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Gepanschte Wurst mit DLG-Silbermedaille ausgezeichnet

Die Sendung Frontal 21 am Dienstagabend, 10. April 2108, im ZDF hat hohe Wellen geschlagen: Die Redaktion hat eine Brühwurst aus Separatorenfleisch, Wasser, Proteinen und Blutplasma herstellen lassen und das Produkt zur Qualitätsprüfung Schinken und Wurst der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG) eingereicht. Das erschreckende Ergebnis: Die Wurst wurde von der DLG mit einer Silbermedaille prämiert.

„Das ist ein Schlag ins Gesicht eines jeden Handwerkers“, sagt Franz Josef Voll, der Metzgermeister, der die Wurst im Auftrag von Frontal 21 und mit großem Widerwillen hergestellt hat. Zu diesem Zweck hat er 46 % Separatorenfleisch von Geflügel, 27 % Wasser sowie 18 % Fleisch und Speck verarbeitet. Der Rest seien Gewürze, wasserbindende Proteine und Blutplasma gewesen. Das verwendete Material hat 59 Cent pro Kilogramm gekostet, das Endprodukt ließe sich für rund 7 Euro im Handel verkaufen – ein offenbar lukratives Geschäft.

Ob diese Methode in der Fleischindustrie System hat, sei dahingestellt, diese Angst wollte die wie immer etwas reißerische ZDF-Sendung jedenfalls schüren. Tatsache ist, dass Separatorenfleisch hierzulande verarbeitet werden darf, seit der BSE-Krise allerdings nicht vom Rind, dass es jedoch gekennzeichnet werden muss. Zudem gilt Separatorenfleisch nicht als Fleisch und darf auch nicht so bezeichnet werden. Wieviel Separatorenfleisch aktuell in Deutschland hergestellt und verarbeitet wird, konnte Frontal 21 nicht ermitteln.

Schockierend ist dagegen, dass die Brühwurst mit einer minderen Qualität auf Ekelniveau mit einer DLG-Medaille in Silber prämiert worden ist. Bisher galt die DLG-Wurstprüfung immer als strenge Qualitätskontrolle und das DLG-Siegel, egal ob in Gold, Silber oder Bronze, auch beim Verbraucher als besondere Auszeichnung für ein hochwertiges Produkt. Letzterer kann sich darauf nun nicht mehr verlassen, das scheint klar. Sämtliche DLG-Prämierungen sind von heute auf morgen unglaubwürdig geworden und für die bisherigen Preisträger macht es wohl nun keinen Sinn mehr, ihre Produkte mit DLG-Medaillen zu bewerben. Vielleicht schaden sie sich damit sogar.

In ihrer Stellungnahme zur Frontal 21-Sendung weist die DLG auf ihrer website unter anderem lediglich auf Mängel bei den verfügbaren Analysemethoden hin:

„Die existierenden Analysemethoden zum Nachweis von Separatorenfleisch, zugesetzten hydrolisierten Proteinen sowie Blutplasma in Fleischerzeugnissen müssen weiterentwickelt werden, da ein sicherer Nachweis der genannten Stoffe bislang nicht zweifelsfrei möglich ist. Die DLG unterstützt in ihren Fachgremien diese wichtige Forschungsarbeit.“

Und ganz allgemein zur sensorischen Qualitätsprüfung stellt die DLG in ihrem Statement fest:

„Die lebensmittelsensorische Analyse ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der objektiven Bewertung von Lebensmitteln durch die geschulten menschlichen Sinnesorgane beschäftigt. Sie wird u.a. in der Qualitätssicherung sowie der Forschung und bei Kontrollen durch amtliche Behörden (z.B. Lebensmittelkontrolle) eingesetzt. Sensorische Analysen, wie sie die geschulten Experten der DLG durchführen, sind generell geeignet, um die Produktqualität von Lebensmitteln auf Basis wissenschaftlicher Standards zu beurteilen. Sensorische Prüfungen können auch Rückschlüsse auf die Qualität von verwendeten Rohstoffen und den Produktionsprozess zulassen.“

Angesichts des eigenen Anspruchs, den die DLG an ihre Qualitätsprüfungen stellt, und mit Blick auf die hohe Bedeutung der DLG-Prämierungen im Markt können diese Aussagen nicht zufriedenstellen. So lässt sich verloren gegangenes Vertrauen wohl nicht wieder zurückgewinnen.

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