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DFV-Verbandstag 2021: Die Branche ist gefordert

Am 3. und 4. Oktober 2021 fand der 131. Deutsche Fleischer-Verbandstag in Sinsheim erfreulicherweise wieder als Präsenzveranstaltung statt. Diesmal waren die Delegierten turnusgemäß unter anderem aufgerufen, den Präsidenten, das Präsidium und den Gesamtvorstand ihres Verbandes zu wählen. In der Dr.-Sieber-Halle Sinsheim standen aber auch der Rückblick auf das Corona-geprägte vergangene Jahr und ein Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen für das Fleischerhandwerk auf dem Programm. Begrüßt wurden die Teilnehmer und Delegierten des Verbandstages von Rüdiger Pyck, Obermeister der Fleischerinnung Rhein-Neckar.

DFV-Verbandstag 2021: Die Branche ist gefordert
Auf dem 131. Verbandstag in Sinsheim am 3. und 4. Oktober 2021 standen die Wahlen des Präsidenten, des Präsidiums und des Gesamtvorstands auf dem Programm. -

Letztere ergeben sich zum Einen aus den Ergebnissen der Bundestagswahl beziehungsweise der Zusammensetzung der neuen Bundesregierung und dem mit Spannung erwarteten Koalitionsvertrag sowie zum Zweiten aus den mehr oder weniger absehbaren Veränderungen des Marktes und der Rahmenbedingungen, die sich teilweise erheblich auf die fleischerhandwerklichen Betriebe auswirken werden.

Unabhängig davon, wie die neue Bundesregierung die drängenden Probleme unserer Zeit wie Sanierung der Staatsfinanzen nach Corona, Klimawandel, Energiewende und globale Krisen angehen wird, muss sich das Fleischerhandwerk auf allen politischen Ebenen Gehör schaffen und seine existenziellen Interessen mit Nachdruck vertreten. „Wir erwarten keine Schutzräume und keine Geschenke. Wir wollen aber faire und gerechte Rahmenbedingungen“, sagte DFV-Präsident Herbert Dohrmann in seiner Eröffnungsrede zum Verbandstag. So seien zum Beispiel die staatlichen Staffelgebühren für die Fleischuntersuchung zu hoch für das Handwerk gegenüber industriellen Schlachtbetrieben, die „nicht einmal ein Zehntel dessen bezahlen, was ein handwerklicher Fleischer in seinem Betrieb bezahlen muss.“ Entsprechendes gelte auch in anderen Bereichen: „Auflagen zur Kennzeichnung oder Vorschriften zur Rückverfolgbarkeit, Kassensicherungsverordnung oder Registrierungsbürokratie rund um die Verpackungsverordnung – immer wieder werden kleine Unternehmen im Verhältnis stärker belastet als große“, stellte Dohrmann fest.

Zusammenhalt stärkt die Branche

Andererseits konnten aber auch gute Kontakte in Politik und Verwaltung genutzt werden, um Positives für das Handwerk zu erreichen. Als Beispiele nannte der DFV-Präsident die Umsatzsteuersenkung auch für Umsätze im Fleischerimbiss und für Leistungen im Partyservice sowie die konkrete Ausgestaltung der Handwerksabgrenzung im Arbeitsschutzkontrollgesetz. Das zeige, wie wichtig ein funktionierender Verband sei, denn „wir werden politisch nur wahrgenommen, wenn wir absolut geschlossen auftreten … und nach außen mit einer Stimme sprechen“, so Dohrmann. Dazu gehöre auch Zusammenhalt in der Branche, der keine Utopie sei, sondern „an wichtigen Stellen Realität ist“, etwa mit Blick auf die verheerende Flutkatastrophe, von der auch Fleischereien zum Teil erheblich betroffen waren: „Es ist einfach klasse, was die Kollegen vor Ort an Hilfe und Unterstützung in kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben. Wir haben das durch eine Spendenaktion begleitet. Mehrere hunderttausend Euro wurden von Kollegen und Unterstützern aus ganz Deutschland auf unser Hilfskonto eingezahlt. Schon rund eineinhalb Wochen nach der Katastrophe konnten wir die Betriebe mit einer Soforthilfe unterstützen“, berichtete der DFV-Präsident, der allen Kollegen, Innungen, Landesverbänden und Sponsoren nochmals ausdrücklich für ihre Hilfe und große Solidarität dankte.

Antworten auf viele Fragen gesucht

Der Fachkräftemangel hat sicher weiter verschärft und belastet zunehmend den wirtschaftlichen Erfolg vieler Betriebe. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wird der DFV die Werbung des Fleischerhandwerks neu strukturieren und thematisch gezielt aufbereiten. Dabei geht es vor allem um Nachwuchsgewinnung und Personalbindung, aber auch um die Ansprache potenzieller Quereinsteiger sowie die Anwerbung, Ausbildung und Integration von jungen Leuten aus dem Ausland.

„Unsere Möglichkeiten, erfolgreich zu arbeiten, sind auch eng verbunden mit der Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland“, sagte Herbert Dohrmann, der ein schnelles Umdenken in der Landwirtschafts- und Ernährungspolitik für dringend nötig hält, denn hier werde die Industrialisierung viel zu sehr gefördert, statt „die regionale, mittelständische und kleinstrukturierte Wirtschaft zu unterstützen.“ Nach Ansicht des DFV-Präsidenten werden vor allem drei Themen die Branche zukünftig noch mehr beschäftigen als bisher: Erstens das Klima, zweitens Fleischersatz und drittens der Tierschutz.

