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CleanSmoke: Sauber räuchern

CleanSmoke ist frisch erzeugter Rauch aus Primärrauchkondensat. Aus ihm wurden schädliche Nebenprodukte wie Asche, Teer oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) vorab herausgefiltert.

Dieses moderne Verfahren hat das konventionelle Räuchern in Amerika und Skandinavien bereits weitgehend abgelöst. CleanSmoke auch im übrigen Europa voranzubringen, das hat sich die 2017 gegründete CleanSmoke Coalition auf die Fahnen geschrieben. Verbandsmitglieder aus den USA und sechs europäischen Ländern trafen sich in Frankfurt zum dritten CleanSmoke Coalition Congress.

Der Verbandsvorsitzende Uwe Vogel zog eine positive Bilanz des ersten Jahres der Verbandstätigkeit: „Es ist uns gelungen, die CleanSmoke Coalition mit Leben zu füllen und erste, wichtige Erfolge zu erzielen.“

Der enge Austausch, den der Verband auf europäischer Ebene pflegt – unter anderem mit der Europäischen Lebensmittelbehörde (EFSA) in Parma und der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission (JRC) in Sevilla – trägt mittlerweile Früchte. So hat die EU das CleanSmoke-Verfahren in einen Regelungsentwurf zu den besten verfügbaren Technologien (BVT) aufgenommen. Im Mai 2018 hat die EU-Kommission in einem REFIT-Verfahren zugesichert, dass es sich bei CleanSmoke um ein Räucherverfahren handelt.

In Deutschland steht der Verband unter anderem im Dialog mit dem BMEL (Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft) sowie mit Produzenten von Bio-Lebensmitteln. Zu den Erfolgen hierzulande gehören erste Bio-Zertifizierungen und die Einführung des CleanSmoke-Siegels für Lebensmittel, die mit dem neuen Verfahren geräuchert wurden. An diesem Signet erkennt der Verbraucher künftig wie das Produkt geräuchert wurde und kann sich bewusst entscheiden. Außerdem wartet die CleanSmoke Coalition, nach einer Empfehlung durch das Landwirtschaftsministerium, auf die explizite Aufnahme von CleanSmoke in die EG-Ökoverordnung.

Die Anwälte Jens Karsten und Dr. Markus Grube von der Kanzlei KWG arbeiten sehr daran, dass das CleanSmoke-Räucherverfahren einheitlich in Europa als „Rauch“ deklariert wird. Auf eine wichtige Herausforderung wiesen Dr. Benjamin Voß und Alf Uwe Belz von proFagus hin: Da Ende 2023 die bestehenden Zulassungen von Primärraucharomen in der EU erlöschen, gelte es frühzeitig darauf hinzuwirken, dass CleanSmoke in die neue Positivliste 2.0 der Union aufgenommen wird.

Nachhaltigkeit, Sicherheit und Geschmack

Bei seiner Markteinschätzung zeigte sich Uwe Vogel überzeugt von dem künftigen Erfolg des CleanSmoke-Verfahrens in Europa. Vogel nannte u.a. das Paradebeispiel Schweden, wo heute nicht weniger als 90 Prozent aller Räucherprodukte mit CleanSmoke erzeugt werden. Als wichtigste Anforderungen im dortigen Lebensmittelmarkt wurden vor der Einführung verstärkter Umweltschutz durch reduzierte Emissionen sowie Produkt- und Verarbeitungsqualität gefordert. Um CleanSmoke zu etablieren, wurden daher frühzeitig Forschungsinstitute in die Kommunikation einbezogen.

Ähnlich erfolgreich verlief die Markteinführung in Polen. Dort gab es zu Beginn der 1990er Jahre vor allem Bedenken wegen der Schadstoffbelastung von Lebensmitteln. Heute liegt der Marktanteil von CleanSmoke bei geräucherten Lebensmitteln in Polen bei gut 30 Prozent, weil man es geschafft hatte, die Regulierungsbehörden für sich zu gewinnen.

In Frankreich dagegen interessierten sich die Marktteilnehmer vor allem dafür, wie sich schädliche Nebenprodukte des konventionellen Räucherns, z.B. PAKs, vermeiden und sich zugleich das typische Räucheraroma erhalten lässt.

In der Lebensmittelbranche der entwickelten Länder stehen heute vor allem Fragen der Lebensmittelsicherheit, der gesunden Ernährung und der Nachhaltigkeit im Mittelpunkt des Verbraucherinteresses. „CleanSmoke”, so das Fazit von Uwe Vogel, „beantwortet alle drei Fragen überzeugend und kann schon heute einen echten Wandel herbeiführen.“

Beitrag zum Klimaschutz

Hannah Helmke, Geschäftsführerin des Beratungsunternehmens right. based on science, ging auf eine der großen Herausforderungen der Lebensmittelindustrie ein: Die Branche, die 29 Prozent aller Treibhausgase verursacht, kann wesentlich dazu beitragen, die globale Erwärmung auf die von der UNO geforderten zwei Grad zu begrenzen. Die verschiedenen Akteure der Lebensmittelindustrie sind nun gefordert, sich mit Verfahren vertraut zu machen, die dazu geeignet sind, die Emissionen zu senken. Hannah Helmke machte deutlich, dass Unternehmen langfristig Wettbewerbsvorteile realisieren können, wenn sie Maßnahmen zur Verminderung der Erderwärmung in ihre Planung einfließen lassen.

Andreas Severin, Inhaber der Kommunikationsagentur crossrelations, warnte davor, überlegene Technologien, die althergebrachte Regeln brechen, für Selbstläufer zu halten. Die Vorteile von CleanSmoke liegen zwar auf der Hand. Aber: Wir neigen dazu, das Altbewährte zu überschätzen und dem Neuen zu misstrauen. „Um sich durchzusetzen, brauchen Innovationen einen Vertrauensvorteil.“, so Andreas Severin.

Dieses Vertrauen lässt sich u.a. durch Corporate Social Responsibility (CSR) erwerben. Für CleanSmoke heißt das: Hersteller und Händler müssen nachprüfbare Fakten darüber bereitstellen, dass die neue Technologie Unternehmens- und Umweltkosten senkt und gute Räucherprodukte noch besser macht. Sie müssen Emotionen und Werte der Verbraucher, etwa der Millennials, ansprechen und ernst nehmen.

Das CleanSmoke-Verfahren trifft mit so vielen Aspekten die brennenden Themen der Branche: Es geht um Nachhaltigkeit, Lebensmittelsicherheit, Ressourcen- und Arbeitsschutz, aber auch um Geschmack und effiziente, gesündere Produktionsmöglichkeiten. Diejenigen, denen das Thema Nachhaltigkeit und Lebensmittelsicherheit ein besonderes Anliegen ist, sollen für die Zukunft in der Lage sein, mit CleanSmoke geräucherte Produkte bewusst wahrzunehmen. Der Verbraucher soll die faire Chance erhalten, sich für das eine oder das andere Räucherverfahren bewusst zu entscheiden.

„Wir befinden uns auf einem sehr guten Weg, weil uns die Hersteller verstanden und ihr Interesse an dem Verfahren bekundet haben. Als nächstes erwarten wir entsprechende Signale auch von der Rechtsprechung und vom LEH, damit entsprechende Weichen gestellt werden und jeder Lebensmittelhersteller sein Produktion umstellen könnte.“ Darin sieht Uwe Vogel die großen Chancen für die Zukunft.

www.clean-smoke-coalition.eu

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