Verkauf -

Keine Angst vor Fett

Während ein Kunde beim Lesen einer Packungsaufschrift jedoch auf sich gestellt ist, fragt er beim Fleischer nach. Er erwartet Antworten auf seine Fragen. Er sucht nach Orientierung. Das ist für Fachgeschäfte die Chance für Kundenbindung und Mehrumsatz durch Ernährungsberatung. Denn die bedeutet mehr als das Vorlesen von Zahlen. Wer im Verkaufsalltag mit Nährwerten auftrumpft, muss über Ernährungswissen verfügen. Wie viel Energie und Fett enthält eine gesunde Ernährung? Auf welche Mahlzeiten sollte es sich wie verteilen? Und wie viel Eiweiß braucht ein Erwachsener pro Tag? Allein mit der Auskunft, dass die auf einer Waage liegenden vier Scheiben Kochschinken 100 Gramm wiegen und vier Gramm Fett enthalten, können die wenigsten Kunden etwas anfangen. Die Erklärung muss folgen. „Damit enthält jede Scheibe nur ein Gramm Fett. Das ist sehr wenig, gemessen an den rund 60 Gramm, die ein Erwachsener täglich essen darf. Und das Gute: Der Schinken schmeckt sehr saftig und aromatisch.“ Vergleiche und Interpretationen lassen sich an der Fleischtheke ebenfalls anstellen. So könnte Ihre Bemerkung beim Abwiegen von 150 Gramm Schweinelende lauten: „Diese Portion Lende enthält nur drei Gramm Fett und 160 Kalorien. Wenn Sie sie in wenig Öl rosa braten, bleibt sie saftig und kalorienarm. Außerdem decken Sie Ihren gesamten Tagesbedarf an Vitamin B1. Dieses Vitamin ist wichtig für die Konzentration und Kondition.“ Wertungen, die keine Verpackung im Supermarkt vornimmt und keine Waage in dieser Form präsentiert. Wichtig: Die Kunden können gleich Fragen zu Ihrer Aussage stellen. Nochmals sei erwähnt, dass diese Form der Beratung nur erfolgreich sein kann, wenn das Verkaufspersonal über fundiertes Wissen verfügt.

Magere Kalorienbombe

Da gibt es Kunden, die lange über das Fett im Schweinefleisch diskutieren und sich wegen des leicht geringeren Wertes schließlich für Putenbrust entscheiden, um diese zu Hause genüsslich in einer cremigen Sahnesoße zu ertränken. Andere verwandeln eine magere Roulade mittels Speck in eine deftige Spezialität. Aus einem Schnitzel lässt sich durch Panieren bequem eine Kalorienbombe zaubern. Während das Fleisch je nach Größe drei bis vier Gramm Fett enthält, werden 35 bis 40 Gramm Bratfett benötigt, um die Panade goldbraun zu braten. Vielen Kunden ist gar nicht bewusst, wie sich der Fett- und Kaloriengehalt mit der Zubereitung verändern lässt. Kein schriftliches Rezept ersetzt die persönlichen Zubereitungstipps einer erfahrenen Verkäuferin. Nur sie weiß, wie lange das gewählte Fleisch ungefähr braten soll, wie es saftig bleibt und wie die Soße am besten gelingt. Im Verkaufsgespräch erfährt sie, welche Speise der Kunde kochen möchte und über welche Kochkompetenz er verfügt. Dieses Wissen integriert sie in die Beratung. Genau wie die Informationen über Fett, Kalorien und Eiweiß sollten auch die Zubereitungstipps selbstverständlich gegeben werden. Nur ein kleiner Hinweis wie „Wenn Sie das Schnitzel erst nach dem Braten salzen, bleibt es saftig“, reicht aus, um das Interesse der Kunden zu wecken. Wer mehr wissen will, fragt nun nach. Die Beratung über eine fettarme Zubereitung ist facettenreich. Bildhafte Schilderungen und Vergleiche erleichtern Kunden das Verständnis. Tipps zur Kombination von Fleisch, Gemüse und Beilagen komplettieren das Bild von der gesunden Mahlzeit.

Cholesterin ist kein Fett

Man sieht ihn nicht und schmeckt ihn nicht, den fettähnlichen Stoff Cholesterin, der in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Besonders reichlich davon enthalten Innereien. Eigelb und Butter sind weitere bedeutende Lieferanten. Auch der menschliche Organismus enthält Cholesterin. Dies stammt aus der Nahrung und der Eigensynthese. Letztere ist die mengenmäßig wichtigste Quelle für den Menschen. Ein hoher Cholesterinspiegel im Blut fördert die Entstehung einer Arteriosklerose. Ob mit normalem oder erhöhtem Blutcholesterin, die Nahrung sollte täglich höchstens 300 Milligramm Cholesterin enthalten. Nach der aktuellen Nationalen Verzehrsstudie II unterschreiten Frauen den Richtwert um durchschnittlich 46 Milligramm, Männer hingegen überschreiten die Empfehlung um 52 Milligramm. Für Männer stellen Fleisch und Wurst die Hauptquellen dar. Rund 20 Prozent des Cholesterins stammt aus den Lebensmitteln. Eier belegen den zweiten Platz. Bei den Frauen verhält sich die Reihenfolge umgekehrt und auf etwas niedrigerem Niveau. Verzehrsempfehlungen für Fleisch und Wurst lassen sich aus diesen Daten nicht ableiten.

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