Einzelheiten zu den Ausführungen des DFV-Präsidenten sind seiner Rede zur Eröffnung des Verbandstags in Sinsheim zu entnehmen (siehe unten).

Berichte aus den Ressorts

Vor den Wahlen zum Präsidium blickten auch die Vizepräsidenten zurück auf das vergangene Jahr und gaben einen Ausblick auf die zukünftigen Arbeitsschwerpunkte in ihren Ressorts. Konrad Ammon, zuständig für Lebensmittelrecht, ging unter anderem auf das Thema Listerien ein, über das intensiv diskutiert wird. Im Rahmen der betrieblichen Dokumentation sei ab September 2022 damit zu rechnen, dass die Anforderungen an die Rückverfolgbarkeit verschärft werden. Hier kommen laut Ammon große Herausforderungen auf das Handwerk zu. Internetpranger und Veröffentlichung von amtlichen Hygienekontrollen stellen weiterhin ein Ärgernis dar. Hier sei die Tendenz zur Belastung der Unternehmen festzustellen.

Schatzmeister Eckhart Neun berichtete, Corona habe spürbare Auswirkungen hinterlassen. Einerseits seien höhere Investitionen nötig gewesen, andererseits hätten aber auch Einsparungen umgesetzt werden können. Zu Corona-bedingten Ausfällen im Personalbereich sei es nicht gekommen. Die gute SÜFFA in Stuttgart macht Hoffnung, dass auch die IFFA 2022 in Frankfurt gut verlaufen wird. Der DFV ist laut Schatzmeister Neun gut aufgestellt.

Vizepräsidentin Nora Seitz, Berufsbildung, sieht das zentrale Ziel der Arbeit in ihrem Ressort in der Sicherung der Fachkräfte von Morgen. Berufsausbildung und Quereinstig sind hier die Mittel zum Zweck, verbunden mit zielgerichteten werblichen Aktivitäten, zum Beispiel mit der Nationalmannschaft des Fleischerhandwerks.

Vizepräsident Michael Durst, Marketing, berichtete von den werblichen Maßnahmen im vergangenen Jahr. Die Sozialen Medien sind stärker genutzt worden, etwa zur Nachwuchsgewinnung. Geworben wurde auch auf Großplakaten. Den Mitgliedsbetrieben wurden in der Corona-Zeit außerdem Plakate zum Selbstausdrucken zur Verfügung gestellt. Große Bedeutung hatte die DFV-App als Info-Mittel und auch, um Meinungen der Mitglieder abzufragen für politische Diskussionen. Als Werbestrategie für die kommenden beiden Jahre sind kleine Filme zur f-Marke geplant, die werblich begleitet werden sollen. Die Themenauswahl kann flexibel gestaltet werden. Ein aktuellen Marketingprojekt betrifft die IFFA 2022.

Thomas Röhr

www.fleischerhandwerk.de

Rede von Präsident Herbert Dohrmann zur Eröffnung des 131. Deutschen Fleischer-Verbandstags am 3. Oktober 2021 in Sinsheim

„Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich, dass ich heute den 131. Deutschen Fleischer-Verbandstag eröffnen kann. Und ich freue mich ganz besonders darüber, dass ich das hier in Sinsheim tun kann. Es ist schon angeklungen, dass wir schon letztes Jahr hier sein wollten. Corona hat das verhindert.

Es ist ein gutes Zeichen, dass wir mit dieser Tagung einen guten Schritt in Richtung Normalität tun können. Auch wenn es noch einiges zu beachten gibt, haben wir nun doch wieder die Möglichkeit im persönlichen Kontakt zu sprechen, zu diskutieren und zu entscheiden. Ich nehme einmal stark an, dass Ihnen das genauso guttut wie mir.

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Albrecht, es sagt schon etwas über Ihre Stadt, dass es überhaupt möglich war, diese Verschiebung zu realisieren. Es war großartig zu sehen, dass alle Beteiligten zwar zunächst akzeptieren mussten, dass es in 2020 nicht geht, dass dann aber alle zusammengearbeitet haben, um es 2021 zu realisieren.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung. Wir freuen uns sehr, Ihre Gastfreundschaft genießen zu können.

Das bringt mich zu den Kollegen der Innung Rhein-Neckar. Lieber Kollege Rüdiger Pyck, wir kennen Dich schon länger als engagierten und zupackenden Kollegen, der keine Mühen scheut, um sich für unsere Gemeinschaft einzusetzen. Das hast Du auch hier wie-der bewiesen. Ihr habt uns gestern schon sehr nett empfangen und wir wissen, dass wir auch heute Abend im Technik-Museum Besonders zu erwarten haben.

Dir und deinen Kollegen in der Innung herzlichen Dank für eure Unterstützung. Leider müssen wir heute und morgen auch ein bisschen arbeiten. Aber wir schauen, dass noch ausreichend Zeit fürs Genießen bleibt.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Gäste, wir sind heute nicht nur am Tag der Deutschen Einheit zusammengekommen, sondern auch am Sonntag nach der Wahl. Es liegt auf der Hand, dass wir auch hier beleuchten, was das Wahlergebnis für uns wohl bringen wird. Mit „uns“ meine ich unsere Gesellschaft, unsere Volkswirtschaft, unsere Position in der Welt, aber auch – in aller Bescheidenheit – uns als Fleischerhandwerk.

