Pflanzliche Sterole sind strukturell dem Cholesterin ähnlich und hemmen seine Aufnahme im Darm. Aufgrund dieser cholesterinsenkenden Wirkung werden pflanzliche Sterole häufig sogenannten „funktionellen Lebensmitteln" wie zum Beispiel Margarine oder Joghurts zugegeben.
Ziel der Studie unter Leitung von Prof. Dr. Joachim Thiery und Prof. Dr. Daniel Teupser war unter anderem auch die Beantwortung der Frage, ob genetische Unterschiede bei der Sterolregulation beim Menschen einen Einfluss auf das Risiko von Herzgefäßerkrankungen haben, wie zum Beispiel dem Herzinfarktrisiko.
Das Ergebnis war für die Forscher so überraschend wie unerwartet. Es konnte belegt werden, dass die Sterolregulation zum Teil von der Blutgruppe abhängt. Demzufolge neigen Träger der Blutgruppen A, B und AB zu höheren Sterolspiegeln und haben daher ein höheres Risiko für eine Erkrankung der Herzkranzgefäße. Dagegen ist Blutgruppe 0 besonders geschützt vor einem hohen Sterolsoiegel und ebenso vor Herzgefäßerkrankungen.
Prof. Dr. Daniel Teupser, Professor für klinische Chemie und funktionelle Genetik, fasst zusammen: „Menschen mit einer bestimmten genetischen Variante scheiden Phytosterole schlechter aus, haben dadurch einen höheren Sterolspiegel und somit ein erhöhtes Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Dieser Befund steht im Widerspruch zu den Empfehlungen medizinischer Fachgesellschaften, die eine Nahrungsmittelergänzung mit pflanzlichen Sterolen befürworten."
Prof. Dr. Joachim Thiery, Direktor des Instituts für Laboratoriumsmedizin, klinische Chemie und molekulare Diagnostik, ergänzt: „Aufgrund der Forschungsergebnisse kann die weit verbreitete Auffassung, dass Produkte mit Ersatzstoffen für tierische Fette grundsätzlich gesundheitsfördernd sind, nicht mehr aufrecht erhalten werden. Für einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung sind sie sogar als schädlich einzustufen. Die gefundenen Zusammenhänge bedürfen nun einer tiefer gehenden Funktionsaufklärung."