Branche -

Flönzpokal und Weltrekord

Einen Doppelsieg konnte Elmar Diedrich aus Leichlingen auf der Anuga 2007 feiern: Sowohl in der Kategorie „einfache Blutwurst“ als auch bei der Spitzenqualität errang er den begehrten Flönzpokal der Innung Köln. Dass er ihn nicht während der Feierstunde in Empfang nehmen konnte, lag am Dauerstau rund um das Messegelände. Der Gewinner in der Kategorie „mittlere Qualität“, Herbert Müller aus Bielstein, stand daher allein auf dem Siegerpodest. Mitten im Messetrubel der Anuga hatte die Innung am Vortag über 250 eingereichte Proben durch fachkundige Juroren sensorisch prüfen lassen. Obermeister Hans-Josef Winterscheid zeigte sich begeistert über den hohen Qualitätsstandard, der dabei auf den Tischen zu beurteilen war. „Schließlich liegt eine der Keimzellen der Anuga in den Wettbewerben des Fleischerhandwerks“, wies er auf die Tradition an diesem Ort hin. Über Jahre war das Fleischerhandwerk eine tragende Säule der Messe. Und auch diesmal war die Aufmerksamkeit des Publikums und der Medien den Fleischern sicher.

Der Sieger der beiden letzten Jahre in der Kategorie „einfache Qualität“ glänzte dabei mit einem besonderen Coup. Zweimal hat er bereits in Folge den Flönzpokal gewonnen. In diesem Jahr gelang Fleischermeister Adolf Fuchs ein anderes Meisterstück: Die größte Blutwurst der Welt. Sie bringt 299,5 kg auf die Waage, ist 164 cm lang und hat einen Durchmesser von 54 cm. Besonders schwierig beim Herstellen der Wurst war für Fuchs das Handling der Hülle. Dabei gab ein eigens konstruierter Metallzylinder der aufrecht stehenden Wurst Stabilität, während Fuchs die Hülle mit einer riesigen Suppenkelle befüllte. Zuvor hatte er die Masse in normale Wursthüllen vorgefüllt, um die Durchmischung besser beherrschen zu können. Die Zutatenmenge sprengte ebenfalls die Maßstäbe seiner kleinen handwerklichen Wurstküche, die eine Woche lang durch den Rekordversuch fast völlig in Anspruch genommen wurde. 120 kg Schweinefleisch und Schwarten, fein gewolft, dazu 70 l Blut, 35 kg Würfelspeck, 85 kg grobe Fleischeinlage, 20 kg Zwiebeln, 10 l Fleischbrühe sowie 5 kg Gewürze und Salz wurden zur Rekordwurst.

Der Bruder des Fleischermeisters, ein gelernter Schreiner, entwarf und konstruierte einen Rollwagen, der den schonenden Transport des 1,63-m-Kolosses ermöglichte. Nach dem Füllen ging es zunächst in den Betrieb von Obermeister Hans-Josef Winterscheid am Schlachthof, um die Wurst schonend im Kühlhaus durchzukühlen. Nach drei Tagen wurde die fertige Rekordwurst in der Kühltheke präsentiert und Scheibe für Scheibe am Rande des Flönzwettbewerbs verkostet. Rainer Heck

© fleischerei.de 2020 - Alle Rechte vorbehalten