Da es wohl noch eine ganze Weile dauern wird, bis eine Regierung gebildet ist, werden wir das heute und morgen nicht abschließend beantworten können. Ich bin mir aber sicher, leichter werden wir es als Unternehmer vermutlich nicht haben.

Praktisch alle Parteien haben sehr umfangreiche Versprechungen gemacht. Ich darf mal einiges erwähnen:

Erhöhung des Kindergelds

Erhöhung des Arbeitnehmerfreibetrags

Erhöhung der Pendlerpauschale

Erhöhung der Hartz4-Sätze oder Hartz4 gleich ganz abschaffen und durch ein Bürgergeld ersetzen

Grundsicherung für Auszubildende und Studenten

Ausbau der Strom-Infrastruktur

Absicherung des Rentenniveaus

Ausbau der digitalen Infrastruktur in Schulen, Verwaltung und Behörden

Nun wissen wir alle, dass nicht alle Versprechen auch in einem Koalitionsvertrag festgeschrieben werden. Und von dem, was schließlich geschrieben steht, wird auch nicht alles umgesetzt. Aber jeder einzelne Punkt kostet Geld, das der Staatshaushalt aufbringen muss. Experten haben berechnet, dass solche Vorhaben in Summe schnell mal 30 bis 40 Milliarden Euro Kosten, und zwar jährlich. Und dann kommen noch die zusätzlich erhöhten Sozialabgaben hinzu.

Wir haben den Finanzminister des Bundeslandes Hessen hier bei uns, unseren Kollegen Michael Boddenberg. Herzlich willkommen. Ich gehe davon aus, dass Ihr in den Ministerien schon rechnet, was das alles bedeutet.

Ich hoffe nur, dass diese zusätzlichen Aufwendungen, wenn sie denn kommen, nicht zu einer unvertretbaren Belastung für die Wirtschaft werden. Denn höhere Kosten stehen uns auch ohne eingelöste Wahlversprechen ins Haus. Denken Sie nur an die Energiekosten, die zurzeit sprunghaft ansteigen.

Es macht mir wirklich Sorge, was wir derzeit erleben. Ich hoffe sehr, dass nicht jetzt Wirklichkeit wird, was in früherer Zeit schon einmal Schlagwort war: Wir prüfen die Belastbarkeit der Wirtschaft.

Ich bin auch im Zweifel, ob es richtig sein kann, die anstehenden Aufgaben durch Schulden zu finanzieren. Die unvermeidbaren Milliarden-Beträge aus der Corona-Krise lasten ohnehin schon auf den Schultern zukünftiger Generationen. Hier noch die Kosten für die Energiewende oder soziale Wohltaten drauf zu packen, kann man mit dem Anspruch einer Generationengerechtigkeit kaum vereinbaren.

Lieber Kollege Boddenberg, ich beneide keinen verantwortlichen Politiker um die Aufgabe, dieses Dilemma auflösen zu müssen. Am Ende bleibt vielleicht nur die Hoffnung, dass unsere Wirtschaft so stark bleibt, dass wir die unvermeidbaren Belastungen dort erwirtschaften können. Ich hoffe sehr, dass das in einer jetzt zu bildenden Koalition gesehen und angemessen berücksichtigt wird.

Was die speziellen Anliegen des Fleischerhandwerks angeht, so haben wir schon im Wahlkampf sehr konkrete Vorschläge und Forderungen formuliert. Um es noch einmal auf den Punkt zu bringen: Wir erwarten keine Schutzräume und keine Geschenke. Wir wollen aber faire und gerechte Rahmenbedingungen. Wir werden nicht müde immer wieder darauf hinzuweisen, dass beispielsweise staatliche Gebühren zu einer echten Benachteiligung von hand-werklichen und regionalen Strukturen führen.

Die überall geltenden Staffelgebühren für die Fleischuntersuchung führen beispielsweise dazu, dass industrielle Schlachtbetriebe nicht einmal ein Zehntel dessen bezahlen, was ein handwerklicher Fleischer in seinem Betrieb bezahlen muss. Das muss nicht so sein. Man kann das gebotene Kostendeckungsprinzip auch so an-wenden, dass es einheitliche Gebühren für alle Betriebsgrößen gibt.

Auflagen zur Kennzeichnung oder Vorschriften zur Rückverfolgbarkeit, Kassensicherungsverordnung oder Registrierungsbürokratie rund um die Verpackungsverordnung – Immer wieder werden kleine Unternehmen im Verhältnis stärker belastet als große. Das passt mit dem regelmäßig formulierten Ziel der Förderungen von Handwerk und regionalen Strukturen nicht zusammen.

Die letztgenannten Beispiele stammen übrigens alle aus der letzten Legislaturperiode. Wir hoffen für die nächsten vier Jahre auf bessere Zeiten.

Wir haben die letzten Monate dazu genutzt, diese Forderungen mit vielen Politkern aller ernstzunehmenden Parteien zu diskutieren, vorrangig natürlich mit Fachpolitikern aus dem für uns wichtigen Bundestagsausschuss für Ernährung und Landwirtschaft.

