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Noch mehr Tierwohl in der dänischen Schweineproduktion

Beim Tierschutz ist die dänische Schweinebranche einer der Vorreiter. Die Präsentation ihrer Schwerpunkte für 2018 machte klar, dass die dänischen Schweineproduzenten ihren Vorsprung ausbauen wollen: Mehr Sauen in Freilaufhaltung, schonendere Ferkelkastration, 230 Mio. DKK – aus eigener Tasche – für Forschungsvorhaben.

Im laufenden Jahr werden die dänischen Schweineproduzenten 230 Mio. DKK in Forschungsvorhaben in den Bereichen Tierschutz, Qualität und Nachhaltigkeit investieren. „Forschung ist Voraussetzung für mehr Tierwohl. Unsere Branche muss die Zukunft in Zusammenarbeit mit Universitäten und Forschungseinrichtungen gestalten“, sagt Karen Hækkerup, CEO des Dänischen Fachverbands der Land- & Ernährungswirtschaft, Kopenhagen/Dänemark. Die Mittel für den Forschungsausbau werden von den Schweineproduzenten selbst bereitgestellt, für die Umsetzung zeichnet das SEGES Pig Research Centre in Kooperation mit den Universitäten Aarhus und Kopenhagen sowie anderen international führenden Universitäten, Organisationen und Forschungseinrichtungen verantwortlich.

Schonendere Kastration

Werden männliche Ferkel nicht kastriert, erhöht sich das Risiko, dass später bei der Zubereitung des Fleisches so genannter Ebergeruch auftritt. Um dies auszuschließen, fordern mehrere Abnehmerländer die durchgängige Kastration von männlichen Ferkeln. Seit einigen Jahren wird die Ferkelkastration in Dänemark unter Schmerzlinderung vorgenommen. Nun haben die dänischen Schweineproduzenten selbst die Initiative zum nächsten Schritt ergriffen: Künftig sollen die Ferkel vor der Kastration örtlich betäubt werden.

Erik Larsen, Vorsitzender Schweineproduktion im Dänischen Fachverband der Land- & Ernährungswirtschaft: „Gemeinsam mit dem Entwicklungszentrum für Freiland-Nutztiere konnten wir ein Betäubungsverfahren identifizieren, das den Ferkeln diesen Eingriff signifikant erleichtert, eine klare Verbesserung des Tierwohls. Dies ist nur einer von mehreren Bereichen, in denen wir mehr für den Schutz und das Wohl unserer Tiere tun, als die EU-Verordnungen und die dänische Gesetzgebung fordern. Seit 1. Januar dürfen Landwirte und ihre Mitarbeiter nach dänischem Gesetz die Lokalanästhesie im Vorfeld der Kastration selber vornehmen. In den kommenden Monaten werden wir allen Landwirten und zuständigen Mitarbeitern in Lehrgängen das entsprechende Rüstzeug vermitteln, so dass ab 2019 alle männlichen Ferkel ordnungsgemäß betäubt und kastriert werden können.

Mehr Sauen in Freilaufhaltung

Bereits jetzt ist die Freilaufhaltung von trächtigen und säugenden Sauen in der dänischen Schweineproduktion weitestgehend umgesetzt. Seit geraumer Zeit wird an der Erforschung und freiwilligen Umsetzung des nächsten Ziels gearbeitet: Freilaufhaltung in Abferkelställen. Laut Erik Larsen sind die Dänen beim Bau von Abferkelställen für die Freilaufhaltung Weltmarktführer. „Nun intensivieren wir unsere Forschung. In Abferkelställen stellt Freilaufhaltung eine besondere Herausforderung dar. Die Ferkelsterblichkeit steigt, unter anderem weil die kleinen Säuger von ihrer Mutter erdrückt werden. Hier gilt es, das Wohl der Sauen und das der Ferkel in Einklang zu bringen. Dies versuchen wir durch intensivierte Forschung und Versuche in den Griff zu bekommen, so dass es den Sauen gut geht und die Ferkel überleben können“, erklärt Larsen.

Konsumenten einbeziehen

Tierschutzmaßnahmen sind oft mit erhöhtem Aufwand verbunden, Kosten, die letztendlich der Verbraucher zu tragen bereit sein muss. Karen Hækkerup: „Anhand unserer Forschungsergebnisse wollen wir das Wohl möglichst vieler Schweine verbessern. Möglichst viele bedeutet auch, dass die Produktionskosten in einem realistischen Verhältnis zur Situation und Nachfrage der Konsumenten stehen müssen. Wenn unsere Tierwohl-Produkte so teuer werden, dass die Verbraucher Fleisch aus anderen Ländern mit weniger Tierwohl kaufen, dann ziehen nicht nur wir und unsere Schweine, sondern auch die für Fleischproduktion gehaltenen Schweine insgesamt den Kürzeren. Unsere Erfahrungen mit dem staatlichen Tierwohlsiegel zeigen, dass wir gemeinsam mit den Konsumenten in Dänemark – und sicher auch in anderen Ländern – den Tierschutz in der Schweineproduktion auch künftig weiter verbessern können.“

www.lf.dk

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