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Botschafter der Stadt und der Wurstkultur

Es begann 1928 mit einem Wurstseminar für sechs Berufskollegen, heute ist sie eine Meisterschmiede, die Tradition und Moderne verbindet und Vorbild für internationalen Know-how-Transfer: Die 1. Bayerische Fleischerschule Landshut hat mit einem Festakt und rund 150 Gästen ihr 90-jähriges Bestehen gefeiert.

Just zu diesem Anlass vollzog sich auch ein Generationswechsel: Georg Zinkl, seit 1993 Gesellschafter und Geschäftsführer, gab seinen Rückzug aus dem Tagesgeschäft und der GmbH bekannt und übergab die Verantwortung an seine Tochter Barbara Zinkl. Die 37-Jährige, seit 2009 Schulleiterin und seit 2014 Geschäftsführerin, wird geschäftsführende Gesellschafterin und hält künftig ein Drittel der GmbH-Anteile. Die anderen Anteilseigner sind ihre Schwester Katrin Barth, die als Steuerberaterin bereits in die Geschäfte der Schule eingebunden ist, sowie Michael Huber, Sohn des ehemaligen Hauptgesellschafters und 2016 verstorbenen Dr. Herbert Huber. Er ist als Rechtsanwalt in München und als juristischer Dozent an der 1. BFS tätig.

Georg Zinkl sieht diese Verjüngung auch als Startsignal, um mit neuen Ideen und Angeboten erfolgreich in die Zukunft zu gehen – so habe sich die 1.BFS seit ihrer Gründung durch Metzgermeister Max Schöner zur renommiertesten privaten Lehreinrichtung der Branche entwickelt. Über 20.000 Kursteilnehmer aus aller Welt kamen bis dato zum Lernen. In den Bernlochner Stadt­­sälen blickte Zinkl auf Meilensteine der Schulgeschichte zurück: Bereits 1929 war Landshut Ziel für Metzger aus der Schweiz, Dänemark, Holland, Belgien, Frankreich, Jugoslawien oder Palästina, 1931 erhielt man das Prädikat „Staatlich anerkannte Fachschule“. Bereits am 1. Mai 1946 fand der erste Nachkriegskurs mit 81 Teilnehmern statt. Der 100. Lehrgang schloss am 9. Februar 1953 ab (derzeit läuft der 437.). Nach dem Tod von Max Schöner 1974 übernahm 1979 Dr. Herbert Huber die 1.BFS, die seit 1993 als GmbH firmiert. Erfolgreiche Weichenstellungen waren auch der Neubau 1993 an der Straubinger Straße, die DIN-9001-Zertifizierung 2011 und die Neukonzep­tion von Kursen, beispielsweise zum Betriebswirt des Handwerks, ein Master-Studiengang (2016), zum Fleischsommelier (2017) oder zum Wurstsommelier, der Ende September Premiere feierte.

„90 Jahre Substanz statt Show“, so soll es weitergehen, bekräftigte Barbara Zinkl. Im „Campus der Fleischbranche“ werde man die Aufgaben engagiert anpacken, mit „Hand.Herz.Verstand“, so der neue Schul­slogan. Ihren Vater weiß sie auch künftig als Ratgeber im Hintergrund.

Die wichtige Rolle der 1.BFS würdigten einige prominente Grußredner, wie beispielsweise Oberbürgermeister Alexander Putz. Durch ihre Auslandskontakte und ihre Kursteilnehmer sei die Schule ein wertvoller Botschafter der Stadt.

Bildung aus Bayern sei eben ein Exportschlager, befand Fleischerschul-Absolvent und MdB Alois Rainer, denn die 1. BFS gibt ihr Know-how in Joint-Ventures an zwei private Fleischerschulen in Japan (seit 2007) und Südkorea (seit 2017) weiter. Sie nutze ihren Vorteil, dass wie im dualen System der Berufsausbildung Theorie und Praxis aus einer Hand kämen. Hans Graf, Vizepräsident der IHK Niederbayern, überreichte Barbara Zinkl eine Ehrenurkunde in Anerkennung der Verdienste der 1. BFS um die niederbayerische Wirtschaft.

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