Es ist tatsächlich erschreckend, dass es in diesem Ausschuss Politiker gibt, die offensichtlich keine Ahnung haben, was Fleischer-handwerk ist und welche Werte damit verbunden sind. Das zieht sich übrigens durch alle Parteien. Auch die, auf die wir traditionell zählen, bilden da leider keine Ausnahme.

Einem Fachpolitiker der CDU mussten wir erklären, was uns von Schlachtindustrie und Discount unterscheidet, dafür erklärte uns ein erfahrender SPD-Abgeordneter, dass er es gut fände, wenn wir das mit dem Handwerk besser erklären würden. Wir kamen allerdings in dem Gespräch wenig zu Wort, sonst hätten wir das gern getan. Es wäre nötig gewesen. Da haben wir in der neuen Legislaturperiode noch eine Menge Aufklärungsarbeit zu leisten, um diese Wissenslücken zu schließen.

Aber man darf es nicht zu negativ sehen. Wir haben auch sehr gute Gesprächspartner in Politik und Verwaltung, die über großen Sachverstand und auch über ein großes Verständnis rund um das Fleischerhandwerk verfügen. Auch die gibt es über Parteigrenzen hinweg. Auf diese Leute werden wir bauen.

Das führt mich auch zu den Punkten, die wir für die letzte Zeit auf der Habenseite verbuchen können. Mit konstruktiven Gesprächen, sachlicher Argumentation und den richtigen Entscheidungsträgern in der Politik kann man als Verband tatsächlich viel Gutes für unser Handwerk bewirken.

Aus der jüngsten Vergangenheit möchte ich nur zwei Beispiele nennen. Zum einen die Umsatzsteuersenkung, die nicht nur für die Gastronomie, sondern auch für den Fleischerimbiss und für Leistungen im Partyservice gilt, und zum anderen die konkrete Aus-gestaltung der Handwerksabgrenzung im Arbeitsschutzkontrollgesetz.

Sie erinnern sich, das war die gesetzliche Regelung, die unter anderem Tönnies in die Schranken weisen sollte und bei der die große Gefahr bestand, dass viele Handwerksbetriebe ebenfalls in Haftung genommen werden. Das wäre fatal für diese Betriebe gewesen.

Wir haben nicht alles erreicht, was wir gern gehabt hätten, aber immerhin ist es gelungen, die Grenzen so zu ziehen, dass fast alle Handwerker von den Regelungen ausgenommen bleiben. Wir haben da viel investiert und es hat sich gelohnt.

Diese und viele andere Beispiele, etwa aus den ersten Monaten der Corona-Zeit, zeigen, wie wichtig es ist, einen funktionierenden Verband an der Seite zu haben. Es ist eine Binsenweisheit, dass man gemeinsam mehr erreichen kann als im Alleingang.

Ich will es noch deutlicher sagen: Wir werden politisch nur wahrgenommen, wenn wir absolut geschlossen auftreten. Es ist deshalb gut, dass es uns oft gelingt, intern über unsere Positionen zu diskutieren und nach außen mit einer Stimme zu sprechen. Im Bundestagswahlkampf hat das gut geklappt. Darauf dürfen wir stolz sein.

Zur Geschlossenheit gehört aber auch, dass wir die Organisation so gut wie möglich stärken und zusammenhalten. Wir müssen möglichst allen Kolleginnen und Kollegen einen Weg in unsere Organisation eröffnen und auf allen Ebenen miteinander und nicht gegeneinander arbeiten. Ich werde morgen in der Mitgliederversammlung auf diesen Themenkreis zurückkommen und die Notwendigkeiten für die Zukunft aufzeigen.

Vor kurzer Zeit hat sich in einem Punkt bewiesen, dass dieser Zusammenhalt keine Utopie, sondern an wichtigen Stellen Realität ist. Die furchtbare Flutkatastrophe in Teilen von Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz hat uns alle sehr betroffen gemacht.

Es ist wirklich bestürzend, was die Menschen in den betroffenen Regionen durchmachen müssen. Und natürlich sind auch Fleischereien überflutet worden. Ich habe selbst mit den meisten betroffenen Kollegen gesprochen. Einige davon habe ich mit meiner Kollegin Dagmar Groß-Mauer auch besucht. Als Obermeisterin der Innung Ahrweiler war sie von Beginn an im Zentrum des Geschehens.

Es ist einfach klasse, was die Kollegen vor Ort an Hilfe und Unterstützung in kürzester Zeit auf die Beine gestellt haben. Wir haben das durch eine Spendenaktion begleitet. Mehrere hunderttausend Euro wurden von Kollegen und Unterstützern aus ganz Deutschland auf unser Hilfskonto eingezahlt. Schon rund eineinhalb Wochen nach der Katastrophe konnten wir die Betriebe mit einer Soforthilfe unterstützen. Schnell und unbürokratisch, das wird immer versprochen – wir haben es tatsächlich gemacht.

Ich kann Ihnen berichten, dass die Dankbarkeit der Kollegen mit Händen zu greifen war. Nicht das Geld allein hat hier geholfen. Mehr noch war es die große Solidarität, das Zuhören und Anteil nehmen und das helfen ohne Zögern, das hat dort viel Mut und Kraft gegeben. Das wurde uns immer wieder versichert. Wir können die besonders schwer Getroffenen jetzt noch mit weiteren Mitteln unterstützen. Das alles hilft hoffentlich beim Wieder-aufbau, aber bis alles wieder seinen Platz gefunden hat, wird noch viel Arbeit nötig sein.

