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Ebermast ohne Risiko

Bio-Kunden sind bekanntlich für Tierschutzbelange besonders sensibel. Dass Ökofleisch aus artgerechter Haltung stammt, ist für sie ein zentrales Kaufargument. Was viele nicht wissen: Männliche Bio-Ferkel werden – ebenso wie ihre konventionell gehaltenen Artgenossen – in der Regel kastriert. Bisher setzen hierzulande nur wenige Bio-Schweinemäster auf die Ebermast, die in England und Spanien eine lange Tradition hat und früher auch in Deutschland gang und gäbe war.

Ebermast ohne Risiko
Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖLN) ist Mitte 2012 ein dreijähriges Folgeprojekt zur Ebermast angelaufen, mit dem Ziel, Geruchsauffälligkeit bei Eberfleisch zu reduzieren. -

Dabei können bestimmte Produktionsbedingungen, wie etwa eine getrennt geschlechtliche Haltung der Tiere oder spezifische Fütterungsstrategien, die Bildung von geruchsbelastetem Fleisch reduzieren. Auch auf eine erfolgreiche Eberfleisch-Vermarktung können Bio-Erzeuger und Bio-Fleischverarbeiter hoffen, denn für die meisten Bio-Kunden ist die Ebermast eine gute Option für den Ökolandbau. Dies hat eine aktuelle Befragung der Universität Kassel bestätigt, die im Rahmen des Bundesprogramm Ökologischer Landbau und anderer Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) durchgeführt wurde. Die meisten Bio-Konsumenten stuften die Ebermast als artgerechte und für den ökologischen Landbau besonders geeignete Haltungsform ein, im Gegensatz zur Immunokastration.

Neben Tierschutzaspekten waren folgende Parameter für die Verbraucher ausschlaggebend: gesundheitliche Unbedenklichkeit, Lebensmittelsicherheit, Geschmack und Kosten. Und auch bei den Tierschutzverbänden hat sich ein ähnliches Meinungsbild herauskristallisiert: Fünf von insgesamt sechs befragten deutschen Organisationen haben sich für die Ebermast ausgesprochen.

Im Rahmen des BÖLN ist deshalb Mitte 2012 ein dreijähriges Folgeprojekt zur Ebermast angelaufen. Ziel ist die Reduzierung von geruchsauffälligen Ebern. Dazu werden auf der Landwirtschaftsstufe zwei unterschiedliche genetische Herkünfte, drei Fütterungsstrategien und zwei Haltungsvarianten getestet. Ergänzend werden Mitarbeiter von Schlachtbetrieben darin geschult, geruchsauffällige Eberschlachtkörper zu erkennen. Auf der Verarbeitungsstufe geht es schließlich darum, Rezepturen für wohlschmeckende Fleisch- und Wurstwaren zu entwickeln. An diesem interdisziplinären Vorhaben sind die Universität Göttingen, der öko-zertifizierte vTI-Versuchsbetrieb in Trenthorst und die Hochschule Anhalt beteiligt. Der Forschungsverbund wird durch die Universität Gießen koordiniert.

Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung

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