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Agribusiness 2020: Robuste Branche

Corona-Pandemie, Afrikanische Schweinepest (ASP), Dürresommer: Das Jahr 2020 hat das Agribusiness in Deutschland vor eine harte Probe gestellt – die die Branche insgesamt aber gut gemeistert hat: Die Betriebe des Agribusiness erzielten im Jahr 2020 einen geschätzten Umsatz von 234,3 Milliarden Euro – das waren 1,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Bedeutende Teilbranchen des deutschen Agribusiness sind die Lebens- und Futtermittelindustrie, die Getränkeindustrie, die Landtechnikindustrie, die Saatzuchtindustrie, die Hersteller von Pflanzenschutz- und Düngemitteln sowie der Landhandel.

Allerdings war die Entwicklung in den einzelnen Teilbereichen höchst unterschiedlich: So hat die Ernährungsindustrie als größte Teilbranche des Agribusiness den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr geschätzt um 0,5 Prozent auf 186,3 Milliarden Euro leicht steigern können – und somit einen neuen Höchstwert markiert. Zur Ernährungsindustrie gehören unter anderem die Schlacht- und Fleischverarbeitung, die Molkereiwirtschaft, die Produktion von Futtermitteln oder die Getränkeindustrie.

Die Fleischwirtschaft ist innerhalb der Ernährungswirtschaft zwar nach wie vor die wichtigste Teilbranche – das Jahr 2020 hat jedoch nicht den erwarteten Rekordumsatz gebracht. Geschätzt liegt der Umsatz bei 45 Milliarden Euro und damit 0,7 Prozent niedriger als im Vorjahr. Nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Deutschland ist insbesondere der Export eingebrochen: Er lag geschätzt bei 10,2 Milliarden Euro nach 11,4 Milliarden Euro im Vorjahr. Entsprechend ist auch der Exportanteil von 25 Prozent auf 22,7 Prozent gesunken – der niedrigste Wert seit Durchführung der Studie im Jahr 2008.

Auf die Beschäftigung wirkte sich der Rückgang jedoch kaum aus: 2020 arbeiteten geschätzt 128.000 Beschäftigte in der Fleischwirtschaft – in etwa die gleiche Anzahl wie im Vorjahr. Die Zahl der Betriebe ging leicht um drei auf 1.478 zurück.

Dr. Christian Janze, Partner bei EY: „Die doppelte Krise aus Covid-19 und dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest hat die Fleischproduzenten vor erhebliche Probleme gestellt. Die Branche war auf der Produktionsseite teilweise stark von Corona betroffen. Die Schlachtanzahl war deutlich geringer und der Exportstopp nach China belastete den Markt. Immerhin konnten die Metzger mehr Ware verkaufen: Die Corona-Pandemie hat den Verbrauchern die Wertigkeit von regionalen Produkten vor Augen geführt, und sie haben häufiger in Fachgeschäften eingekauft. Dennoch steht der Gesamtbranche ein schwieriges neues Jahr bevor. Die Preis- und Marktentwicklung insbesondere von Schweinefleisch wird bestenfalls verhalten sein. Ein Ausbruch der ASP im Haustierbestand wäre fatal. Hier steht die gesamte Produktions- und Wertschöpfungskette auf dem Spiel. Dies belastet die Branche zusätzlich zu den allgemeinen Diskussionen um Tierhaltung hier zu Lande. Insofern wären solide Ergebnisse 2021 auf dem Niveau von 2020 schon ein Erfolg für die Branche – zumal die offene Frage von einerseits gestiegenen Anforderungen an eine nachhaltigere und tierwohlgerechtere Fleischproduktion und einer andererseits oftmals fehlenden Zahlungsbereitschaft seitens der Konsumenten weiter ungelöst ist.“

Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY und des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftslehre des Agribusiness der Georg-August-Universität Göttingen. Die Studie basiert auf Daten des Statistischen Bundesamtes, des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer, des ifo Instituts – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V. sowie eigenen Berechnungen.

Janze: „Angesichts der außergewöhnlichen Belastungen im Jahr 2020 hat sich das Agribusiness als außerordentlich robust erwiesen. Gerade in der Krise zeigt sich die fundamentale Bedeutung der Branche für die Lebensmittel- und Versorgungssicherheit in Deutschland. Mit Blick auf das Geschäftsklima und die Geschäftserwartungen zeigt sich die Branche im Durchschnitt deutlich optimistischer als andere Branchen.“

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