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Bayerische Metzger mit klaren Positionen

Für Landesinnungsmeister Konrad Ammon und seine Vorstandskollegen war der 71. Bayerische Fleischerverbandstag am Sonntag, 26. Mai 2019, in Passau ein voller Erfolg. Das Ergebnis der planmäßig anstehenden Neuwahl des Vorstands war nur ein Grund dafür: Der Landesinnungsmeister sowie die Vorstandsmitglieder Werner Braun, Michael Moser, Thomas Köhn, Manfred Weber, Thomas Krinner, Harald Münzinger und Daniel Hirsch wurden mit 100 Prozent der Stimmen in ihren Ämtern bestätigt. Horst Schömig schied auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand aus, auf ihn folgt nun Christof Eck.

Große Zustimmung erfuhr Konrad Ammon auch bei seinem verbalen Rundumschlag in seiner einführenden Rede, in der er den Standpunkt der bayerischen Metzger zu einzelnen aktuellen Entwicklungen und notwendigen Rahmenbedingungen deutlich machte.

Massive Kritik übte er an der Politik in Berlin und Brüssel. Unterstützung für die kleinen regionalen Strukturen sei zu vermissen, und die EU habe den Handwerksbetrieben in erster Linie das Lebensmittel- und Hygienerecht, die Zulassungsverordnung sowie das Hinterfragen des Meistertitels beschert. Umso schlimmer wirkt sich hierbei die übliche deutsche Gründlichkeit aus, mit der die europäischen Vorgaben in nationales Recht umgesetzt werden. Das heißt, so Ammon, „dass die deutsche Bürokratie es immer wieder versteht, auf die bestehenden Vorlagen etwas draufzusetzen.“

Seinem Ehrengast, Michaela Kaniber, Staatsministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, dankte der Landesinnungsmeister allerdings ausdrücklich für das Bemühen der Bayerischen Staatsregierung, die kleinen regionalen Wertschöpfungsketten zu erhalten und zu unterstützen.

Auch zu den aktuellen Reizthemen „Videoüberwachung in Schlachthöfen“, „Internetpranger“ und zur Foodwatch-Plattform „Topf Secret“ äußerte sich der Landesinnungsmeister und forderte politische Unterstützung gegen Organisationen, die „die Macht der Medien und die Angst vor den Medien“ in zerstörerischer Weise ausnutzen. Dagegen sei der Internetpranger ganz nüchtern betrachtet eine Plattform, „wo Betriebe aufgeführt werden, die schwerwiegende Mängel vorliegen haben und mit einem Bußgeld von über 350 Euro bestraft wurden.“ Unter diesen Voraussetzungen wären gerade einmal drei Betriebe aus dem bayerischen Metzgerhandwerk davon betroffen gewesen und die festgestellten Mängel hätten das Bußgeld auch gerechtfertigt.

Eine kameragestützte Videoüberwachung in Schlachthöfen, die aus Sicht des Verbandes nicht mit dem deutschen Grundgesetz und auch nicht mit geltendem europäischem Recht vereinbar sei, wolle der Fleischerverband Bayern in jedem Fall verhindern, auch wenn „eines Tages eine Beschwerde bei der Europäischen Kommission“ eingelegt werden müsse.

Herbert Dohrmann, Präsident des Deutschen Fleischerhandwerks, befürwortet eine Videoüberwachung ebenfalls nicht, äußerte in seinem Grußwort allerdings Bedenken gegen einen harten Konfrontationskurs. Die Branche müsse vorbereitet sein auf einen möglichen gesetzlichen Zwang und dürfe in der Öffentlichkeit nicht den Eindruck erwecken, dass Metzgereien etwas zu verbergen hätten.

Unterstützung von höchster Stelle

In ihrer Festrede sagte Staatsministerin Michaela Kaniber dem bayerischen Metzgerhandwerk weitgehende Unterstützung zu. Kleine Strukturen zu erhalten, sei auch aus ihrer Sicht sehr wichtig und Bayern sei in dieser Beziehung durchaus Vorbild. Ziel müsse auch eine Zusammenarbeit mit dem Metzgerhandwerk in der Vermarktung sein. So können staatliche Förderprogramme für den ländlichen Raum bewirken, dass auch die Versorgung der Menschen sichergestellt ist, die zunehmend wieder aufs Land zurückkehren. Die Bayerische Regierung setze sich zudem dafür ein, dass der Meisterbrief erhalten bleibe und dass es Vereinfachungen gerade für kleinere Betriebe bei den Dokumentationspflichten gebe.

Was die anspannte Situation im Ausbildungsbereich angeht, müsse es darüber hinaus politisches Ziel sein, nicht alle jungen Leute zu Akademikern ausbilden zu wollen – andere berufliche Wege zu gehen, sei in vielen Fällen die sinnvollere und bessere Wahl.

Das staatliche Tierwohllabel kommt nach Ansicht der Ministerin zu spät. Um mehr Tierwohl zu erreichen, müssen vor allem die Forderungen an die Verbraucher durchgesetzt werden. Allerdings seien bei der Haltung von Tieren auch Zielkonflikte zu lösen, etwa was die Freilandhaltung einerseits und den Klimaschutz andererseits betreffe.

Der Einladung von Michaela Kaniber zu ausführlichen Gesprächen im Ministerium wird der Bayerische Fleischerverband gerne folgen.

Alois Rainer, einziger Metzger Mitglied des Bundestages, beklagte in seinem Grußwort die oft mangelnde Kompetenz der politischen Entscheidungsträger in für die Branche wichtigen Sachfragen. Das Wissen um die Folgen von Beschlüssen für die tägliche Arbeitspraxis in den Betrieben fehlt demnach schlichtweg. So bedauerte der Abgeordnete, dass es den vierten Weg als Alternative zur betäubungslosen Ferkelkastration nun wohl nicht geben werde. Denn aus seiner Sicht wäre die lokale Betäubung mit Lidocain das Beste gewesen.

Nicht akzeptabel sei auch ein Hygienebarometer, das in seiner Bewertung des Hygienezustands eines Betriebs viel zu pauschal sei.

Neues Markenzeichen für bayerische Metzger

Gemeinsames und einheitliches Markenzeichen für das Deutsche Fleischerhandwerk ist die seit vielen Jahren bekannte f-Marke. Sie symbolisiert all das, wofür das Fleischerhandwerk steht, soll ein positives Image fördern und die Marktposition fleischerhandwerklicher Betriebe stärken.

Das soll auch weiterhin so bleiben, auch wenn sich die bayerischen Metzger auf dem Verbandstag in Passau einstimmig für die neue „m“-Marke ausgesprochen haben. Das „m“ trage dem Selbstverständnis der bayerischen „Metzger“ noch besser Rechnung und soll zukünftig die Verbundenheit der Betriebe mit den bayerischen Regionen, den kulinarischen Spezialitäten aus Bayern und der hiesigen Lebensart nach außen tragen.

Der 72. Bayerische Fleischerverbandstag findet am 23. Mai 2020 im Kurhaus Bad Hindelang statt.

Thomas Röhr

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