Das Erfreulichste ist, dass Kollegen, die unmittelbar nach der Flut für ihren Betrieb keine Perspektive mehr gesehen haben, nun doch weitermachen wollen. Die große Hilfsbereitschaft und der Zuspruch von vielen Seiten haben das möglich gemacht.

An dieser Stelle von Seiten des DFV ein großes Danke für alle Kollegen, Innungen, Landesverbände und Sponsoren, die ihren Teil zur Hilfe beigetragen haben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben anspruchsvolle Zeiten vor uns, so viel steht fest. Und das in ganz vielfältiger Weise. Wir werden vor vielen Fragen stehen und wir werden sie gut beantworten müssen.

Ein ganz zentrales Thema wird sein, wie wir in den kommenden Jahren unseren Bedarf an guten und leistungsfähigen Fachkräften decken können. Der Mangel, der sich immer weiter verstärkt, ist für viele von uns zu einer echten Belastung für den geschäftlichen Erfolg geworden. Inzwischen kennen die meisten von uns den Zu-stand, dass man Geschäfte ablehnen muss, weil man niemanden hat, der die damit verbundene Arbeit leisten kann.

Das ist ein Problem, das wir mit vielen Branchen gemeinsam haben. Aber das ist erstens kein Trost und zweitens verschärft das das Problem, denn wir stehen hier in Konkurrenz mit diesen anderen Gewerken. Wir müssen hier Lösungen haben, denn davon hängt zu einem guten Teil ab, wie erfolgreich wir uns in Zukunft am Markt behaupten können. Welche Antworten haben wir?

Wir werden morgen in der Delegiertentagung die Vorstellung der neu strukturierten Werbung des Fleischerhandwerks erleben. Herzstück ist, soviel sei vorweggenommen, dass wir über die Laufzeit immer wieder einzelne Themen aufrufen und thematisch aufbereiten. Was dabei in jedem Fall wichtige Bereiche sein werden, sind Nachwuchsgewinnung, Personalbindung, aber auch das Werben um Quereinsteiger. Damit werden wir unsere Nachwuchs-werbung über das Portal www.fleischerberufe.de ergänzen.

Es müssen aber auch neue Wege gegangen werden. Dazu gehören auch die Anwerbung, Ausbildung und Integration von jungen Leuten aus dem Ausland. Da gibt es vielversprechende Ansätze, die wir uns ebenfalls morgen etwas genauer ansehen wollen. Mir geht es heute darum, diesen Themenkreis mit der höchsten Prioritätsstufe zu versehen.

Es genügt nicht mehr, junge Leute irgendwie auf uns aufmerksam zu machen, um vielleicht den einen oder anderen Lehrling zu gewinnen. Wir müssen uns breit aufstellen, den Kreis der Adressaten erweitern und auch völlig neue Formen der Ansprache erschließen. Früher haben sich Mitarbeiter bei uns beworben, heute ist es umgekehrt. Da werden wir einhaken müssen.

Als Verband können wir die Betriebe mit Ideen und der Öffnung neuer Möglichkeiten bei der Sicherstellung von Arbeitskräften unterstützen. Das wird allerdings nichts daran ändern, dass das Unternehmen selbst der entscheidende Faktor bleibt, wenn es um die Mitarbeitergewinnung geht. Wir werden hier viel Arbeit haben.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, unsere Möglichkeiten, erfolgreich zu arbeiten, sind auch eng verbunden mit der Zukunft der Landwirtschaft in Deutschland. Aus meiner Sicht ist ein schnelles Umdenken in der Landwirtschafts- und Ernährungspolitik dringend nötig. Viel zu sehr wird die Industrialisierung dieser Bereiche gefördert, anstatt die regionale, mittelständische und kleinstrukturierte Wirtschaft zu unterstützen. Es gibt kein gesundes Nebeneinander und das führt zu den bekannten Verwerfungen.

Es gibt schon Blaupausen dafür, wie ein Umbau aussehen könnte. Der Abschlussbericht der „Zukunftskommission Landwirtschaft“, die von Bundeskanzlerin Merkel eingerichtet wurde, steckt einen Rahmen für eine neue Landwirtschaft ab. Die Kanzlerin hat den Bericht entgegengenommen und entspannt festgestellt, dass sich die neue Regierung darum kümmern muss. Ich zweifle nicht im Geringsten daran, dass das auch so kommen wird.

Der Bericht hat 190 Seiten mit einer ganzen Reihe von Feststellungen. „So, wie es ist, kann es nicht weitergehen.“ Das ist die zentrale These der Kommission. Und mit vielem, was dort beschrieben wird, können wir uns sehr anfreunden. Man muss froh sein, dass endlich gesehen wird, dass der Drang nach immer mehr, immer billiger und immer industrieller ein Irrweg ist. Nach Ansicht der Kommission muss die Landwirtschaft regionaler werden und deutlicher als bisher auf Qualität und Nachhaltigkeit ausgerichtet sein. Mehr Wertschätzung für Lebensmittel ist zwingend geboten. Insoweit spricht uns die Kommission aus dem Herzen.

