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DFV-Befragung: Tierwohl im Fleischerhandwerk

Vom 30. September bis zum 12. Oktober 2020 hat der Deutsche Fleischer-Verband (DFV) eine Befragung von Innungsmitgliedern durchgeführt, mit dem Ziel, deren Einstellung zum Thema „Wohl des Tieres“ zu ermitteln und festzustellen, welche Maßnahmen bereits heute in diesem Zusammenhang vom Fleischerhandwerk umgesetzt werden. Abgefragt wurden Maßnahmen, die sowohl in der öffentlichen als auch in der politischen Diskussion derzeit eine große Rolle spielen.

DFV-Befragung: Tierwohl im Fleischerhandwerk
Artgerechte Haltung wird von besonders vielen Befragten als Mittel zur Steigerung des Wohles der Tiere angesehen. -

Bei der Befragung, an der 334 Innungsmitglieder des Fleischerhandwerks teilgenommen haben, ging es weniger um reinen Tierschutz als vielmehr um Maßnahmen, die dazu führen sollen, dass Tiere so behandelt werden, wie es gesellschaftlich gefordert ist.

Frage 1: Worauf achten Sie beim Rohstoffbezug im Hinblick auf das Wohl der Tiere?

Eigene Vereinbarungen und besondere Haltungsformen wurden von besonders vielen Befragten als Mittel zur Steigerung des Wohles der Tiere bezeichnet.

Sowohl Tierwohlsiegel als auch Immunokastration oder Ebermast werden nur von sehr wenigen Betrieben genannt.

Frage 2: Wie kontrollieren Sie, dass Ihre Wünsche zum Wohl der Tiere beachtet werden?

Die Methoden der Kontrolle unterscheiden sich deutlich bei schlachtenden und nicht-schlachtenden Unternehmen. Bei den schlachtenden Unternehmen wurde erwartungsgemäß eine persönliche Kontrolle häufiger genannt.

Unter „Sonstiges“ wurden von 20% der schlachtenden Unternehmen die „eigene Schlachtung und der eigene Transport“ als Mittel der Kontrolle angegeben.

Neutrale Kontrollen oder das Filmen des Schlachtvorganges wurden nur sehr selten als aktuelle Kontrollinstrumente für die Sicherung des Tierwohls genannt.

Frage 3: Was halten Sie von einem staatlichen Tierwohlsiegel?

Rund die Hälfte der Befragten halten ein staatliches Tierwohlsiegel für unsinnig. Etwas mehr als ein Drittel findet die Einführung eines staatlichen Tierwohlsiegels sinnvoll. Hierbei wird einem verpflichtenden Tierwohlsiegel der Vorzug vor einem freiwilligen gegeben.

Frage 4: Wie wichtig ist Ihren Kunden das Wohl der Tiere?

Nach Ansicht der Befragten interessiert das Tierwohl die Kunden. Viele fragen jedoch nur nach Skandalen danach. Unter 10 Prozent gaben an, dass die Kunden kein Interesse am Wohl der Tiere zeigen.

Frage 5: Kommunizieren Sie Ihren Kunden gegenüber besondere Maßnahmen zum Wohl der Tiere?

Die meisten der Befragten bauen das Thema „Wohl des Tieres“ in ihre Kommunikation ein. Etwa ein Drittel in Form von aktiven Werbemaßnahmen.

Frage 6: Welche Gründe sprechen gegen eine Ausweitung der Maßnahmen zum Wohl der Tiere?

Über die Hälfte der Befragten verzichten auf weitere Maßnahmen zur Steigerung des Tierwohls, da sie vermuten, die Kunden würden dies nicht ausreichend honorieren. Die Vermutung, den Tieren ginge es gut genug, wird nur selten genannt.

Frage 7: Welche Gründe sprechen für eine Ausweitung der Maßnahmen zum Wohl der Tiere?

Für eine Ausweitung der Maßnahmen zur Steigerung des Wohls der Tiere sprechen insbesondere eigene Qualitätsansprüche sowie ethische Gründe. Kundenwünsche werden seltener genannt.

Frage 8: Wie wird sich der Stellenwert des Themas "Wohl des Tieres" in Ihrem Unternehmen in der Zukunft verändern?

Etwas mehr als die Hälfte der schlachtenden und rund 75% der nicht-schlachtenden Unternehmen vermuten, dass die Maßnahmen zur Steigerung des Wohls der Tiere im eigenen Unternehmen zunehmen werden.

Frage 9: Gibt es in Ihrem Betrieb Handlungsbedarf bezüglich des Wohls der Tiere für die Zukunft?

Rund die Hälfte der Befragten sehen sich bereits sehr gut aufgestellt und sehen daher aktuell keinen Handlungsbedarf.

Handlungsbedarf wird bei den nicht-schlachtenden Unternehmen im Bereich der Lieferantenauswahl und der Schulung gesehen.

Die schlachtenden Unternehmen sehen sich insgesamt deutlich besser aufgestellt als die nicht schlachtenden Unternehmen.

Frage 10: Wie bewerten Sie die folgenden Maßnahmen, die dem Schutz oder dem Wohl des Tieres dienen sollen?

Videoaufnahmen werden insgesamt eher kritisch gesehen. Insbesondere von Unternehmen, die im eigenen Betrieb schlachten.

Besondere Haltungsformen werden insgesamt als sinnvolle Investitionen zur Steigerung des Wohles der Tiere gesehen.

Eine verpflichtende Abgabe, die für Maßnahmen zur Steigerung des Wohls der Tiere eingesetzt werden soll, wird von knapp einem Drittel der Befragten als sinnvolles Mittel zur Steigerung des Wohls der Tiere angesehen. Über die Hälfte der Befragten lehnen sie ab.

Ein Verbot der Kastenstände hält knapp über die Hälfte der Befragten für ein sinnvolles Mittel zur Steigerung des Wohls der Tiere.

Fazit

Das Thema „Wohl des Tieres“ wird von den Betrieben des Fleischerhandwerks als zunehmend wichtig erkannt. Betriebe, die selbst schlachten, sehen sich in diesem Bereich besser aufgestellt als Betriebe, die schlachten lassen.

Fleischereien, die nicht selbst schlachten, erwarten Maßnahmen zur Steigerung des Wohls der Tiere und die Kontrolle über diese Maßnahmen eher von den vorgelagerten Stufen (Landwirte oder Schlachthöfe) als Betriebe, die selbst schlachten.

Die Erwartung, dass Maßnahmen zur Steigerung des Tierwohls auch von den Kunden anerkannt und direkt honoriert werden, ist relativ niedrig.

www.fleischerhandwerk.de

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