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Geboren, erschlagen, entsorgt

Am 14. Juli 2014 wurde die Reportage „Deutschlands Ferkelfabriken“ ausgestrahlt. Wer die ARD-Sendung gesehen hat, ist geschockt, erschüttert und erbost über die ungeheuerlichen Praktiken im Umgang mit Ferkeln in industriellen Zuchtbetrieben, die offenbar zum Arbeitsalltag in diesen Großbetrieben gehören. Nicht nur nicht überlebensfähige Ferkel, sondern auch diejenigen, die überzählig sind, weil die Anzahl der Zitzen der Muttersau nicht für alle ausreicht, werden aussortiert, auf brutalste Weise erschlagen und teilweise noch lebend wie Müll entsorgt. Dass hier in gravierender Weise täglich gegen das Tierschutzgesetz verstoßen wird und dass das strafrechtliche Folgen haben muss, ist klar – eine Feststellung, die angesichts des Leids der Tiere aber zur Nebensache wird. Betroffen macht vielmehr das Ausmaß der moralischen Verwerflichkeit, das die Fernsehbilder dokumentieren. Verständlich, wenn Konsumenten daraufhin ihre Einstellung zum Fleischverzehr grundsätzlich überdenken.

Es gibt keinen Grund, mit dem sich die Betreiber der „Ferkelfabriken“ und ihre Erfüllungsgehilfen rechtfertigen oder gar entschuldigen könnten. Die bestehenden wirtschaftlichen Zwänge wie der zunehmende Kostendruck oder auch die niedrigen Marktpreise für Ferkel und Schweinefleisch sind allenfalls eine Erklärung für die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Drohende Sanktionen schrecken offenbar nicht ab, sie werden vielmehr bewusst in Kauf genommen, um auf Kosten der Tiere den eigenen Gewinn zu maximieren.

Folgen der Tierqual

Die Skrupellosigkeit der Verantwortlichen in den industriellen Zuchtbetrieben wirft ein schlechtes Licht auf andere Züchter, die in regionalen Kreisläufen eingebunden und sich ihrer Verantwortung für das Wohl der Tiere bewusst sind. Davon betroffen ist auch das Fleischerhandwerk, als Kunde von Zuchtbetrieben und als Schnittstelle zum Verbraucher. Fleischereien müssen sich daher von den tierverachtenden Praktiken industrieller Fleischerzeugung deutlich distanzieren, so wie vier Fleischermeister in einem Leserbrief unter anderem an Die Fleischerei (siehe S. 7). Gemeinsam mit Züchtern, die Schweine und Rinder tiergerecht halten, muss gegenüber den Verbrauchern glaubwürdig kommuniziert werden, dass es Unterschiede gibt zwischen einer rein profitorientierten Ferkelproduktion und einer Zucht unter artgerechten Bedingungen, die natürlich die Höhe der Preise beeinflussen. Den Verbrauchern muss daher auch klargemacht werden, dass sie bereit sein müssen, für mehr Tierschutz auch mehr für Fleischwaren zu bezahlen.

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