 geht hervor, dass neun von zehn Verbrauchern es für notwendig halten, „dass der artgerechten Haltung von Nutztieren größere Beachtung geschenkt wird. … Fast alle Befragten wären bereit, mehr zu zahlen, wenn Tiere dafür besser gehalten würden.“ Solche Um­frageergebnisse erweisen sich leider immer wieder als reine Lippenbekenntnisse, denn nach wie vor greift die Masse der Verbraucher regelmäßig zu Fleischwaren vom Billiganbieter statt zu höherpreisigen Erzeugnissen vom Metzger, der sein Fleisch aus artgerechter Haltung bezieht.

Offenbar ist mehr Tierwohl ohne eine entsprechende gesetzliche Verpflichtung nicht erreichbar. Dass letztlich der Verbraucher die Kosten dafür tragen muss, ist nicht zu vermeiden und auch völlig in Ordnung. Billigangebote auf Kosten der Tiere rechnen sich dann jedenfalls nicht mehr.

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