Es bleibt allerdings eher im Trüben, wie das erreicht werden soll. Einen Prozess, der sich über Jahrzehnte abgespielt hat, umzukehren, ist eine gigantische Herausforderung. Wenn es konkret wird mit den Vorschlägen, dann kommen leider auch hier wieder alte Vorschläge, zum Beispiel: Eine Verringerung des Fleischkonsums bringt gute Fortschritte. Es wird eine unserer großen Aufgaben sein, sehr genau zu beobachten, auf welchen Wegen ein im Prinzip richtiges Ziel erreicht werden soll. Es wäre nicht das erste Mal, wenn hier wieder die Falschen getroffen werden.

Darüber hinaus sind es vor allem drei Themen, die uns noch viel mehr beschäftigen werden als bisher.

Da ist zum ersten das Klima. Nicht erst die Flut in Westdeutschland hat den Fokus wieder verstärkt auf die Klimaveränderungen gelenkt. Durch die Corona-Pandemie ist dieses Feld etwas in den Hintergrund geraten. Aber schon im Wahlkampf ist das Thema wieder deutlich nach vorne gerückt. Das Problem ist drängend, vor allem junge Menschen machen sich große Sorgen. Und die Politik wird nicht nur wegen der internationalen Verpflichtungen, die man eingegangen ist, hier immer mehr Druck machen, ganz egal, wie die Regierung zusammengesetzt sein wird.

Hier kommen wir gleich aus zwei Richtungen in Bedrängnis. Zum einen sind da die Kosten, die der Umbau der Energieversorgung verursacht. Energie wird schon jetzt sprunghaft teurer. Die Mehrbelastungen werden für unsere Betriebe enorm sein.

Jetzt könnte man meinen, dass das alle gleichmäßig betrifft und deshalb zumindest keine Verzerrungen mit sich bringt. Meine Sorge ist aber, dass es hier ein weiteres Mal zu einer unverhältnismäßigen Belastung für die kleinen und mittleren Unternehmen kommen wird, so wie wir es bei der EEG-Umlage erlebt haben.

Die großen Unternehmen werden sehr schnell nach Entlastung rufen, weil die Energiekosten in Deutschland ohnehin schon deutlich höher sind als in unseren Nachbarländern. Um die Exportwirtschaft nicht zu gefährden, wird der Drang der Politik groß sein, hier entgegenzukommen.

Auf der anderen Seite werden die Rufe nach einer „sozialen“ Energiewende immer lauter. Private Haushalte mit geringem Einkommen sollen einen Ausgleich für die erhöhten Abgaben erhalten.

So, und nun raten Sie mal, an wem die Kosten hängen bleiben. Genau, an der Mitte, an Handwerk und Mittelstand, an den Leistungsträgern der Gesellschaft. Die treffen dann im heimischen Markt auf die Großen, die entlastet werden.

Ich bin kein Prophet und weiß nicht, ob es so kommen wird, aber wir haben es genau so schon erlebt. Ich verstehe sehr gut, dass der Umbau der Energieversorgung mit einer deutlichen Verringerung des CO2-Ausstoßes und die Finanzierung dieser Aufgabe eine hochkomplexe Angelegenheit ist, aber wir werden nicht still-schweigend hinnehmen, wenn wir wieder diejenigen sein sollen, die die Hauptlast tragen.

Beim Klima dürfen wir erwarten, dass uns der Wind auch aus anderer, schon hinlänglich bekannter Richtung entgegenwehen wird. Auch die schon angesprochene „Zukunftskommission Landwirtschaft“ hat wieder festgestellt, dass Klimaschutz nur mit weniger Fleischkonsum zu erreichen ist.

Wir können uns gern darüber unterhalten, wie viel Fleischkonsum sein sollte. Gerne kann man sich auch darüber austauschen, dass es Formen der Fleischgewinnung gibt, die fragwürdig sind.

Und wir können auch darüber diskutieren, ob Regenwaldabholzung für Futtermittelanbau akzeptabel ist. Das können wir gern besprechen, obwohl der Futtermittelanbau nicht das Problem ist, sondern die Tatsache, dass die Menschen dort mit diesen Flächen ihr Auskommen suchen. Wenn es kein Soja ist, dann halt Kaffee- oder Kautschuk-Plantagen. Will man die Regenwaldabholzung beenden, muss man ganz sicher an anderer Stelle ansetzen, der Verzicht auf Rindersteak wird nichts ändern.

Wogegen wir uns aber massiv zur Wehr setzen werden, ist die pauschale und undifferenzierte Verteufelung von Fleisch. Das ist reine Ideologie, die mit wissenschaftlichen Fakten nichts zu tun hat.

Um es nochmals zu sagen: Rinderhaltung auf Grünland schadet dem Klima nicht im Geringsten. Es gibt Wissenschaftler, die die Auffassung vertreten, dass durch entsprechende Humusbildung hier sogar ein positiver Klima-Saldo besteht.

Wir müssen hier deutlicher machen, dass eben Unterschiede gibt. Es ist eben nicht die Frage, ob man Fleisch isst, sondern welches. Auch in diesem Zusammenhang spielt das Stichwort Regionalität eine große Rolle. Ein Grund mehr, diese Kreisläufe zu stärken.

Wir müssen für diese Debatten gewappnet sein. Ich bin mir sehr sicher, dass der Druck in diesem Punkt immer weiter steigen wird. Der Hang zu Vereinfachungen in der Darstellung von Zusammenhängen führt dazu, dass am Ende Auto und Fleisch als Klimakiller präsentiert werden. Dem müssen wir entgegentreten.

