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Konferenz: Trends für funktionelle Lebensmittel

„Novel Food“, Lebensmittel mit Zusatzstoffen, zählen zu den Umsatztreibern und Innovationsmotoren der Lebensmittelbranche. Allerdings muss die Bewerbung des Zusatznutzens strenge Auflagen erfüllen. Die ‚Health Claims‘ stehen immer wieder in der Diskussion zwischen Behörden und der Industrie. Und die Verbraucher wissen oft nicht genau, wie sie die Versprechen auf den Lebensmittelverpackungen richtig deuten sollen.

Trends für funktionelle Lebensmittel
Verbraucher sind oft unsicher, ob ein Lebensmittel tatsächlich den versprochenen gesundheitlichen Zusatznutzen bietet. -

Anfang Juni 2017 trafen sich Lebensmittelexperten, Forscher und Rechtsexperten in Mainz zur achten Fachkonferenz „Health Claims and Functional Ingredients“ der Akademie Fresenius. Dazu haben die Veranstalter Referenten aus Deutschland, Italien, Spanien und Großbritannien gewinnen können.

Auf dem Programm standen aktuelle Gesetzesänderungen und Besonderheiten bei der Formulierung von „Beauty Claims“. Weitere Vorträge beschäftigen sich mit Lebensmitteln zur Stärkung der ‚kognitiven Gesundheit‘ und Erkenntnissen der ‚Nutrigenomics‘ – der Wissenschaft, die die Wechselbeziehungen zwischen Ernährung und Erbgut erforscht.

Sophie Hieke vom European Information Food Information Council (Brüssel) stellte die Ergebnisse des EU-Forschungsprojektes CLYMBOL (Role of health related claims and symbols in consumer behaviour) vor. Vier Jahre lang hatten Wissenschaftler in verschiedenen Experimenten untersucht, wie Verbraucher gesundheitsbezogene Informationen auf Lebensmitteln und Getränken interpretieren. Ergebnis: Oft sind die Kunden mit den Informationen überfordert. Botschaften über neue Inhaltsstoffe kommen immer dann an, wenn sie einerseits verständlich sind und andererseits neue mit bekannten Informationen kombinieren. Verbraucher reagieren sehr unterschiedlich auf die Kombination von Claims, Logos und Bildern. Insgesamt kommt die Studie deshalb zu dem Ergebnis, dass die Kommunikation von Versprechen und Informationen über Lebensmittel alles andere als einfach ist: „Wenn Claims und Symbole eine Wirkung entfalten können, ist diese stets eher klein und fein“, so Sophie Hieke. Zwar könnten Bilder die Health Claims unterstützen – am Ende sind es aber vor allem die eigenen Gesundheitsziele des Verbrauchers, die entscheiden, ob beim Einkauf Health Claims auch Beachtung finden. Außerdem zeigen die Studienergebnisse, dass die Verbraucher Health Claims und andere Aussagen über Lebensmittel weniger trennscharf unterscheiden als es die Experten aus Industrie und Gesetzgebung tun.

Auch Stefanie Bröring von der Universität Bonn stellt bei den Verbrauchern eine zwar positive, aber auch verschwommene Einstellung zur Rolle funktionaler Lebensmittel zur Vorbeugung chronischer Krankheiten fest. „Verbrauchern fällt es schwer, die langfristigen Vorteile der Ernährungs-Prävention zu erkennen“, so Bröring. Umso wichtiger seien Schulungs- und Aufklärungsarbeit, um Wissen über Ernährung und Aufmerksamkeit für Inhaltsstoffe zu erhöhen.

Verhindert Health Claims-Verordnung Innovationen?

In einer Studie hat Stefanie Bröring die Auswirkung der EU-Health-Claims-Verordnung von 2006 auf den Erfolg und die Geschäftspraktiken der Lebensmittelunternehmen untersucht. Der Umfrage zufolge stellt die Formulierung der Claims für die Unternehmen die größte Herausforderung dar. Außerdem ergibt die Studie, dass sich die Health-Claims-Verordnung negativ auf die Innovationsfreudigkeit ausgewirkt hat: Fast die Hälfte aller befragten Unternehmen haben seit Inkrafttreten der Verordnung weniger neue Produkte eingeführt.

Viele Unternehmen reagieren auf die neue Situation, die sich durch die Health-Claims-Verordnung ergeben hat, mit Verstärkung der Zusammenarbeit mit anderen Partnern. Durch diese „cross-industrie“ Kooperationen, die besonders für kleine und mittelständische Unternehmen wichtig sind, kann die Innovationsfähigkeit langfristig steigen. Cognitive Ageing: weites Feld für funktionale Lebensmittel

Louise Dye von der Universität Leeds untersuchte in ihrem Vortrag, wie funktionelle Lebensmittel gegen kognitives Altern und Demenz eingesetzt werden können. Da die Lebenserwartung immer weiter steige, werde Kognitives Altern („Cognitive Ageing“), Demenz und die Alzheimer Krankheit zu einem weltweiten Problem, so Dye. Umso wichtiger sei es, Risikofaktoren für kognitive Beeinträchtigungen zu erforschen. In diesem Zusammenhang rücken der Alterungsprozess und der mögliche Einfluss der Ernährung immer mehr in den Fokus. So würden zum Beispiel im Alter mehr freie Radikale freigesetzt. Antioxidative Spurenelemente können hier von Nutzen sein. Ernährungsweisen mit niedriger glykämischer Last sind gut bei beeinträchtigter Glukosetoleranz, die mit Gedächtnisschwäche in Verbindung gebracht wird. Dye betonte, dass in zukünftigen Forschungen vor allem die ‚jüngere Population“ der 40 bis 65-jährigen in den Blick genommen werden müsste. Gebraucht würden vorausschauende Studien und ernährungssensitive kognitive Tests, die Zusammenhänge zur Ernährung herstellen können.

Clean Label Trend: Ansprüche an Funktionalität und Transparenz gehen Hand in Hand

Lu Sang, Business Development Manager bei Arla Food Ingredients (Dänemark), blickte zum Abschluss der Tagung auf „Clean Label Trend“. Sie ist überzeugt, dass sich die gesamte Agenda der Lebensmittelindustrie im Wandel befindet: „Wir müssen Inhaltsstoffe und Produkte entwickeln, die dem Verlangen der Verbraucher nach Transparenz und Funktionalität entsprechen.“ Die Lösung sieht sie im „Clean Label Trend“. „Clean Label“ soll die Verschiebung der Verbraucherpräferenzen zu einfacheren und natürlicheren Inhaltsstoffen beschreiben: „Return to Basics“. Die Menschen wollen mehr denn je verstehen, was sie verbrauchen. Das heißt: Sie wollen über alle Inhaltsstoffe Bescheid wissen. Gleichzeitig wünschen sie sich mehr funktionelle Lebensmittel, die ihnen bestmöglich nutzen. Umso größer werden die Ansprüche an die Transparenz und die Auswahl der Inhaltsstoffe, die eine breitere Spanne an Funktionalitäten abdecken sollen, so Lu Sang.

Die Tagungsunterlagen mit den Skripten aller Vorträge der Fresenius-Konferenz können zum Preis von 295,- EUR (netto) bei der Akademie Fresenius bezogen werden.

www.akademie-fresenius.de

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