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Keine Angst vor Fett

Mageres Fleisch, Schinken ohne Fettrand und Wurst mit wenig Fett liegen im Trend. Ernährungsbewusste Kunden wissen, mit dem Fett steigt der Energiegehalt und damit das Risiko, Figur und Gesundheit zu ruinieren. Doch um das Fett ranken sich viele Irrtümer. So überschätzen Kunden die Mengen in unverpackter Ware oft erheblich.

E Rund drei Viertel aller Kunden treffen ihre Kaufentscheidung primär mit den Augen. Sichtbares Fett werten sie dabei als Makel. Sie bitten das Verkaufspersonal, den Fettrand vom Braten oder die Haut von den Hähnchenschenkeln zu entfernen. Rindfleisch erweckt aufgrund seiner roten Farbe eher den Eindruck eines mageren Fleisches als das hellere Schweinefleisch. Ein Nährwertvergleich unter den mageren Teilstücken ergibt das Gegenteil.

Weniger kleinlich geben sich fettbewusste Kunden beim Kauf von mariniertem Grillgut der reichhaltigeren Kategorie und bei pfannenfertig panierten Fleischstücken. Unsichtbares Fett scheint weniger bedrohlich zu sein. Aus der Wursttheke favorisieren Fettbewusste Schinken, Sülzen und Geflügelprodukte. Letztere gelten als besonders mager. Rosige Brühwurst halten Kunden meist für fettärmer als blassere Wurstwaren. Auch hier zeigt sich, dass die Einteilung in magere und fettere Produkte nur teilweise mit dem Auge erfolgen kann. Unter ernährungsphysiologischen Aspekten ist eine fettarme Auswahl zwar grundsätzlich positiv zu bewerten, doch ist in einer ausgewogenen Mischkost jede Hysterie angesichts mittelfetter Produkte übertrieben.

Fachwissen optimieren

Der Fettgehalt von Wurst ist für Kunden im Fachgeschäft eine große Unbekannte. Klare Vorteile bietet da der Einkauf von SB-Ware im Supermarkt: Neben der Zutatenliste trägt fast jede Packung eine Nährstoffanalyse. Transparenz, die sich auszahlt: Viele Kunden glauben allein aufgrund dieser Angaben, verpackte Wurst sei fettärmer als lose Ware vom Fleischer. Weitere Kaufgründe sind ein kontinuierlich wachsendes Sortiment und längere Haltbarkeit. Diese Vorteile industrieller Produkte gilt es an der Bedientheke mehr als auszugleichen: Sie müssen sie toppen, und zwar mündlich. Mit jedem Stück Fleisch, mit jeder Scheibe Wurst, die Kunden kaufen, bezahlen sie auch das Gehalt des Verkaufspersonals mit. Dafür können sie mehr erwarten, als das Abwiegen der Ware. So muss es selbstverständlich werden, dass das Verkaufspersonal die Kunden über den Fettgehalt der Wurstwaren informiert – auch dann, wenn diese nicht danach fragen. Ein Service, der Fachwissen erfordert und möglichst auf Analysen der eigenen Produkte basieren sollte. Diese enthalten oft mehr Magerfleisch und unterschreiten so die in handelsüblichen Nährwerttabellen angegebenen Fettwerte erheblich. Aus der Rezeptur resultiert neben günstigeren ernährungsphysiologischen Eigenschaften ein höherer Verkaufspreis. All das wissen Kunden nicht. Im schlimmsten Fall stehen sie vor der Theke, erfahren nichts über das Produkt, für das sie mehr bezahlen sollen als im Supermarkt. Kassieren sie obendrein eine unfreundliche Antwort, wenn sie diesen Punkt ansprechen, werden sie zukünftig woanders einkaufen. Je detaillierter die Verpackungen der Industrieware informieren, desto aktiver, qualifizierter, individueller und facettenreicher muss das Verkaufspersonal im Fachgeschäft die Kunden beraten.

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