Damit eng verbunden ist das zweite Themenfeld, das mehr und mehr Bedeutung gewinnen wird: Fleischersatz.

Es geht um zwei Bereiche, die immer weiter vorangetrieben werden. Natürlich sind hier die vegetarischen und veganen Produkte gemeint, die den Anspruch erheben, Fleisch in vielerlei Hinsicht ersetzen zu können. Ich will es einmal so formulieren: Wir leben in einem freien Land und jeder kann essen, was er mag. Gegen einen Gemüseauflauf oder einen frischen gemischten Salat kann man auch gar nichts haben.

Ich finde es aber bedenklich, dass man suggerieren will, dass Imitate dem Fleisch gleichwertig sind. Fleisch bietet eben mehr als Eiweiß, sondern auch unverzichtbare Mikronährstoffe. Und was eine rein vegane Ernährung angeht: Ich finde, eine Ernährungsform, bei der ich Pillen einnehmen muss, um nicht krank zu werden, hat mit einer gesunden Lebensform nichts zu tun. Auch hier müssen wir immer wieder mehr Ehrlichkeit einfordern.

Fleischersatz heißt aber in der öffentlichen Darstellung auch immer mehr künstliches Fleisch. Diese Zukunftsvision wird in einer Weise dargestellt, über die man sich nur wundern kann. Man könnte meinen, schon sehr bald bräuchte kein Tier mehr geschlachtet werden, um Fleisch zu essen. Geht heute alles im Reagenzglas.

Dabei ist dieser neue Bereich noch nicht einmal über das experimentelle Stadium hinausgekommen. Produkte, die schon jetzt angeboten werden, enthalten nur zu einem sehr kleinen Teil Zellkulturen, die an Fleisch erinnern sollen, der Rest besteht aus Pflanzen. Außerdem braucht man nach wie vor tierische Zellen, um den Prozess überhaupt in Gang zu bringen. Und auch die Nährlösung ist noch ein Mysterium. Trotzdem: Die Debatte läuft und wir müssen Antworten haben, wenn wir gefragt werden, was wir davon halten.

Der dritte Bereich, der uns beschäftigen muss, ist der Tierschutz. Das ist natürlich kein neues Thema, aber die Art und Weise, wie damit umgegangen wird, hat sich in den letzten Monaten spürbar verändert. Da ist zum einen die Borchert-Kommission, die Vorschläge erarbeitet hat, wie Tierhaltung verbessert werden kann. Im Grunde läuft es darauf hinaus, Fleisch mit einer Abgabe zu belegen, um mit diesem Geld der Landwirtschaft mehr Tierwohl zu ermöglichen.

Wir haben unsere großen Bedenken, ob das so funktionieren kann. Das haben wir auch der Politik gegenüber sehr deutlich gemacht. Von Europarecht über Verteilungsprobleme, von schlüssigen Haltungskriterien bis Planungssicherheit. Das ganze Konstrukt ist mit noch so vielen Fragezeichen versehen, da warten wir erst einmal ab. Am meisten stört uns, wie die Finanzierung der Sache laufen soll. Entweder soll es eine Abgabe auf jedes Kilo Fleisch geben oder eine Erhöhung der Mehrwertsteuer auf Fleischprodukte. Beides führt zu genau dem Gegenteil dessen, was man will.

Die Abgabe wäre ein bürokratisches Monster. Der Nachweis, welche Mengen abgerechnet werden müssen, wäre so aufwändig, dass es wieder einmal die Kleinen sehr viel stärker treffen würde als die Großen.

Die Mehrwertsteuererhöhung, das liegt in der Natur der Sache, würde die Preisschere zwischen guten und etwas teureren Produkten einerseits und Discounter-Billigware andererseits noch einmal vergrößern. Unter dem Strich würden diejenigen den Löwenanteil des Umbaus bezahlen, die schon jetzt etwas für gute Haltung tun.

Wir haben vorgeschlagen, stattdessen eine bessere Haltung ins Tierschutzgesetz zu schreiben. Dann profitieren alle Tiere, die Kosten würden alle gleichmäßig treffen und Bürokratie können wir uns auch sparen. Damit keine Tierhaltung ins Ausland verlagert wird, wollen wir diese Regelungen europaweit.

Eigentlich ganz einfach, aber keiner geht es an. Dafür machen wir hier wieder mit riesigem Aufwand Alleingänge. Es ist schon interessant, bei der Impfstoffbeschaffung zur Corona-Bekämpfung haben wir auf schnelle Lösungen verzichtet, weil wir europaeinheitlich handeln müssen. Aber beim Tierschutz, so hören wir es immer wieder, ist eine EU-weite Einigung absolut unrealistisch.

Ich habe es angesprochen, das Thema Tierwohl wird heute anders diskutiert als noch vor Monaten. Großen Anteil daran hat der Lebensmitteleinzelhandel, vor allem die Discounter. Es ist schon bemerkenswert, mit welchem Selbstbewusstsein die Handelsunternehmen mit immer neuen vollmundigen Ankündigungen vorpreschen.

Einmal ist es die Absicht, den Bauern höhere Preise zu garantieren, um Tierwohl zu verbessern. Das hat sich in der Werbung natürlich gut gemacht. Aber nur kurze Zeit später wurde die Sache wieder eingestampft, weil die Kunden die höheren Preise angeblich nicht akzeptieren. Nun hat der andere große Discounter angekündigt, dass ab 2030 nur noch Fleisch verkauft wird, dass aus besten Haltungsstufen kommt.

Wie lange diese Ankündigung Bestand hat und ob die Landwirtschaft das überhaupt leisten kann, bleibt erst einmal offen. Ob das alles ernst gemeint und von einer inneren Einsicht getrieben ist, wissen wir nicht. Es könnte sich auch um billige Marketingtricks handeln. Was dann 2030 ist, braucht die Händler heute noch nicht belasten. Aber unabhängig davon, wie ehrlich das alles gemeint ist, Tatsache ist, dass diese Aktionen die Wahrnehmung der Menschen schon heute verändern.

Das ist der Punkt, auf den ich hinaus will. Das Umfeld, in dem wir wirtschaften, verändert sich zurzeit an vielen Stellen mit einer Geschwindigkeit, die wir so bisher nicht gekannt haben. Viele politische und gesellschaftlichen Kräfte verändern die Debatte. Das Besondere daran ist, dass viele unserer Mitbewerber hier einsteigen und den Hype noch befeuern.

Das gilt nicht nur für den Lebensmitteleinzelhandel, der das Tierwohl oder gar den Fleischverzicht für sich entdeckt hat. Wir sehen auch die Unternehmen der Fleischwarenindustrie, die ihr Heil darin suchen, vegetarische Streichpaste leidenschaftlicher anzupreisen als ihre eigenen Wurstprodukte.

Ich will das alles nicht beklagen. Wir werden es sicher auch nicht ändern können. Aber wir müssen unseren Weg in diesem Umfeld suchen und finden. Was setzen wir all diesen Aktivitäten entgegen? Wie stellen wir die schon jetzt viel besseren Lösungen des Handwerks ins richtige Licht? Wie zeigen wir, dass wir die ehrlicheren, gesünderen und nachhaltigeren Produkte zu bieten haben?

Wir brauchen diese Fragen nicht zu fürchten. Wir können uns dem mit großem Selbstbewusstsein stellen. Aber wir müssen vorbereitet sein. Ich will dabei gar nicht ausschließen, dass wir vielleicht einige der neuen Ideen aufnehmen und für uns nutzbar machen. Und wir müssen wissen, wo es sich lohnt, eine entschiedene und vor allem überzeugende Gegenposition aufzubauen. Diese Antworten auf die drängenden Fragen der Zeit brauchen wir, sie zu erarbeiten wird wichtige Aufgabe der nahen Zukunft sein.

Wir wollen damit schon heute beginnen. Wir haben einen Gast eingeladen, Herrn Dr. Hermann-Josef Nienhoff. Wir werden ihn für alle, die ihn nicht so gut kennen wie wir, gleich noch etwas ausführlicher vorstellen. Ich kann aber sagen, dass er einer der profundesten Kenner des Marktes für Fleisch und Fleischerzeugnisse ist. Er wird gleich im Anschluss mit uns ein wenig darüber diskutieren, was wir von all den Aktionen zu halten haben, wie sich die Landwirtschaft positioniert und wo unser Platz als Handwerk sein kann. Ich bin mir nicht sicher, Herr Dr. Nienhoff, ob uns alles gefallen wird, was Sie uns sagen, ich weiß aber, dass wir einen angeregten, sachlichen und für uns erkenntnisreichen Austausch haben werden.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich habe eingangs schon gesagt, dass ich sehr froh bin, dass wir hier in Sinsheim einen Verbandstag haben können, bei dem wir in direktem Kontakt beraten können. Diese persönliche Anwesenheit aller Delegierten erleichtert uns auch eine satzungsmäßige Pflicht, die wir morgen zu erfüllen haben.

Turnusgemäß endet morgen die fünfjährige Wahlperiode unserer Gremien, weswegen wir wählen müssen, wer die Geschicke des Verbandes und damit auch die des Fleischerhandwerks in den nächsten fünf Jahren in die Hand nehmen sollen.

Man wird sehen, wie diese Wahlen ausgehen, aber ich schätze, sie werden in jedem Fall mehr schnelle Klarheit schaffen, als das am letzten Sonntag der Fall war. Einige werden ihr ehrenamtliches Engagement beenden, weswegen wir in jedem Fall auch einige neue Mitstreiter haben werden.

Wie immer Präsidium und Gesamtvorstand am Ende der Delegiertentagung zusammengesetzt sein werden, zwei Dinge sind schon jetzt Gewissheit: Einerseits wird auf die Amtsträger beider Gremien viel Arbeit zukommen. Die Themenliste, die ich heute skizziert habe, ist nur ein Ausschnitt vom dem, was wir an Herausforderungen erwarten müssen. Da brauchen wir kreative Köpfe und anpackende Schaffer, da ist jeder einzelne gefragt.

Und das Zweite ist, dass es für alle Delegierten, Obermeister und Mitglieder nicht ausreicht, die Gremien zu wählen. Richtig voran werden wir nur kommen, wenn diejenigen, die Verantwortung übernehmen, über die ganze Wahlzeit hinweg die beste Unterstützung von allen haben werden. Der geschlossene Auftritt muss greifbar sein, für uns, aber mehr noch für alle, mit denen wir zusammentreffen.

In diesem Sinne eröffne ich den 131. Deutschen Fleischer-Verbandstag.“

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